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Veröffentlicht am 28.02.2017 | von Robert Heitmann

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BING & RUTH – No Home of the Mind

“We had everything rehearsed,
worked out and ready to go
before we ever stepped in front of a microphone…”

Pianist David Moore hat mit seinem Projekt Bing & Ruth das nunmehr dritte Album No Home of the Mind außerhalb des akademischen Kontexts in die Welt hinausgetragen. Als ehemaliger Student für Jazz and Contemporary Music an der The New School Universität in New York startete Moore Bing & Ruth als elfköpfiges Ensemble, in dem die minimalistischen Elemente seines Klavierspiels auf ein weites Klangspektakel voller Ebenen aus akzentuierter Perkussion, schnürenden Holzbläsern und Echo Tape Delays treffen.

Für No Home of the Mind ist das Ensemble hinter Bing & Ruth auf eine Gruppe von insgesamt fünf Musikern und Komponisten geschrumpft – eine Tatsache, die zumindest die Koordinierung des gemeinsamen Probens und Tourneespielens einfacher macht. Die Arbeitsweise zu No Home of the Mind hingegen ist wieder aufwendig und einzigartig: Die zehn Stücke wurden an siebzehn verschiedenen Klavieren über die Kontinente verteilt in vielzähligen Sessions komponiert. Arrangiert für das besagte Quintett, wurden die Lieder in einer Kirche in Hudson, NY innerhalb von nur zwei Tagen aufgenommen. Moore legte hier gezielt Wert darauf, die Stücke mit so wenigen Takes wie möglich einzuspielen – eine Herangehensweise, die den Aufnahmen eine gewisse Unmittelbarkeit verschaffen sollte und den den Stücken innewohnenden Aufwand so pur wie möglich wiedergibt: “We had everything rehearsed, worked out and ready to go before we ever stepped in front of a microphone…”

Geschickt hat David Moore die unterschiedlichen Eigenschaften der siebzehn Klaviere aufgefangen und als Persönlichkeiten und Charaktere in die Lieder verwoben. So wohnt ‘As Much As Possible’ eine Melancholie und hoffnungsvolle Aufbruchstimmung inne, in der sich um ein feines Klaviermotiv eine Tiefe aus Streichern und Echo-Effekten aufbauscht. “Scrapes” hingegen entwickelt sich durch überlagerte Arpeggien, die sanft und leicht ein Klanggerüst wie ein Windspiel kreieren, in der die Stimmung schlagartig durch hinzukommende Basslinien die Richtung wechseln kann. ‘The How of it Sped’ wird seinem Titel gerecht und vermittelt durch das vorantreibende Piano ein Gefühl von Eile und Unruhe, während ‘Form Takes’ unbefangen und verspielt mit Harfenklängen und tiefen Bläserelementen eine ausgelassene Atmosphäre erschafft.

Bing & Ruths Werk ist zu gleichen Teilen atemberaubend und überwältigend. David Moore gelingt es durch sein Talent und musikalisches Handwerk, den Hörer in verschiedene Gemütszustände und Gefühlswelten zu manövrieren. Eine nahezu meditative Liedpassage kann sich unvorhergesehen in einen lebhaften, treibenden Moment verwandeln. No Home of the Mind fühlt sich wie eine Reise durch ein unbekanntes Universum an, in der jede kommende Entdeckung fasziniert und noch lange im Kopf verweilt.

Bing& Ruth – No Home of the Mind
VÖ: 17.Februar 2017, 4ad/beggars Group (Indigo)
https://www.facebook.com/bingandruth/
http://www.bingandruth.com/

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