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Veröffentlicht am 3.05.2016 | von Sophia Sailer

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OKTA LOGUE – Diamonds And Despair

Okta Logue

Down the road
Where the oceanwind blows cold
Down the line
Where teenage dreams collide
Tonight

(Okta Logue – Helpless)

Die Band als „retro“ abzutun wäre einfach. Und angesichts eines Sounds, der gerne mal in sphärisch ausufernde Momente à la Pink Floyd ausbricht gar nicht so unangebracht. Sie selbst, die hessischen Jungs vom Lande, die die Welt dank (und mit!) ihrer Musik bereisen, komplettieren dieses flüchtige Bild mit Schlaghosen, Cord-Jacketts und Rollkragenpullovern nur allzu gut. Nur ein Bedienen billiger Klischees? Wohl kaum. Okta Logue sind weitaus mehr, als nur „retro“, denn ein „Oh, das haben wir so schon mal gehört, nur anders.“, würde ihnen nicht gerecht werden. Entgegen der Idee, dass die Orientierung an Legenden einem Aufwärmen alter Kamellen gleicht, schafft das Quartett die Symbiose aus Neu und Alt, schlägt die Brücke zwischen Pink Floyd und Arcade Fire mit Bravur.

Pitch Black Dark‚ ist ein Song mit großem Wiedererkennnungswert dank seiner treibenden Beats, den sprühenden Synthies und der unbeteiligt wirkenden Stimme des Sängers Benno Herz. Der Song ist weit davon entfernt, düster zu klingen und doch geht es im darauffolgenden ‚Helpless‚ um einiges energetischer zu, ohne dabei etwas von der gewohnten Coolness einzubüßen. Wer auf der Suche nach ausgiebigen Gitarrenriffs ist, wird hier gen Ende fündig – ähnlichem Muster folgt auch ‚Stars Collapse‚. Der namensgebende Song ‚Diamonds and Despair‚ ist dies vermutlich nicht ohne Grund geworden – abgesehen davon, dass er schließlich einfach schön klingt – denn bereits innerhalb der ersten Sekunden holt das Lied einen ab, nur schwer kann man dazu still sitzen – ein durchaus angebrachtes Aushängeschild. ‚Heat‚ entschleunigt das Ganze zwar minimal, steht dem Titelsong in Sachen Ohrwurmpotential aber in nichts nach. Die Liste ließe sich so weiterführen: ‚Under the Pale Moon‚, die Ballade ‚It’s Been a While‚ mit ihren wabernden Synthies und dem Gitarrensolo, ‚Wasted With You‚ ob seines lockeren Einstiegs und ‚Heroes of the Night‚ aufgrund vorantreibender Beats, Synthies und der mit Effekten belegten Stimme – die Lieder überzeugen durch Feinheiten, die jedes Lied zu einem ganz besonderen machen.

Für ‚Diamonds and Despair‘ wurde sich Zeit gelassen – und das merkt man. Es ist kein mit der heißen Nadel gestricktes Album, das jetzt „endlich mal auf den Markt musste“. Viele Stadien hat die Platte durchlaufen, um das zu werden, was sie ist: Ein durchweg kohärentes Werk, das nicht nur Spaß macht, sondern ein stilistisches Statement abgibt. Denn eigentlich bedarf es keiner holprigen Vergleiche mit anderen Bands, denn Okta Logue schafft seinen ganz eigenen, wunderbaren Stil, auf den sie in ‚Diamonds and Despair‘ voll und ganz vertraut haben.

45von511

Okta Logue – Diamonds and Despair
VÖ: 15. April 2016, Virgin Records
www.oktalogue.com
www.facebook.com/oktalogue

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