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Veröffentlicht am 21.01.2016 | von Monya

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MYSTERY JETS – Curve of the Earth

Mystery Jets - exklusiver Album-Stream

You’re different everyday, and you grow in every way
But your thoughts, your friends, your face
Are just visitors who leave without a trace
So if the highs of youth have got you crashing down to earth
It’s time to face the truth
Of your pain, your love, your hurt

(Mystery Jets – Saturnine)

Die Mystery Jets sind eine jener Bands, die sich konsequent jeglicher linearer Entwicklung entziehen. Immer fragt man sich: Was wird als nächstes kommen? Vorhersagen kann man es nie. Das Debutalbum ‚Making Dens‚, das 2006 kindliches Chaos mit melancholischer Erwachsenheit kombinierte. Die absolute Bombe einer Platte, ‚Twenty One‚, voller Pop-geladener Indiesongs, die die Unvorhersehbarkeit der Band nur noch offenkundiger zelebrierten. ‚Radlands‚, das es vor drei Jahren mit genau jener Unvorhersehbarkeit etwas zu weit trieb und sich irgendwo in Texas verirrte. Und nun also ‚Curve of the Earth‚. Ihr bisher wahrscheinlich bestes, spannendstes Album.

Mystery Jets schaffen es mit dem neuen Album, erwachsen zu klingen, ohne einen erwachsenen Klang zu erzwingen. Es ist weniger zappelig, entwickelt sich viel entspannter an Melodiesträngen entlang als die ersten Platten. Weniger Stadion-esque als ‚Serotonine‚ und verirrt als ‚Radlands‘. Es hat einen selbstverständlichen, teils poppigen, teils rockigen Groove, der sich irgendwo zwischen den Beatles, My Morning Jacket und Foals einordnen lässt.

Der Opener ‚Telomere‚ ist so herzzerreißend, mit der rockigen, zerrigen Gitarre über dem poppigen, kitschigen Piano. Er schraubt dich ins Theatralische hoch, mit harmoniebedürftigen Akkordauflösungen. Und auch, wenn das ganz easy zum Schmalzfaktor werden könnte, tut es das nicht. Der Song behält die Coolness. ‚Bombay Blue‚ zeigt, wie einfach es für Mystery Jets ist, Melodieschlösser zu bauen, die irgendwie pompös sind, doch deren Fassade bröckelt und schmutzig ist. Wieder genau die Dosis poppigen Kitschs, die alles wunderbar flirrend klingen lässt, ohne sich zu sehr herauszuputzen. ‚Bubblegum‚ wird durch den schwebenden, Orgel-ähnlichen Gitarrenpart zum absoluten Hit. Fast etwas plump-rockig, was besagte Gitarre jedoch doppelt und dreifach rausreißt.

Dunkler und mit einem New Wave-touch kommt ‚Midnight’s Mirror‚ daher – zumindest bis zum Refrain, der sich erfrischend heiter dazwischendrängt und den Song zu einem der Spannendsten des Albums werden lässt. Durchzechte Nächte, die der Band mit Sicherheit vertraut sind, leben hier wieder auf. ‚Blood Red Balloon‚ und ‚Saturnine‚ haben einen grandiosen, etwas psychedelischen Retro-Charme, der einen mit viel Hall in Sphären irgendwo zwischen Pink Floyd und Ziggy Stardust schweben lässt.

‚Curve of the Earth‘ ist ein grandioses Album, das nicht zu amerikanisch-kitschig oder zu britisch-schrullig ist, sondern ein gelungenes Experiment, sich genau dazwischen zu positionieren. Es ist das Album einer Band, die nie leicht zu durchschauen war – und es noch immer nicht ist. Doch die sich, auf ihre ganz eigene Art, etwas Erwachsenes erschlossen hat. Eben so, wie wenn eine Band voller leicht verrückter Zottelköpfe von einem Ort namens Eel Pie Island ihren Coming of Age-Moment hat.

5von5

Mystery Jets – Curve of the Earth
VÖ: 15. Januar 2016, Caroline
www.mysteryjets.com
www.facebook.com/mysteryjets

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