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Veröffentlicht am 21.06.2016 | von Jana

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ANGELA AUX – Wrap Your Troubles in Dreams

Angela Aux - Wrap Your Troubles in Dreams CD-Kritik

As you know I am crazy
As you know I am down
As you know I am maybe
on the other side of town

(Angela Aux – Fucked Up Blues)

Wrap Your Troubles in Dreams‚ von Angela Aux ist keine auffällige Platte, keine, die um Aufmerksamkeit buhlt oder sich in den Vordergrund drängt. Wer ihr zuhören will muss sie schon ganz alleine für sich finden. Dabei ist ‚WYTID‘ nicht wirklich schwer zugängig, aber eben zurückhalten unaufdringlich. Pathos und große Gesten sucht man vergeblich. Dafür bekommt man ein unglaublich warmherziges Album. Mit großer Offenheit schafft ‚WYTID‘ Orte zum träumen und verweilen. Die Songs scheinen wie Leerplätze für die eigenen Geschichten und Vorstellungen. Dabei wird kein Gefühl diktiert und keine Melancholie mit einer extra Schicht Streicher zementiert. Es sind schlichte kleine, aber elegante Melodien, die sich festsetzen und umso länger bleiben. Dabei klingen sie so beiläufig, wie selbstverständlich.

Manchmal da scheint auch dieser verspielte, versponnene Ansatz von Aloa Input, Flo Kreiers andere Band, durch. Auch wenn ‚WYTID‘ viel folkiger ist, steckt die Gemeinsamkeit beider Projekte in der Leichtigkeit hin und her zu springen zwischen Stilen und Einfällen. 
Und obwohl die Struktur minimalistisch gehalten und die Instrumentierung reduziert ist, hört man immer noch unglaublich viel auf diesem Album. Das Rauschen von Opas Bandmaschine zum Beispiel oder das Quietschen der Seiten, sowie das Surren wenn sie zurückschnellen. Hier ist man gut Freund mit all diesen kleinen Unberechenbarkeiten im Sound, die für kein Radio zurechtgestutzt wurden. So entstand unter der Aufsicht von Nico Sierig ein Klang, der an den Ansatz von Nils Frahm erinnert und genügend Luft zum Atmen lässt.

Dort, wo die Instrumente Platz machen ist auch genügend Raum für die Texte eines begnadeten Geschichtenerzählers mit beruhigender Stimme. Erzählungen gespeist aus all unseren naheliegenden Alltäglichkeiten, die man nur all zu oft übersieht. Einfach Worte für große Geschichten, die manchmal so charmant wie skurril sind. Wie bei Erich Kästner. Da waren auch nie die mit der größten Klappe die Helden der Geschichte. ‚Simone Please‚ ist so ein Song, der einem vom ersten Ton an ein Gefühl von Geborgenheit gibt, noch bevor der Text diesen Eindruck bestätigt. Wie ein Gute-Nacht-Lied, dass über Nacht die Sorgen nimmt. Mit leichtem Pluggern und Klacken nimmt ‚Fucked Up Blues‚ langsam an Fahrt auf. Zu einer einfachen Akustikgitarre gesellt sich hier und da eine kleine Synthiemelodie und setzten sich fest für den Rest des Tages.

Manchmal sind es die unauffälligen Platten, die am längsten nachhallen, die man braucht, wenn es einem gut geht und noch mehr wenn es einem schlecht geht – in Sommernächten und an Wintertagen.

5von5

Angela Aux – Wrap Your Troubles in Dreams
VÖ: 13. Mai 2016, Millaphon Records
www.facebook.com/AngelaAux
https://soundcloud.com/heiner-hendrix

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