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Veröffentlicht am 17.08.2016 | von Eva-Marie

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RYLEY WALKER – Golden Sings That Have Been Sung

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Foto-©: Tom Sheehan

Golden Sings That Have Been Sung

(Ryley Walker – A Choir Apart)

Nachmittags auf dem Down The Rabbit Hole: „The next song is another song about how much I suck.“ So die Einleitung Ryley Walkers für seinen Song ‚The Halfwit In Me‘.  Man möchte auf die Bühne gehen, ihn ein bisschen schütteln und dann ganz fest in den Arm nehmen, als ob man ihn vor sich selbst beschützen wollte. Er war das Highlight eines Festivalwochenendes und sein Album ist in seiner Verspieltheit eines des Jahres. ‚The Halfwit In Me‘ lässt sich Zeit und präsentiert vor allem erst einmal eins: was für ein guter Gitarrist er ist. Wie entspannt er da auf der Bühne mit seinen Fingern über die Saiten tänzelt, erinnert an Künstler wie José González nur mit einer ordentlichen Portion Unterstatement. Wunderschöne Arrangements umschließen das Lied, die Lyrics geraten dabei ins Hintertreffen und wenn er was nicht tut, dann ist es „to suck“.

Nach der Veröffentlichung seines ersten Albums ‚Primrose Green‘ (2015) war der Hype groß. Der amerikanische Radiosender NPR bekam sich nicht mehr ein und sogar Robert Plant erklärte sich als Fan des jungen Musikers. Eine Pause wäre naheliegend gewesen. Die machte er aber nicht. Ein Jahr später erscheint ‚Golden Sings That Have Been Sung‘ und es ist nichts zu merken von Erwartungsdruck. Dagegen scheint man viel mehr seine Rastlosigkeit herauszuhören, was vielleicht daran liegen mag, dass das Album Ende letzten Jahres entstanden ist; eine Zeit, in der Walker an die 200 Konzerte gegeben hat. So beginnt ‚A Choir Apart‘ mit einer verspielten Bassline, an die sich das nervöse Schlagzeug heftet, wiederum gefolgt von dem sehr schnulzig-schleppenden ‚Funny Things She Said‘.

Das ganze Album wirkt ungewöhnlich erwachsen, wobei aber immer wieder ein desillusionierter Twen durchschimmert. Man kann es als seine Coming-Of-Age-Platte verstehen, die in ihrer Melancholie an die Geschichte von Holden Caulfield erinnert. ‚Sullen Mind‘ transportiert dieses Gefühl in all seiner Intensität, bis irgendwann der etwas freundlichere ‚The Roundabout‘ folgt, der gerade im Gesang stark an Nick Drake erinnert. Im Gegensatz zu seinem Debütalbum merkt man, dass ich er sich diesmal für einen Produzenten entschieden hat – und zwar für LeRoy Bach, der unter anderem bei Wilco gespielt hat und der auch schon vorher ein Vorbild von Walker war. Der Sound ist dichter und eigentlich erzählen viel mehr die Instrumente die Geschichte und nicht der Gesang. So hat Ryley Walker seinen ganzen eigenen Weg gefunden, Geschichten zu erzählen.

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Ryley Walker – Golden Sings That Have Been Sung
VÖ: 19. August 2016, Dead Oceans
www.ryleywalker.com
www.facebook.com/ryleywalkerjams

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