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Veröffentlicht am 31.03.2016 | von Lisa Wilde

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MODERAT – III

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And while the rain keeps comin down
A rope of hopes to thin to climb
The night is closin in
We’re down the bottom of the well
Burning bridges is not my way

(Moderat – Reminder)

Moderat kann man ohne zu übertreiben als Alleskönner bezeichnen. Schon nach dem Release von ‚II‚ waren sich alle einig: der Zusammenschluss aus Apparat (Sascha Ring) und Modeselektor (Gernot Bronsert und Sebastian Szary) haben den Elektro salonfähig gemacht. Und damit soll keinesfalls die gefährlich Phrase „in den Mainstream“ fallen, sie machen ihn live erlebbar. Undenkbar also das noch zu topen: Denkste! Ende des letzten Jahres hieß es dann plötzlich neues Album im April 2016 und anschließende Welttournee – eine überwältigende Resonanz kam auf. Shows waren zum Teil nach nur wenigen Minuten ausverkauft oder mussten wie in München oder Hamburg hochverlegt werden: Alle lieben Moderat.

Jetzt hat das Warten ein Ende – Release von ‚III‘ und gleichzeitige die Vollendung einer Triologie. Während sich das 2009 veröffentlichte gleichnamige Debüt stark mit der Fusion der Klangwelten Apparat und Modeselektor beschäftigte, bildete ‚II‘ das erste, erfolgreiche Fundament einer zusammengewachsenen Band. Das ‚III‘ genau dort anknüpft, ließ schon die zuvor veröffentlichte Single ‚Reminder‚ erahnen.

‚III‘ braucht anders als sein Vorgänger Zeit zum Hören und zum Entdecken. Die ingesamt neun Songs zeigen ein ingesamt viel filigraneres Bild mit im Detail durchkalkulierten Sounds. Die Songstrukturen brechen auf, es wird vielschichtiger und irgendwie lyrischer – alles in allem eingebettet in gewohnt mitreißenden, knackigen Beats.

Eating Hooks‚ leitet introvertiert in das Album ein, textlich gesehen tut es diesem Eindruck gleich, es geht um Selbstreflexion und dem Frieden mit sich selbst – ungewöhnlich als Opener, bietet dieser allerdings einen wunderschönen Bogen zum Finale von ‚Etheral‚. Der Nachfolger ‚Running‚ bietet das Kontrastprogramm, hier wummern die Beats selbstbewusst, Saschas Stimme fügt sich perfekt ein – ein Traum im 3/4 Takt. Die Stimme bildet hier die Grundlage für eines der beiden Beatmotive – eine Methodik, die später auch bei anderen Songs zu hören ist. Es folgt ein Übergang en Point: ‚Finder‚ ist zusammengefasst der straighteste, ravigste Song des gesamten Albums, kann aber vor allem dadurch überzeugen und bleibt nachdrücklich im Kopf.

Im Song ‚Ghostmother‚ wagt sich auch die Modeselektor-Fraktion ans Mikrophon, Ergebnis ist ein atmosphärisches Tor. Strukturell angenehm übersichtlich und der vielleicht klassischste Song auf ‚III‘. Auch Reminder zeigt ähnliche Tendenzen. Wie schon erwähnt, wurde dieser als erste Single veröffentlicht und hat diesen Stand (wenn auch ein kompletter Kontrast zum Erstie ‚Bad Kingdom‚ von vor drei Jahren) mehr als verdient – inhaltlich hoch aktuell, überzeugt auch der erdig-hölzerne Sound.

Während ‚The Fool‘ ebenfalls zurückhaltender, nachdenklicher ist – spaltet ‚Intruder‘ dies im Nachgang wieder ein wenig auf. ‚Animal Trails‚ scheint stark Modeselektor geprägt – hart, treibende aber komplett ernsthafte Beats. Hört man hier genau hin, hört man allerdings auch hier Analoges, das in Form von Schlagwerk seinen Beitrag leistet. ‚Etereal‚ lässt III passend ausklingen und (laut Sascha) die Lust auf ein weiteres Durchhören hoffentlich entstehen – dies lässt sich nur so bestätigen.

Moderat liefern mit ‚III‘ schon wieder ein unfassbar gutes Album ab – die Verschmelzung Elektro/Techno/Indietronic wirkt souverän und zugleich immer bandmäßiger. Eben eine Superband im wahrsten Sinne des Wortes.

5von5

Moderat – III
VÖ: 01. April 2016, Monkeytown Records
www.moderat.fm
www.facebook.com/moderat.band

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