Interviews

Veröffentlicht am 25.07.2018 | von Dominik

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FYE & FENNEK – Interview

Diese Woche ist Release-Woche, denn das Debütalbum Separate Together des Kassler Duos Fye & Fennek erscheint nun endlich am Freitag. Dabei klingt dieses weder nach Kassel, noch nach Debüt, sondern orientiert sich an internationalen Entwürfen, zwischen Beats und Schwermut, Euphorie und Melancholie, Tag und Nacht, Party, Liebe und Leben. Ein Querschnitt der Gefühlswelt also und der passende Sommer-Soundtrack für alle Mit-20iger, Studenten und Liebhaber von Projekten, die zwischen Indie und Electro schwanken. Wir haben uns mit den beiden jungen Musikern auseinander gesetzt und sie mit Fragen gelöchert – Fye & Fennek im Bedroomdisco Interview!

Künstlerinfos:

– Bandname: Fye & Fennek
– Mitglieder: Faye and Jan

- Gründungsjahr: 2015

- Standort: Berlin /Kassel
– aktuelles Album: separate together (VÖ: 27. Juli 2018)

Fragebogen:

Wie habt ihr euch getroffen und wie kam es zur Band-Gründung?
Wir hatten ein paar gemeinsame Freunde in Kassel und saßen abends zusammen, irgendwer hat angefangen, Songs zu spielen und wir sind mit eingestiegen, Jan hat Faye dann angesprochen, weil er „Shelter“ gehört hat und den Song gerne aufnehmen wollte. Wir sind das ganz easy angegangen und musikalisch einfach voll aufeinander abgefahren und haben weiter gemacht.

Bisher gibt es kaum Infos über euch – was sollte man auf jeden Fall über euch wissen? Und was lieber nicht?


Für uns ist es mega wichtig, wenn Leute nach Konzerten Kontakt zu uns aufnehmen und uns ihre Emotionen mitteilen, das kann einen richtig pushen aber auch ernsthaft weiter bringen, also wir sind sehr kommunikativ und offen, das sollte man ruhig wissen. Was viele wissen, man aber nicht wissen muss ist, dass Faye viel surft, das ist eher wichtig, um das Mindset zu verstehen, in welchem wir uns bewegen. Wir sind aber nicht so eine Hippie verstrahlte Surferband…

Wie verliefen eure ersten Schritte musikalisch? Wie habt ihr euren Sound gefunden und war von Anfang an klar, in welche Richtung ihr gehen würdet?

Man könnte sagen, wir folgen dem Motto „einfach mal machen“, so entstanden auch unsere ersten beiden Songs „Shelter“ und „Focus“, die wir vor zwei Jahren veröffentlichten. Danach haben wir einfach immer weiter geschrieben und recorded, spielen die Songs auch immer sofort live, egal, wie frisch sie noch oder evtl. sogar noch im entstehen sind. Das hilft enorm, um zu checken, was funktioniert und was nicht so. Musik sollte einfach gehört werden, Freunde sind da auch immer eine große Hilfe, die geben uns immer gutes Feedback.

An welchen klanglichen und inhaltlichen Vorbildern habt ihr euch orientiert?
Was die Lyrics betrifft gibt es da nicht wirklich Bezugsgrößen, weil alles, was darin enthalten ist, sich aus dem zusammensetzt, was so passiert und was uns durch den Kopf geht. Die Melodien sind natürlich schon eher angelehnt an das, was uns musikalisch reizt, dazu kann man Sylvan Esso, Honne, Rhye, Flume und The xx zählen.

Wie war euer Weg dann vom im Proberaum an Songs schreiben, zum Plattendeal, zum Debütalbum?

Jan war schon länger im Kontakt mit dem Label. Trotz der Auslastung mit Milky Chance gab das Label Jan die Zeit, sich musikalisch als Produzent zu finden und Tobias arbeitete intensiv mit ihm zusammen. Faye wiederum hat als Fotografin für Milky Chance gearbeitet und hatte dadurch ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu dem Label. Unsere ersten Songs wurden wie gesagt schnell nach Entstehung veröffentlicht, doch wir mussten erstmal rausfinden, was unser eigentlicher Sound ist und haben einfach ständig produziert, gleichzeitig hat das Label und Booking dafür gesorgt, dass wir frühzeitig Konzerte spielen und somit auch live Erfahrungen sammeln. Das hat alles gut ineinander gegriffen.

Könnt ihr ein bisschen erzählen wie euer Debüt entstanden ist, was der beste/was der schlimmste Moment während der Produktion war und welche Anekdote ihr am meisten aus der Zeit erzählt habt?

Das Album ist so sehr ein Spiegel unserer musikalischen Reise, es gibt diese Höhen und Tiefen wieder, die man lebt und fühlt, Schatten und Licht, natürlich auch auf das Musik machen bezogen. Schlimmster Moment war eindeutig als wir einige der Gesangsaufnahmen neu recorden mussten, weil das Mikrofon bestimmte Frequenzen nicht eingefangen hat und als unsere erste Mixversion eingetroffen ist, die so schlimm klang, dass Jan letzten Endes den ganzen Mix selbst gemacht hat und dann mit Zino Mikorey, dem brillanten Master Engineer, in enger Zusammenarbeit stand. Der hat dem Album genau den richtigen Schliff gegeben und es ist jetzt einfach wirklich aus einem Guss, super persönlich und ganz nah.

Was war euer eigener Anspruch an das Debütalbum?
Ehrlichkeit und Nähe zu erzeugen. Weg von genormten oder kopierten Sounds und so eine Art Klangkleid zu erzeugen, das uns selbst zum Tanzen bewegt oder einfach nur berührt. Man kann das Album ruhig und entspannt mit Freunden hören aber auch dazu tanzen und feiern, das war uns wichtig.

Inhaltlich ist euch Distanz in der Intimität als roter Faden durch die Songs wichtig – was meint ihr damit, wie seid ihr darauf gekommen und welche Text-Zeile aus euren Songs ist zu dem Thema in euren Augen vorbildlich?

„(…) running to the dark like I’m a light I need the contrast to be satisfied (…)“ (Song Dark Lights) bedeutet soviel wie dass man die Distanz zu jemandem erträgt, sich aber zu diesem jenigen wendet, sich nach ihm sehnt. Kontraste sind ja erst das, was für Spannung sorgt und was auch musikalisch interessant ist. Stimmen in Songs kann man zB. so einsetzen, dass die Main Voice Wärme und Nähe verspricht, die Backvocals aber etwas weird, freaking und eben eher distanziert, dem ganzen eine weitere Ebene verleihen.
„(…) in darker skies there’s hope from far, all along and all alone (…)“ (Song Distance) macht die Sehnsucht nach Ferne deutlich, ein weiterer Aspekt, der wichtig ist, das Ausbrechen und Aufbrechen.

Das Video zu eurer Single Miles Davis entstand in Hanoi, Vietnam – wie kam es dazu, wie war die Produktion und wovon handelt das Video in euren Augen?

Hanoi war der absolute Wahnsinn. Wir waren die ganze Zeit beim Dreh dabei, haben mitgeholfen wo es nur ging, und das war uns auch sehr wichtig.
Allein die Reise ins Ungewisse mit Freunden als Team, das war es schon wert!
 Tobias, unser Labelchef und guter Freund, kam mit dem Gedanken und der Idee. Seine Begeisterung haben wir dann immer mehr nachvollziehen können. Im Endeffekt hätten wir das Video sonst wo drehen können, doch gerade dass es jemanden wie ihn, in einen Bann zieht und er in der Musik diese Geschichte gesehen hat, macht uns schon stolz. Denn das ist genau das, was wir mit dem ganzen Album erreichen wollen. Wir entführen und tragen den Hörer an Orte, lassen aber vieles offen, damit sich jeder seine eigene Geschichte bauen kann. Und in den Musikvideos ist es eben Hanoi.
Es geht nicht um die Stadt oder die Geschichte eines Mädchens. Es geht um dieses Gefühl, die Sehnsucht, obgleich jeder auf der Welt in gewissen Konventionen steckt. Das zu realisieren und Mut zu haben daraus auszubrechen, egal wo es einen hinbringt.

Ihr kommt aus Kassel – genauso wie euer Label. Wie sieht die lokale Musikszene dort aus und was hat sich dort getan nach dem Erfolg von Milky Chance…in eurer Bio ist auch von einer „Kassel School“ die Rede?

Es gibt in und um Kassel herum eine große kreativ schaffende Kraft. Klar sind Milky Chance ein großer Erfolg, aber da gibt es viel mehr, auch schon vor Milky Chance. Die meisten Sachen in Kassel und weit in die Umgebung hinaus haben eine hohe Wertigkeit, großes Talent, sind sehr geschmackvoll und zeitgeistig gemacht. Hier überdenkt und reflektiert man viel über das was man da macht, weil man versucht etwas uniques zu erschaffen. Trotzdem transportiert jeder Schaffende einen ähnlichen Mood. Es geht um den Ausbruch aus Tristesse, Sehnsucht, sich zu trauen an Träume zu glauben und Ziele zu haben. Da gehts um Melancholie, aber auch Glück. Das hört man in der Musik, sowie in anderen Bereichen. Dieses Mindset macht Kassel zu einer perfekten Kreativzelle mit eigenem Sound, war aber nur eine Keimzelle – dies passiert quasi überall auf der Welt. Gebündelt hat sich vieles davon in einem gemeinsamen Mindset, der durch Lichtdicht Records unterstützt wurde, wie man auch bei Milky Chance sehen konnte. Daraus hat sich dann Filter entwickelt. Man muss aber hierfür nicht unbedingt in Kassel wohnen oder ansäßig sein – die „School of Kassel“ beschreibt mehr ein Gefühl des Miteinanderseins gleich- und freiheitlich denkender Menschen, die gemeinsam ein Netzwerk sind und bestehende Gegebenheiten hinterfragen um sie womöglich positiv verändern – egal wo sie auf der Welt sind: dies erfordert oft Mut, man kann das beispielsweise in den beiden Videos sehen..

Was steht bei euch als nächstes an?
Konzerte sind geplant und natürlich werden wir auch weiter Musik schaffen, wir ruhen uns nicht auf dem Album aus sondern machen weiter wie bisher.

Was habt ihr in 2018 gelernt?
Geduldig zu sein und wir haben uns auch gegenseitig noch besser kennengelernt.

Welches Album habt ihr euch zuletzt gekauft?
Snail Mail – Lush, HVOB – Silk, Justin Bieber – Purpose

Welcher Song bringt euch immer zum Tanzen?
Rolling Stones – Paint it black, Led Zeppelin – D’yer Mak’er

Wie würde eure Bedroomdisco aussehen?
Ganz viele Spiegel und Reflexionen. Licht ist so elementar um Stimmung zu schaffen. naja, und natürlich ein Vakuum so dass auch der letzte Partymuffel abhebt. Ein Wasserfall wäre auch ok.

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