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Veröffentlicht am 28.01.2016 | von Jonathan Hirschhäuser

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JESU/SUN KIL MOON – Jesu/Sun Kil Moon

Jesu/Sun Kil Moon - Jesu/Sun Kil Moon CD-Kritik

Today we had a nice dinner with our driver Francesco
I asked how many cups of coffee he drinks all day and he said
Many many many many many cappuccino
And a group of fans came into the restaurant
And their eyes popped out of their heads

(Jesu /Sun Kil Moon – America’s Most Wanted Mark Kozelek And John Dillinger)

Der in den letzten Jahren durch zwei von Kritikern und Fans gefeierten Soloalben der breiten Masse bekannter gewordene Songwriter Mark Kozelek alias Sun Kil Moon schließt sich mit Justin Broadrick alias Jesu aus der Metall Band Godflesh für ein Album zusammen. Die Rollen sind klar verteilt: Kozelek schreibt den Text, Broadrick vertont ihn.

Wenn man dieses Album oberflächlich hört, könnte man meinen, Kozelek wäre der egozentrische Künstler, der über sich positives berichtet und am Rest der Welt herumnörgelt. Eben jene Person, die sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich mit anderen Musiker und Persönlichkeiten angelegt hat. Man könnte fragen: „Wie narzisstisch muss man sein, damit man auf einem einzigen Album nicht einen sondern gleich zwei verehrende Fanbriefe in Gänze vorliest?

Oder aber man beschäftigt sich näher mit den Geschichten, die Kozelek einem mit ruhiger Stimme erzählt, als sei man zwei alte Schulfreunde, die sich seit Jahren das erste Mal wieder sehen. Dabei spannt der 49-jährige in jedem Song einen so großen Bogen, dass er von James Blake über Game of Thrones bis zu Mike Thyson fast aus jedem popkulturellen Bereich der westlichen Welt mindestens einen Vertreter nennt. Die durchschnittliche Songlänge wird dadurch weit über die Sieben-Minuten-Grenze katapultiert. Aktives Zuhören wäre nach einiger Zeit sehr ermattend, auch weil Kozeleks Vortrag monoton ist und Songstrukturen mit Refrain und Strophe nicht zu finden sind. Doch sind die erzählten Inhalte zu spannend und gehaltvoll, um einfach wegzuhören. Wie in kleinen Kurzgeschichten ohne konkreten Anfangs- und Endpunkt erzählt Kozelek von seinen Gedanken über die Möglichkeit Vater zu werden (‚Father’s Day‚), vom Tourleben eines Musikers im Laufe seines Lebens (‚America’s Most Wanted…‚) oder vom Tod eines alten Freundes und der Vergänglichkeit des Lebens (‚Fragile‚). In ‚Exodus‚, dem vielleicht stärksten Song, durchlebt Kozelek das Grauen des Verlustes des eigenen Kindes als Reaktion auf den Tod von Nick Cave’s Sohn.

Das alles wird von Justin Broadrick mal nur mit Akustikgitarre, mal mit sanftem Elektronikbeat passend hinterlegt. Nur auf den ersten drei Liedern wirkt das Zusammenspiel der beiden aus so unterschiedlichen musikalischen Ecken kommenden Künstlern ideenlos und aneinander vorbeigespielt. Der zweite Track ‚Carondelet‚ besteht quasi nur aus einem einzigen acht Minuten lang geloopten Riff ohne Zusammenhang mit Kozeleks Text.

Die drei Lieder Eingewöhnungszeit zu Beginn möchte man bei den so unterhaltsamen wie berührenden Ausflügen in Kozeleks Gedanken gerne verzeihen. Das Duo erschafft auf den restlichen 60 Minuten ein modernes Stück Storytelling, das man aufgrund des ruhigen Vortrags sowohl gut im Vordergrund als auch im Hintergrund hören kann.

4von5

Jesu/Sun Kil Moon – Jesu/Sun Kil Moon
VÖ: 22. Januar 2016, Rough Trade
www.sunkilmoon.com
www.caldoverderecords.com/exodus

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