Kritik

Veröffentlicht am 29.11.2016 | von Dominik

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HIGH-RISE – Filmkritik

High-Rise - Filmkritik

Sex und Paranoia

(Dr. Robert Laing – High-Rise)

AfD, Brexit, Trump – die Schere zwischen Reich und Arm, zwischen den Führenden und den Geführten, zwischen unterer und oberer Klasse geht immer weiter auseinander. Wir sind Papst, wir sind Weltmeister, wir sind das Volk – doch wer ist eigentlich das Volk, bist du Deutschland, ein anderes Land oder doch nur ein Plakat-Träger mit der Aufschrift „Danke Merkel„? Und wenn die Geschichte eine Sache lehrt, dann, dass wenn sich zwei Klassen zu weit voneinander entfernen, die niedere Klasse irgendwann gewaltsam nach den Annehmlichkeiten der oberen greift. So auch in der Roman-Adaption des britischen Filmregisseurs Ben Wheatley, High-Rise, die ein dystopisches Bild der Gesellschaft zeichnet.

London im Jahr 1975. Dr. Robert Laing (Tom Hiddelston) zieht als junger, gut aussehender und wohlhabender Arzt in ein gerade erst fertiggestelltes Hochhaus des Architekten Anthony Royal (Jeremy Irons) ein. Abgeschnitten von der restlichen Gesellschaft spielt sich das Leben der Einwohner – bis auf die Arbeit – komplett im Gebäude ab, egal ob Sport, Einkaufen, Partys, Freunde. Doch hinter der Fassade des Komplexes liegt mehr als einfache Wohnungen, denn der Architekt hat die Zusammenstellung der Bewohner mit Bedacht gewählt und jeder Bewohner und jedes Stockwerk gehört zu einer gewissen Klasse…und natürlich wohnen oben die Royals! Als es im Gebäude allerdings immer wieder zu Stromausfällen in den unteren Stockwerken kommt und sich die obere Klasse immer mehr herausnimmt, kippt die Stimmung schnell und die unteren Stockwerke rebellieren, bis das Blut fließt und das Chaos ausbricht.

Basierend auf dem 1975 erschienenen Roman High Rise von James Graham Ballard erschuf Ben Wheatley einen atemraubenden Science-Fiction-Film, der vor der Kulisse toller Architektur, technischen Neuerungen und allerhand Annehmlichkeiten, die Einwohner des Hochhauses wieder in ihre niederen Instinkte zurückfallen lässt. Dabei wird die schöne Fassade nur als Maske entlarvt unter der die hässliche Fratze von Neid und Missgunst lauert, die dafür sorgt, dass letztlich Chaos, Anarchie, Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Raub das Leben im Hochhaus beherrscht. Die Menschen hören auf zu arbeiten, schließen sich zu gleichen Gruppen zusammen und bekämpfen die anderen. Eine düstere Vision, bei der die Protagonisten in High-Rise immer mehr die menschlichen Züge verlieren und der letztlich im kompletten Wahnsinn der Charaktere endet. Schmerzlich anzuschauen, wild und roh ist der Film ein außergewöhnliches Experiment, das keine leichte Kost und nur schwer verdaulich, aber dabei vielleicht so etwas wie ein warnendes Beispiel ist. Einziges Manko vielleicht: Aufgrund der Gesellschaft, in der eigentlich kein guter Mensch zu finden ist, mangelt es an sympathischen Bezugspersonen, mit denen man mitfiebert, da jeder Charakter seine dunkelsten Gelüste nach außen trägt.

3von5

High-Rise (UK 2015)
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Tom Hiddelston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy
Heimkino-VÖ: 18. November 2016, DCM Film Distribution

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