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Veröffentlicht am 20.06.2017 | von Eva-Marie

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KEVIN MORBY – City Music

Photo by Adarsha Benjamin

„Come to me now
Like you did then
Pretty and slow
Pretty and thin
Ain’t got no friend
In a world so big
Ain’t got no family
Ain’t got no kin
Where do you go
Boy, when you die?
Is it pretty and slow?
Is it up real high? I don’t want to know

I can’t wait for the sun to go down
Tired of squinting at this god-awful town
I can’t wait for that moon to rise
She’s my friend, always been, you can see it in my eyes

That I love her
Yeah, I do
Oh, I love her
And she loves me too“

(Kevin Morby – City Music)

Letztes Jahr hat Kevin Morby mit Singing Saw eines der Alben des Jahres veröffentlicht. Nun hat er das ruhigere City Music hinterher geschoben. Das Album fängt die Verirrungen der Stadt ein und ihre ganzen großen und kleinen Geschichten.

Ein verhallter Orgelsound übernimmt die Begrüßung bei Come To Me Now. Die Orgel stand in den Panoramic Studios in Stinson Beach herum und als Morby eine Weile gespielt hatte, beschloss er, dass sie mit auf die Platte muss. Diese intuitiven Entscheidungen prägen den Sound des ganzen Albums und umreißen die Flüchtigkeit der Großstadt, die er wie bei diesem Song aus der Sicht einer alten Frau namens Mabel erzählt. Auch die Songs Tin Can und Night Time sind aus ihrer Perspektive geschrieben. Wogegen Come To Me Now eher schwelgerisch düster daherkommt, ist Tin Can optimistischer und vereint in sich klassische Rock’n’Roll-Elemente. Erleichterung dann bei Night Time, denn das ist die liebste Zeit der Protagonistin. Sie beobachtet die Leute vor dem Fenster, hängt in der Vergangenheit fest, will mit der Welt verbunden sein, ist aber lieber doch ganz weit weg.

Zwar hält Mabel das Album offensichtlich zusammen, aber ihre Geschichte ist nicht die einzige. Crybaby hat Morby zusammen mit seinem Drummer Justin Sullivan geschrieben, kurz nachdem sich 2013 deren Band The Babies auflösten. In einem Interview hat er gesagt, dass er den Song schon immer mochte, aber auf den richtigen Moment gewartet hat, ihn zu veröffentlichen. Er setzt sich mit seinem Außenseitertum auseinander und wie es sich anfühlt manchmal zu sensibel für diese Scheißwelt zu sein. Ein unaufgeregter Song, dessen Text auch über einen Schulhof schallen könnte: „And you cried, crybaby / Come on cry, crybaby /And you cried, crybaby / Come on cry, crybaby“. Nach dem Schwermut kommt die Up-Tempo-Nummer; mit 1234 verneigt er sich als großer Fan vor den Ramones und das klingt dann auch ein bisschen so.

Der auffallend schöne Gitarrensound ist auch bei diesem Album geblieben. Bei Dry Your Eyes steht er sehr exponiert im Raum und wird von kleinen roughen Feinheiten umspielt. Der namensgebenden City Music war ursprünglich als reines Instrumental und auf dem Banjo geplant. Im Proberaum hat sich der Song dann aber nochmal in eine ganz andere Richtung entwickelt. Die Lyrics sind dennoch so reduziert wie möglich gehalten, um dem eindringlichen Riff den Platz einzuräumen, den es braucht.

Die Musik von Kevin Morby fühlt sich wie Familie an, die man sich selbst aussuchen durfte. Man merkt der Platte gleichermaßen die Schwermütigkeit der Themen, aber auch die Leichtigkeit im Studio an. Live hat das eine sehr intime Wirkung, als ob man heimlich durch das Proberaumfenster lunzen würde.

Kevin Morby – City Music
VÖ: 16.06.2017, Dead Oceans
www.kevinmorby.com
www.facebook.com/kevinrobertmorby

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