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Veröffentlicht am 21.06.2017 | von Jonathan Hirschhäuser

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PORTUGAL. THE MAN – Woodstock


Foto-© Maclay Heriot

Can’t keep my hands to myself
Think I’ll dust ‚em off, put ‚em back up on the shelf
In case my little baby girl is in need
Am I coming out of left field?

Ooh woo, I’m a rebel just for kicks, now
I been feeling it since 1966, now
Might be over now, but I feel it still

(Portugal. The Man – Feel It Still)

Hatten Portugal. The Man nicht soliden Indierock gemacht? Mit der neuen Platte Woodstock sind sie wohl damit auf Teilzeit gegangen. Nachdem die Amerikaner zu Beginn ihrer Karriere ein Album pro Jahr rausgehauen haben, musste die Hörerschaft mittlerweile vier Jahre auf den Neuling warten. Da erwartet der gemeine Fan natürlich etwas Besonderes. Das ist dem Sextett, ganz wertfrei gesagt, eindeutig gelungen. Nicht, dass Woodstock so ausdrucksstark und politisch geworden ist, wie die Band es angeblich vorhatte. Es ist der Kontrast zwischen den einzelnen Songs, der dieses Album unter den Veröffentlichungen der letzten Monate herausstechen lässt.

Die zehn Lieder lassen sich in drei Gruppen einteilen. Die kleinste Fraktion bilden Keep On und So Young, die auch auf die letzten Platten von PTM passen würden: spröde Gitarrenriffs, ein treibendes Schlagzeug und die Trademark Kopfstimme von Sänger John Gourley. Soweit so normal. Die anderen beiden Gruppen verabschieden sich dann jedoch von genau diesem Sound und bewegen sich in eine zeitgenössische Poprichtung. Bei der einen klappt das formidabel, die andere ist einfach nur unterirdisch schlecht geworden.

Schnell abhaken, warum: In Easy Tiger zerstören das nervige Schlumpf-Intro und der Effektbombastschwachsinns-Refrain das eingetlich ganz anständige Grundgerüst. Der Refrain von Live In The Moment könnte schlimmer nicht sein. „Ooohoo, lalalala-let´s live in the moment! Come back Sunday morning.” bedeutet übersetzt so viel wie „Ein Hoch auf uns! Auf diese…“ – suboptimal. Wie Stadionrock von The Black Keys in der Pubertät klingen würde, verdeutlicht Rich Friends sehr passend. Mit dem Größenwahn von Tidal Wave wollten PTM wahrscheinlich auch endlich in den Charts landen. Andernfalls ist dieses leblose Konstrukt in Moll mit dem zigfach wiederholten Nonsense-Refrain nicht zu erklären. Noise Pollution, das letzte Stück der Platte, ist vielleicht der Blinde unter den Tauben.

Puh!

Zwischen all diesem Schmarrn ist dann ein Instant-Klassiker zu finden. Feel It Still wird wohl noch Jahre in den Indiediskos laufen. Der charmanten Gesanglinie und dem funky Bass verfällt man sofort. Auch Mr Lonely kann schnell überzeugen. Der 90ies-HipHop-Beat ist stark, das Feature von Fat Lip passend. Doch trotz Rap ist dies der zurückhaltenste Track des Albums geworden. Der Opener Number One beginnt mit einem Woodstock-Mitschnitt und leitet nahtlos in den neuen PTM-Sound ein. Nach einem ersten Stutzen ist man dann doch schnell gespannt auf den Rest des Albums.

Eine Platte der Unterschiede. Vielleicht ein Meisterwerk in fünf Jahren. Vielleicht vergessen in fünf Wochen.

Portugal. The Man – Woodstock
VÖ: 16. Juni 2016, Atlantic Records
www.portugaltheman.com
www.facebook.com/portugaltheman

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