Interviews

Veröffentlicht am 20.01.2016 | von Dominik

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PELZIG – Interview

Wir schreiben das Jahr 2015 – Pelzig, ein Quartett aus München und Ingolstadt feiert das 20. Bandjubiläum und veröffentlicht zu eben diesem ihr fünftes Album ‚Medium Cool World‚ – das erste nach elf Jahren Pause! Darauf befinden sich Songs, die angenehm international, nach den Größen der Nullerjahre klingen, nach Gitarren, verzerrten Verstärkern, nach Interpol, Shellac und The Notwist! Dieser Tage geht es zum ersten Mal nach Jahren auf Tour – Grund genug die Band zum Interview zu bitten und mal nach zuhorchen, was man die letzten Jahre getrieben hat, wie es zum neuen Album kam und was man noch für die Zukunft im Köcher hat! Pelzig im Bedroomdisco Interview:

Pelzig - Interview

Bandinfos:
– Name: PELZIG
– Mitglieder: Christian Schulmeyr, Rainer Schaller, Christian Schaller & René Arbeithuber
– Gründungsjahr: 1995
– Standort: München und Ingolstadt
– aktuelles Album: Medium Cool World

Fragebogen:
– 20 Jahre Bandjubiläum! Hättet ihr euch bei der damaligen Band-Gründung vorstellen können, so lange gemeinsam Musik zu machen? Was waren eure schönsten/was eure unschönsten Band-Momente in dieser Zeit?
Nein, dass das so lange hält, hat bestimmt keiner geglaubt. Die schönsten Momente sind eigentlich nicht einzelne Anekdoten, sondern es ist ein schöner langer Moment, es so lange geschafft zu haben und dabei entspannt zu bleiben. Es gibt eigentlich keine unschönen Momente. Zumindest nichts woran ich mich jetzt erinnere.

– Nach elf Jahren Pause habt ihr Ende 2015 mit ‚Medium Cool World‘ euer fünftes Album veröffentlicht – die lange Pause wirft einige Fragen auf: Was habt ihr so lange gemacht und warum habt ihr euch gerade jetzt entschlossen ein neues Album zu veröffentlichen?
Wir haben in diesem langen Intervall weiterhin regelmäßig-unregelmäßig Musik gemacht, geschrieben, geprobt, das ein oder andere einzelne Konzert gespielt, Familien gegründet und die berufliche Karriere weitergetrieben. Erst vor ca. 2 Jahren wurde uns klar, dass das Material vorhanden ist, dass es wert wäre, zu einem Album zu formen. Wir haben keinen Druck von aussen und den erzeugen wir uns auch nicht von innen.

– Habt ihr euch trotz der langen Pause immer damit beschäftigt als Band weiter zu machen und an neuer Musik gearbeitet oder hätte es auch dazu kommen können, dass es gar kein Lebenszeichen von Pelzig mehr gegeben hätte?
Nein, dazu gehört schon ein gewisser Fundus. Ich glaube, zu einer Hauruck Aktion waren wir nicht in der Lage.

– An welchem Punkt hat ‚Medium Cool World‘ als Album Gestalt angenommen, wie verlief der Produktionsprozess und welche Hindernisse galt es zu überwinden?
Vor zwei Jahren war der Punkt, an dem all diese Songs, Fragmente, Instrumentals, etc., die mal mehr mal weniger weit fortgeschritten waren, sozusagen zu uns sprachen und wir angefangen haben, sie einzuordnen, zueinanderzustellen und zu hören, was passiert. Uns war klar, dass es ein schwieriges Unterfangen sein könnte, auch all diese verschiedenen Klangwelten, die aus verschiedenen Zeiten stammen, zusammenzubringen. Wir haben dann in den letzten Monaten auch ein paar Sachen neu aufgenommen. Manche haben wir aber auch so gelassen, wie sie vor Jahren produziert wurden. Wir haben alles selbst produziert und in den 3 verschiedenen Proberäumen, in denen wir in dieser Zeit waren, aufgenommen. Unser Gitarrist Rainer hat dabei die Feder geführt. Im Mix fügte sich das Puzzle dann endgültig zusammen. Da hat Oli Zülch ganze Arbeit geleistet.

– Hat sich eure Produktionsweise bei den Songs innerhalb der Jahre verändert – falls ja, wie?
Nein, eigentlich nicht. Wir gehen da ganz unbedarft ran und sprechen kaum. Erstmal wird klassisch gejammt oder es bringt jemand was vorbereitetes mit und dann wird geguckt wo die Reise hingehen kann. Daraus wird dann irgendwann ein grob strukturiertes Instrumental. Erst dann kommt Sänger Christian ins Spiel und beginnt Texte, Melodien und Rhythmik der Vocals zu machen.

– Unser Lieblingssong von ‚Medium Cool World‘ ist ‚Battles‘ – könnt ihr uns sagen, wovon er handelt, wie er entstanden ist und ob es eine Geschichte dazu gibt?
Sänger Christian sagt dazu: Persönliche Kämpfe, battles ist einer der „lautesten“ Texte des Albums. Es ist nicht immer wichtig auf Gleichgesinnte zu warten, manchmal ist es auch wichtig einfach nur auf sich selbst zu hören und sich selbst zu Vertrauen.

– Wie würdet ihr eure Entwicklung als Band von ‚Safe In Its Place‘ zu ‚Medium Cool World‘ beschreiben?
Ich glaube, die Entwicklung war eher eine persönliche bei jedem einzelnen von uns. 2004 waren noch keine Kinder auf der Welt und wir haben in WGs gelebt. Also eher ein Studentenleben in den Tag hinein. Das hat sich schon sehr verändert. Man muss viel mehr und besser planen, wenn man zusammen musizieren will. Musikalische Entwicklung bekommt man selbst gar nicht so bewusst mit, ist aber natürlich immer vorhanden. Wir alle sind weiterhin an neuer Musik interessiert und saugen alles auf, was Qualität hat.

– In der Bio zum Album steht, dass ihr den „Wandel der Musikindustrie von aussen betrachtet“ habt – wie habt ihr ihn erlebt, wie empfindet ihr ihn, was hat sich für euch persönlich geändert und gibt es gar positive Punkte, die ihr dem Wandel abgewinnen könnt?
Da wir nie ein Major-Act waren und immer mit entspannten kleinen Labels zusammengearbeitet haben, die uns gegenüber keinerlei Forderungen stellten und stellen, hatte wir von Anfang an eine exponierte Stellung. Unsere Bandkollegen Slut haben die große Krise zwischen 2000 und 2008 am eigenen Leib mitbekommen. Da hatten wir auch direkten Einblick, was da so passiert ist. Wie viele Köpfe gerollt sind. Ich glaube ab einer gewissen Größe können Firmen und Konzerne einfach nicht mehr auf die Schnelligkeit der Entwicklungen reagieren. Es musste wohl soweit kommen. Man muss sich darauf einstellen, dass die technischen Entwicklungen in immer kürzeren Abständen springen werden und man sich nicht mehr ausruhen kann. Positives? Vielleicht ist es etwas mehr Demut in den großen Firmen… Aber nur vielleicht.

– Eine ganz deutlichen Wandel in der Musikindustrie seit eurem letzten Album, ist sicher auch, dass Indie-Rock- und Gitarrenmusik nicht mehr wie in den Nullerjahren auf der großen Erfolgswelle reitet. Ihr selbst beruft euch auch bei den Einflüssen eher auf Bands wie Shellac, Interpol, PJ Harvey und The Notwist – wie seht ihr diesen Wandel, welche aktuelleren Bands und Alben würdet ihr zu euren Einflüssen zählen oder interessiert ihr euch überhaupt nicht für aktuelle Musik-Trends?
Der Wandel ist ja kein endgültiger, sondern nur ein Impuls in eine andere Richtung. Wir wissen doch alle, dass Pop sich immer selbst zitiert und gewissen Moden ausgesetzt sind. Das wird auch alles wieder mal komplett anders sein. Und auch ganz junge, fancy Bands spielen Gitarren und Schlagzeug. Da stehen doch nur ein zwei Synthese mehr oben. So krass finde ich den Wandel dann auch gar nicht. Und auch wir sind trotz unseres gesetzteren Alters mit Elektronik ausgestattet. Das zeigen auch unsere aktuellen Einflüsse: DJ Tennis, Apparat, Seekae, Nils Frahm, …

– Versteht man den Alben-Titel auch als Statement zur aktuellen Lage, muss man euch fast auch schon politische Fragen stellen – vielleicht auch gerade zur Entwicklung seit dem das Album veröffentlicht wurde. Wie seht ihr die Entwicklung in Deutschland und in Europa der letzten Monate?
Der Albumtitel war schon 1997 auf dem Tisch, denn da spielten wir den Titelsong das erste Mal. Damals hätte das aber nicht gepasst. Der Titel hat quasi auf den richtigen Moment gewartet, bis die Welt in den Status Medium Cool übergeht. Es war also keine schwere Entscheidung und sprang einen förmlich an, wie das Album heissen soll. Trotzdem ist es kein direktes politisches Statement. Es lässt Spielraum offen. Ist medium cool nun halbvoll-cool oder halbleer-cool? Die Entwicklung in Deutschland ist immerhin noch besser als in unseren Nachbarstaaten. Man ist gut beraten, nicht an der Hysterie teilzunehmen und besonnen zu bleiben. Trotzdem muss man Unrecht mit intelligenter Härte begegnen und ganz dringend die Bildung fördern.

– In nächster Zeit werdet ihr nach langer Zeit zum ersten Mal wieder als Pelzig auf Tour gehen – wie sind eure Erwartungen, seid ihr aufgeregt nach der langen Zeit und wie bereitet ihr euch darauf vor?
Erwartungen: wie immer wenig bis keine. Diese Einstellung hat uns entspannt bleiben lassen. Aufgeregt: ja klar. Vor allem weil man immer das Gefühl hat, nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Auch wenn das Quatsch ist. Wir bereiten uns vor, wie jede andere Band auch. Je näher der Moment rückt, desto häufiger probt man. Die vorletzte und letze Probe ist immer furchtbar und man ist kurz vor absagen.

– Eine letzte Frage noch bezüglich der elf Jahren Pause – gibt es schon Pläne für ein nächstes Album oder kann man sich als Fan wieder auf eine lange, lange Pause einstellen?
Es gibt ein paar sehr technoide Skizzen. Mehr kann man dazu nicht sagen. Es gibt keine konkreten Pläne. Sagen wir es mal so: es wird keine zwölf Jahre mehr dauern.

– Was macht ihr, wenn ihr nicht Musik macht?
Produzent beim Rundfunk. Grafikdesigner. Planer bei Audi. Ingenieur bei Audi.
Familien. Kinder. Malerei. Fussball.

– Was habt ihr in 2015 gelernt?
Noch mehr für Freunde und/oder Familie da zu sein, ist wichtiger als alles andere. Sich die Zeit dafür nehmen, auch wenn es hart ist.

– Welcher Song passt zu eurer aktuellen Situation?
Ich höre gerade Radio und es läuft: ‚That’s just the way it is‘ (Bruce Hornsby). Das ist wohl ein Zeichen.

– Welcher Song bringt euch jedes Mal zum Tanzen?
‚Get into the groove‘ (Madonna)

– Wie würde eure „Bedroomdisco“ aussehen?
Wie Miley Cyrus.

– Wer hat den Fragenkatalog ausgefüllt?
René Arbeithuber

Pelzig Tour – präsentiert von bedroomdisco.de:
21.01. Milla, München +
22.01. Z-Bau, Nürnberg +
23.01. Soho Stage, Augsburg +
26.01. Hafenklang, Hamburg
27.01. Monarch, Berlin
28.01. Gleis 22, Münster ++
29.01. Grend, Essen
+Klez.e
++ Arbeitsgruppe Warschau

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