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Veröffentlicht am 27.04.2018 | von Susan

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DRANGSAL – Zores

Es geht mir gut, weil ich weiß: hier gibt es nichts mehr zu verlieren
Nichts mehr von Wert in meinem Besitz
Fass mir den Mut, da ich glaube es sind Dinge zu probieren
Dinge, die man nicht nennen muss

(Drangsal – Turmbau zu Babel)

Wenn die Wut in einem hochkocht und man den Fuß am liebsten nach den Speichen eines vorbeifahrenden Fahrrads ausstrecken würde, wird man doch recht schnell und unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen gestellt. Sei es durch einen Freund, der einem wohlwollend recht gibt, oder einen lichten Moment, in dem einem die eigene Wut auf die Nerven geht…oder eben durch Drangsal, der mit seinem neuen Album Zores definitiv für mehr als nur ein Schmunzeln sorgt.

Denn seit der Pfälzer Max Gruber vor zwei Jahren sein Debütalbum Harieschaim auf den Markt warf, befindet er sich auf einem steilen Weg nach oben. So schien es nur selbstverständlich, dass er auch mit seinem neuen Album, seinem Stil von damals treu bleiben muss. Beginnend mit seinen Wurzeln, bezeichnet Zores in der Pfalz eine Gruppe Asozialer, ein Streit und letztendlich eben auch die Wut. Die Singles auf der Platte sind, wie schon beim Vorgänger, auf deutsch und teilweise auf englisch geschrieben. Und so beginnt die Reise mit Eine Geschichte, die den Blick blitzartig auf eine Art Hauptprotagonist richtet, der den Zuhörer auf das was kommen wird vorbereitet und ihn dabei sogar an die Hand nimmt.

Mit mondänen Melodien geht es in Jedem Das Meine weiter, ein Song der Grubers altbekannten Wortwitz wie auf dem Silbertablett präsentiert und fesselt. Mit Magst Du Mich (Oder Magst Du Bloß Noch Dein Altes Bild Von Mir?) wird schließlich auf charmante Weise die Hitsingle der Platte eingeleitet, ein Ohrwurm, der so mitfühlend, selbst der atemlosen Helene Fischer die Tränen in die Augen treiben würde. In Turmbau Zu Babel feiert er dann schon wieder die Liebe, so aufrichtig und direkt, wie sie sich vor allem zu Beginn anfühlen kann.

Doch auch hier möchte er sich nicht anpassen. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album; in Laufen Lernen wird allzu deutlich, dass er am liebsten alles alleine macht, doch Zuschauer sind dabei gern gesehen. Denn Gruber will die Kontrolle behalten, seine Wut in Worte fassen; die ganze Welt soll an seinen Gefühlen und Begegnungen teilhaben. Mit Produzent Markus Ganter und Co-Produzent Max Rieger, Frontmann der Stuttgarter Rockband Die Nerven, hat er genau das gefunden was er brauchte. Zu dritt konnten sie den Sound von Drangsal eine willkommene Wendung verleihen und durch mehr Tiefe den Song in den Mittelpunkt justieren. So birgt die Musik, zwischen Pop und Postpunk plötzlich ungeahnte Facetten und durch Ironie und Vielschichtigkeit wird man einfach mitgerissen. Gruber wird damit zum Freund, der einem Recht gibt, aber auch zum lichten Moment, in dem man sich selbst auf die Nerven geht. Nach Zores kann man auf Gruber aber eines bestimmt nicht sein – wütend.

Drangsal – Zores
VÖ: 27. April 2018, Caroline Records
www.facebook.com/frucadeodereierlikoer
www.instagram.com/drangsal

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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