Kritik

Veröffentlicht am 18.04.2018 | von Julius Tamm

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THE ALIENIST – DIE EINKREISUNG – Serienkritik

Psychologische Kriminalistik, Kannibalismus und barbarische Morde. Was verdächtig nach Hannibal Lecter klingt, ist im Eigentlichen die neue Vorzeigeserie The Alienist – Die Einkreisung des Streamingdienstes Netflix. Mit einer düsteren Atmosphäre, einem Screenplay wie aus Penny Dreadful und Sherlock Holmes und einem durchaus beeindruckenden Intro, versuchen Showrunner Jakob Verbruggen und Drehbuchautor E. Max Frye den nächsten großen Hit für Netflix zu veröffentlichen.

Ende des 19. Jahrhunderts wird die aufstrebende Stadt New York von einer Serie grauenvoller Morde heimgesucht. Die Opfer sind kleine Jungen und ihre letzte Hoffnung ist Laszlo Kreizler (Daniel Brühl). Der Psychiater, der wie besessen neue Gebiete der Geisteskrankheiten erforscht, schart ein Team junger, rebellischer Kriminalistinn*en um sich. Zusammen versuchen sie, dem Serienmörder das Handwerk zu legen. Doch dieses Vorhaben gestaltet sich schwerer als gedacht. Das New York Police Department gilt zu dieser Zeit als eine der korruptesten Polizeibehörden der USA. Es setzt unter Captain Connor (David Wilmot) alles daran, die Bemühungen von Kreizler und seinem Team zu verhindern. Nur der neue Commissioner und zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten Theodore Roosevelt unterstütz die Gruppe und gewährt ihnen Zugang zu Tatorten und Beweismitteln.

Umso tiefer Kreizler in die Psyche des Mörders einsteigt und umso mehr Beweise ans Licht gebracht werden, desto verworrener werden die Verbindungen von Polizei, Politik und Macht. Bald sehen sich die Ermittelnden gefangen in einer Abwärtsspirale aus Korruption, Angst und Barbarei, die sie immer weiter an den Abgrund der menschlichen Psyche treibt.

Wie bei seinen Serien House of Cards, The Crown oder Eine Reihe betrüblicher Ereignisse hat Netflix auch bei The Alienst – Die Einkreisung versucht, mit einer Starbesetzung automatisch eine gute Serie zu produzieren. Doch leider scheitert diese genau an ihrer unglaublichen Fehlbesetzung. Vor allem Daniel Brühl versagt mit seiner Will Graham (Hannibal)/Sigmund Freud Imitation auf ganzer Linie. Die Serie hätte einen ernsten, charismatischen Hauptdarsteller für die Rolle des Laszlo Kreizler gebraucht, liefert aber nur einen zu jugendlich wirkenden Brühl mit unpassendem Bart. Leider können auch die anderen beiden Stars der Serie, Dakota Fanning als die Polizeisekretärin Sara Howard und Luke Evans als der Illustrator John Moore, nur wenig überzeugen. Evans schafft es noch am ehesten, der Stimmung der Serie entsprechend die richtige Emotion zu zeigen, doch auch er verrennt sich in einer immer gleichbleibenden Mixtur aus Angst und Verzweiflung.

Mit der richtigen Besetzung, etwas weniger Nahaufnahmen und einem besseren Titel hätte The Alienist – Die Einkreisung eine Menge Potenzial gehabt. Das einzige was nach dem Schauen im Gedächtnis bleibt ist ein wirklich gut gemachtes, wenn auch kurzes Intro.

The Alienist – Die Entkleisung (USA 2018)
Idee: Jakob Verbruggen
Darsteller: Daniel Brühl, Luke Evans, Dakota Fanning, Robert Wisdom, Douglas Smith
Heimkino-VÖ: 19. April 2018, Netflix

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und produziert Podcasts.



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