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Veröffentlicht am 12.04.2017 | von Dominik

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MAX PROSA – Interview

Nach der Stille, ist vor dem Sturm – so zumindest bei Max Prosa, einem der wohl verkopftesten Songwritern der Nation. Nachdem er relativ schnell auf sein Debüt den Nachfolger nachschob, war es zuletzt dann nämlich etwas länger ruhig um den in Berlin lebenden Künstler, der sich neben der Musik auch dem Gedichteverfassen verschrieben hat. Doch damit ist jetzt Schluss, denn neben seinem neuen Album Keiner kämpft für mehr war zuletzt auch ein Film über Max zu sehen, der sowohl seine Gegendwart, wie seine Vergangenheit behandelt und ihn zurück an den Ursprung seiner Entscheidung als Musiker sein Leben zu bestreiten führt: Irland. Wir haben Max dazu und zu vielem mehr einen Sack voll Fragen geschickt!

Künstlerinfos:
– Name: Max Prosa
– Gründungsjahr: 1989
– Standort: Berlin
– aktuelles Album: Keiner Kämpft Für Mehr

Fragebogen:
Mit 17 zogst du aus nach Irland und hast dort entschlossen Musik zu machen – was brachte dich dazu und hast du die Entscheidung je bereut?
Nein, ich bin immer noch sehr froh damit. Warum die Entscheidung ausgerechnet dort fiel? Weil man glaube ich in anderen Umgebungen und Umständen sehr gute und klare Blicke auf sich selber fassen kann. Und so wie ich mich selber dort sah, mit meiner Gitarre auf den Straßen, zwischen den anderen Musikern und Straßenkünstlern hörte ich eine Stimme die mir sagte: Hier gehörst du hin.

2012 das Debütalbum, 2013 das Zweitwerk, 2017 das dritte Album – es war ja nun ein paar Jahre etwas stiller um dich, was Veröffentlichungen angeht – woran lag das und was hast du in der Zwischenzeit getrieben?
Musik schreiben, spielen und veröffentlichen sind komplett verschiedene Prozesse und ich habe mich mit dem letzteren schon immer am schwersten getan. Ich habe die ganze Zeit über was versucht aber es hat eben diese Zeit gedauert bis die Umständen die richtigen waren. Mit ein bisschen Glück geht es jetzt wieder schneller. Ich habe so einige Lieder die nur darauf warten.

Zwischenzeitlich wurde auch schon von einem fertigen, in Hamburg entstandenen Album von dir gemunkelt – was war daran dran und warum hat es dann doch noch mal etwas länger gedauert?

Da waren die Umstände eben nicht die richtigen. Zum Teil waren es die gleichen Lieder. Aber in der CD damals steckte irgendwie der Wurm. Hab ich dann in der Elbe versenkt.

Jetzt erscheint zeitgleich dein drittes Album Keiner Kämpft Für Mehr und ein Film Auf der Suche nach Mehr – wie entstanden Album und Film bzw. wie kam es zur Filmproduktion?
Das war eine Idee der Plattenfirma, um das Album bzw. den Kontext der Musik ein bisschen besser zu erklären. Sie haben auch Marc Littler vorgeschlagen, das war wirklich eine tolle Idee denn wir haben uns auf Anhieb verstanden und er hat mit diesem Film wirklich etwas schönes, zeitloses hinbekommen.

Gedichte, Musik & nun ein Film – was reizt dich an den verschiedenen medialen Formen, welche Vorzüge siehst du bei welchem und was kommt als nächstes?
Es sind alles unterschiedliche Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Beim Film war ich ja nur Beobachter, das Handwerkszeug dazu hatte Marc. Gedichte und Songs bleiben erstmal eine gute Plattform auf der es für mich immer mehr zu entdecken gibt. Ich hab auch große Lust mal ein Buch zu schreiben, aber das dauert sicher noch ein bisschen.

Im Film gibt es auch eine Stelle, wo du darüber redest, dass dein Auftreten bei Konzerten teilweise falsch interpretiert wird und dich die Reaktionen teilweise auch kränken – welche Vorwürfe kamen dort und wie siehst du dich als Performer?
Es sind keine Vorwürfe und es ist auch nicht falsch. Es gab immer Leute die dachten ich bin zugedröhnt. Das ist dann für die Leute so. Sie können sich vielleicht Intensität oder Andersartigkeit nur so erklären. Das ist schade.

Viele Musiker suchen zum Songschreiben die Abgeschiedenheit auf – welchen Einfluss hat Isolation für deine Musik?
Isolation schafft innere Leere. Und das ist sehr wichtig für mich. So wie das Wasser durch ein leeres Rohr besser fließt als durch ein verstopftes, kann ich Songs, Ideen und Erinnerungen nur in dieser innere Leere wirklich an mich heranholen und schauen was mich berührt.

In deinen Songs geht es häufig um romantische Themen (Glücklich sein mit nichts, sich das Geld zum Überleben einfach via Bankraub zu besorgen) bzw. um starke Männer-Charaktere (Boxer, Diebe) – welche Themen würdest du sagen, reizen dich und wie stehst du zu den angesprochenen Themen?
Mich haben seit jeher archetypische Geschichten interessiert, seien es griechische Heldensagen oder Hemingways Geschichten von Boxern oder Matadoren. Romantisch veranlagt bin ich sicherlich auch, aber nicht auf eine verblendete Art, sondern auf die ideelle. Was wäre das auch für eine Welt in der man sich dem Materialismus hingibt und sagt, das ist eben so.

Du betonst auch häufiger, dass dir politische Themen in deinen Songs wichtig sind – wie siehst du die aktuelle politische Lage national und international derzeit und was stört dich am meisten?
Mich stört was ich im Titelsong „Keiner kämpft für mehr“ schon thematisiert habe: die Heuchelei. „Weit weg fallen Bomben, man bedauert das sehr, und doch klingeln die Kassen und keiner kämpft für mehr.“ Das sagt eigentlich alles. Es reicht eben nicht nur gegen Kriege zu sein, man muss schon auch aufhören die Waffen herzustellen, mit denen sie allerorts geführt werden. Ich glaube dass man einmal so auf diese Generation zurückschauen wird, voller Unverständnis, so wie wir jetzt auf Sklavenhaltung etc. zurückschauen und denken: War das deren ernst? Hat das keiner gesehen?

Welche Aufgabe siehst du als Musiker für dich im Bezug auf politische Statements in sozialen Medien und in deinen Songs?
Verschiedene Perspektiven aufzeigen, möglichst neutral. Was der einzelne daraus macht liegt schon nicht mehr in meiner Hand.

Wie wichtig ist für dich Erfolg und wie definierst du diesen für dich?
Kleine Zuschriften was ein Song in welchem Moment bedeutet hat bzw. zu welchen Taten und Gedanken er einzelne motiviert hat, das kann sehr schön sein.

Musikalisch scheint sich auch klanglich viel bei deinem neuen Album getan zu haben – Pop und elektronische Klänge halten Einzug. Wie kam es dazu und an welchen Vorbildern hast du dich da orientiert?
Das war vor allem Mirkos Einfluss. Wir haben uns irgendwann entschieden dieses Album zusammen zu machen und dann habe ich ihm und seinem Einfluss seinen Raum gelassen, so wie ich es auch mit jedem Musiker tue. Er ist ein Pop Produzent, hat das niemals verborgen. Ich kann mich dafür begeistern. Das heißt nicht, dass es immer so klingen wird.

Bob Dylan, Neil Young, Bruce Springsteen oder Leonard Cohen? Und warum?
Alle zusammen und hintereinander weg, warum nicht? Große Geschichtenerzähler, immer noch viel zu entdecken. Bob Dylan war mein Einstieg, zu Springsteen bin ich noch nie wirklich durchgedrungen, aber das kann ja noch werden.

Weißt du eigentlich, dass du unser erstes Wohnzimmerkonzert gespielt hast und der Auslöser für eine mittlerweile mehr als fünfjährige Konzertreihe in Darmstadt und den Ursprung des Golden Leaves Festivals bist? Erinnerst du dich noch an unsere erste Show bzw. wie fühlst du dich dabei, „Schuld“ an unserer „verschwendeten Jugend“ zu sein?
Ja an das Konzert kann ich mich erinnern, an den guten Vibe, aber auch daran dass wir unsere kompletten Instrumente und die Soundanlage mehrere Stockwerke hoch und dann wieder runter tragen mussten. Ich hoffe das ist nicht allen Künstlern so gegangen. Und ich bin sicher ihr habt zwischendurch auch ein paar Dinge erlebt an denen ich gerne Schuld bin.

Das Album kommt dieser Tage, die Tour ist gebucht – was steht noch alles dieses Jahr für dich auf dem Plan?
Weitermachen, schreiben, singen. Im Oktober ist eine Tour, da freue ich mich so sehr drauf.

Was machst du wenn du nicht Musik machst?
Ich schreibe ein Gedicht. Die versenden wir übrigens auch, mit dem Gedichte-Abo, einmal im Monat. Es gab schon viele schöne Rückmeldungen dazu, so dass ich immer weiter damit mache.

Welcher Song passt zu deiner aktuellen Situation?

I can’t get no Satisfaction

Wie würde deine Bedroomdisco aussehen?
Bunte Lichter. Ein Feigenbaum. Talking Heads bis zum Anschlag aufgedreht. Sonnenbrillen.

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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