Interviews

Veröffentlicht am 8.08.2018 | von Dominik

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LUI HILL – Interview

Foto-© Simon Hegenberg

Diese Woche scheint für den Musiker Lui Hill ein Lebensabschnitt abzuschließen. Aber gleichzeitig ist die Veröffentlichung und Abschluss der Kampagne zur Veröffentlichung seines Debütalbums auch der Beginn einer spannenden Reise. Direkt mit der ersten Single drehten gleich schon einige Blogs dieser Welt verrückt, es folgten vier weitere Videos und nun diese Woche endlich auch der Rest des selbstbetitelten Debüts. Wir wollten mehr erfahren über den Künstler/Produzenten und seinen Weg bis hierhin und haben ihm daher gleich eine ganze Latte an Fragen per Mail geschickt…hier sind seine Antworten – Lui Hill im Bedroomdisco Interview!

Künstlerinfos:

– Bandname: LUI HILL
– Mitglieder: LUI HILL
– Gründungsjahr: 2017
– Standort: Berlin
– aktuelles Album: LUI HILL

Fragebogen:

– Moin Lui! Wenn man deine Bio durchließt, scheinst du eine sehr musikalische Vergangenheit, schon frühzeitig diverse Genre für dich erkundet zu und auch eine sehr musikalische Familie zu haben. Kannst du ein bisschen beschreiben, wie du zur Musik gekommen bist, wer dich wie beeinflusst hat und was die einschneidenden Erlebnisse waren?
Ja das stimmt. Ich hatte durch meine sehr musikalische Mutter und meinen plattensammelnden älteren Bruder zuhause immer genügend Musik um die Ohren. Auch dass mein Bruder ein Zimmer weiter täglich sein Schlagzeug bearbeitet hat ging durchaus nicht spurlos an mir vorüber. Er schleppte mich auch eines Tages zu einem Konzert von Johnny „Guitar“ Watson, der mich prompt aufforderte mit Ihm den Refrain seines größten Hits zugingen. Ich stand in der ersten Reihe und Johnny sagte „look at this young guy over there he knows all my lyrics “. Das Blöde war nur, dass Ich noch Stimmbruch war. Es gibt eine Aufnahme davon, die mein Bruder hoffentlich immer noch hat und keinem vorspielt. Danach wollte ich unbedingt Musiker werden und mindestens so cool wie Johnny. Ersteres ist mir gelungen.

– Welche Instrumente kannst du spielen bzw. wann und warum hast du sie erlernt?
Ich spiele Schlagzeug und ein wenig Klavier. Mit allen anderen Instrumenten wie Gitarre oder Bass lege ich mich nur im Studio an, für live und die Bühne sind da meine Skills zu mies. Schlagzeug ist tatsächlich das Instrument, das mir am einfachsten von der Hand geht und auch am meisten Spaß macht, ich habe mit 16 mit den Drums angefangen und dann jeden Tag geübt. Ich war glaube ich ein wenig besessen in den ersten 10 Jahren meines Schlagzeuger Daseins.

– Du hattest auch schon diverse musikalische Projekte, wie und warum kam es dann zum Neustart als Lui Hill und warum war das für dich notwendig?
Ich glaube es ist gesund sich immer wieder mal in Frage zu stellen und ab und an einfach mal einen radikalen Schnitt zu machen, anders bekommen neue Ideen doch nicht wirklich Flügel. Irgendwie war der Name aber schon immer da, denn mein erstes Studio in meinem Elternhaus und meine Plattenfirma, die Ich dann später gegründet habe trugen schon diesen Namen.

– Wie kamst du auf den Namen und ist er ein Hinweis auf deine Heimat Darmstadt bzw. den Luisenplatz in der Stadtmitte?
Übersetzt man die Straße, in der Ich aufgewachsen bin ins Englische kommt man auf LUI HILL, LUI HILL ist sozusagen die Urzelle meines kreativen Schaffens, hier begann für mich alles. Erster Proberaum, erstes Tonstudio und erste Songs.

– Wie würdest du deinen Musikstil beschreiben?
Ich nenne das, was ich machen „Neo Soul“ und das trifft es glaube ich ganz gut. Trotzdem find Ich es schwer einen Begriff zu finden für Musik, die von so vielen Stilen beeinflusst ist, da tritt man immer etwas zu kurz würde ich sagen.

– Ein großer Wendepunkt war ja auch der Tod deines Vaters für dich – daraufhin hast du dich erstmal nach Südafrika abgesetzt. Wie ist es dir dort ergangen und wie kamst du wieder zurück?
Ich bin nicht sofort abgehauen als mein Vater so unvorhergesehen und plötzlich verstarb, sondern habe erstmal versucht so gut es geht für den Rest meiner Familie da zu sein und das alles erstmal etwas zu kapieren, was da passiert war, dann habe Ich mich ein Jahr später auf die Reise begeben. In dieser Zeit ging auch meine Beziehung in die Brüche, und ich musste mal etwas Abstand und eine andere Perspektive auf mein ganzes Leben finden. Sehr praktisch war, dass mich genau zu dieser Zeit Tom James, dessen EP ich ein Jahr zuvor produziert hatte auf eine zweimonatige Südafrika Tournee mitnehmen wollte. Wir haben 27 Shows gespielt und sind über 3.500km gereist. Das war ein atemberaubendes Abendteuer und eine großartige Erfahrung. Es haben sich tolle Freundschaften geschlossen, die Menschen dort sind sehr offen und warmherzig und mittlerweile versuche ich dort mindestens einmal im Jahr vorbei zu schauen.

– Dort trafst du der Legende nach auch den Filter Music Chef Tobias Herder – wie kam es dazu und wie kam es zu deinem Signig?
Haha die Legende, das klingt fantastisch! Ja man, aber es ist schon völlig verrückt, wir leben beide in Berlin, aber müssen ans andere Ende der Erde, um uns in Kapstadt dann kennenzulernen. Tom hat mich immer einen Song von mir in seinem Liveset spielen lassen, genauso auch auf dem letzten und größten Festival dieser Tour und da stand eben Tobias Herder im Publikum, der eigentlich eine südafrikanische Band signen wollte, die auch auf diesem Festival gespielt haben. Aber stattdessen haben wir uns dann ein paar Tage drauf in einem Uber-Taxi meine Demos angehört und dann ging irgendwie alles ganz schnell. Das Interesse an der südafrikanischen Band war plötzlich nicht mehr so groß und das an mir umso grösser;)

– Nun erscheint diese Woche dein Debütalbum Lui Hill – kannst du ein bisschen zum Entstehungsprozess erzählen, wie die Songs entstanden sind, was deine Laster während der Produktion waren, was der beste und was der schlechteste Moment während der Produktion und welche die von dir meist erzählte Anekdote aus der Zeit?

Ja krass, endlich ist es soweit, es war dann doch ein langer Prozess diese Platte fertig zu stellen. Manche dieser Songs sind vor Jahren entstanden, andere noch unmittelbar vor der Fertigstellung des Albums, der Zuhörer wird das aber nicht merken welcher Song 3 Jahre oder 3 Monate alt ist, es ist wie ich finde eine sehr homogene Mischung geworden. Hmmm, meine Laster während der Produktion…zu viele Zigaretten und Synthesizer, die Ich während dieser Produktion kaufen musste 😉
Der beste Punkt der Produktion war auf jeden Fall diese Zeit in Südafrika, die meinen Neuanfang markiert hat und der ich so viel verdanke. Der schlechteste Moment war definitiv als ich meinte es wäre eine gute Idee mit meiner externen Festplatte, ohne jegliches Backup, Skateboard zu fahren. Ich habe mich auf dem Weg ins Studio voll auf die Fresse gelegt und die Festplatte war Schrott. Ich hätte die Daten wohl für schlappe 3.800€ wiederherstellen lassen können, aber dann habe ich mir meinen Stundenlohn ausgerechnet, um diese Songs ein zweites Mal aufzunehmen und hab mich an die Arbeit gemacht. Ich musste wirklich aus dem Kopf diese Songs reproduziere, da es keine brauchbare Aufnahme mehr gab. See The Light Again, Song Nr. 3 auf dem Album, ist einer dieser Songs mit dem, nennen wir es mal „Skateboard-Refurbish“. Ich bilde mir ein der Sturz hat sich am Ende sogar gelohnt, aber ich kann ja auch nicht mehr vergleichen 😉 Mein Skateboard bekommt auch noch auf einem anderen Track eine Hommage, der Song The Storm hat ein Schlagzeugsolo aus gesampelten Sounds meines Skateboards. Bester Drumsound auf der Platte!

– An welchen klanglichen und inhaltlichen Vorbildern hast du dich orientiert?
Ich orientiere mich an sehr verschieden Künstlern von Jazz über Hip Hop, zu Minimal bis zu neuer Musik. Ich habe rausgefunden, wenn ich mich an etwas orientier oder sogar versuche es zu kopieren, trete ich immer zu kurz, am Ende klingt es doch immer sehr stark nach mir und nicht wirklich nach dem Vorbild. Vielleicht wehrt sich irgend etwas ab einem gewissen Punkt in mir es wirklich zu tun oder ich bin einfach zu schlecht darin. Aber ja, ich denke der ein oder andere wird verstehen, wenn ich sage, dass ich Frank Ocean, Stevie Wonder, Childish Gambino, Maribou State, Jungle, Steve Reich, SOHN und Bon Iver sehr gerne höre.

– Die Songs wurden – so haben wir es zumindest verstanden – alle von dir selbst eingespielt und produziert. Bist du so ein Kontrollmensch oder warum arbeitest du am liebsten allein?
Ich weiß nicht, ob ich ein Kontrollfreak bin, ja vielleicht. Weißt du, ich habe lange in Bands gespielt und war diesen demokratischen Prozess Musik zu schreiben unterworfen, während ich doch schon immer eine ganz klare Idee davon hatte, wie der Song doch wirklich sein sollte. In Bands als Drummer zu spielen, das habe ich wirklich sehr lange und auch sehr gerne gemacht, doch irgendwann ist es auch ermüdend, man steckt Hoffnungen in ein Projekt, reißt sich 3 Jahre lang den Arsch auf und dann zieht irgendjemand die Reisleine und sagt Ciao, meistens der Sänger. Mit einem Soloprojekt passiert dir das nicht. Ab irgendeinem Punkt musste ich mich davon befreien und mal mein eigenes Ding machen. Ich wollte wissen wie meine Ideen klingen, wenn sie keine Kompromisse mehr eingehen müssen. Ich liebe es nachts allein in meinem Studio zu sitzen mein Gehirn von einem Arpeggio, aus einem analog Syntheziser weichkochen zu lassen, bis ich irgendwann vielleicht die Idee für einen neuen Song habe oder einschlafe. In diesen Momenten habe ich manchmal das Gefühl der einzige Mensch auf dieser Erden zu sein, in diesen Momenten fühle ich mich komischerweise am meisten lebendig. Zwei Songs auf der Platte sind übrigens coproduziert. Wer das Booklet gut studiert, wird sehen, dass auf der Platte auch einige Gastmusiker auftauchen. Also wie du siehst: Ich gebe auch gerne Sachen in andere Hände, vor allem wenn ich weiß, dass sie gewisse Dinge – wie z.B. einen Bass oder eine Gitarre – viel besser spielen können als ich.

– Was war dein eigener Anspruch an das Debütalbum? Und wie stehst du jetzt dazu, wo es fertig, aber noch nicht veröffentlicht ist?
Mein Anspruch war das beste Album zu machen, das mir zum jetzigen Zeitpunkt möglich ist. Ein Popalbum produzieren, das authentisch ist und eben nicht flach. Ich wollte einen Sound kreieren, den die Leute wiedererkennen. Keine Ahnung wie ich in zwei Jahren über dieses Album denken werde, aber gerade gefällt es mir noch sehr gut 😉 Dass so viele Menschen auf die ersten Singles so abgefahren sind freut mich natürlich sehr. Ich bin jetzt einfach sehr gespannt auf die Resonanz zum Debütalbum.

– Vor dem Release des Albums gab es schon insgesamt 5 Singles mit Videos, was uns relativ viel erscheint – was war der Plan dahinter und was denkst du in der heutigen Zeit über aufwendige Videoproduktionen?
Es wurden bis jetzt 4 Singles und einen Remix veröffentlicht, alle haben ein Video bekommen, diese sind Teil einer Serie. Wir wollten uns Zeit nehmen, um eine Stimmung zu erzeugen und eine Geschichte zu erzählen und uns eben nicht auf 3-4 Minuten reduzieren zu lassen. Niemand hat vorher von LUI HILL gehört, ich halte die Anzahl von 4 Singles absolut notwendig, damit bis zum Album genügend Leute davon erfahren, was ich mache. Ich glaube nicht, dass man heutzutage unbedingt aufwendige Videos drehen muss, um die Aufmerksamkeit der Leute zu bekommen. Du kannst ein aufregendes Video mit deinem iPhone drehen, wenn Du ein Schnittprogramm und eine gute Idee besitzt. Wir, also das Team um diese Episodenvideos, die wir in LA gedreht haben, (Christoph Varga Produzent & Regiessuer, Jessica Lafave Co. Produzentin und Vova Kamera) wollten eben tolle und fast schon gemäldeartige Bilder und Szenen einfangen, das ging dann eben doch nicht mit einem iPhone, sondern nur mit einer teuren Kamera und einem absoluten Profi dahinter.

– Die Videos erzählen deine Version des Märchens von der „Kleinen Meerjungfrau“ – wie kamt ihr auf diese Idee und wie passt die Geschichte zu deiner Musik?
Ich bin ein großer Fan dieses Märchen geworden, nicht von dieser kitschigen Disney-Version, sondern vom Original das von Hans Christian Andersen. Andersen setzt in seiner Geschichte voraus, dass wir Menschen eine unsterbliche Seele haben, eine schöne Verstellung, die ich auch teile. Die Geschichte erzählt von Sehnsucht, Distanz, Beharrlichkeit, Träumen und Scheitern. Alles Themen, die in meinen Songs wiederzufinden sind. Die Meerjungfrau ist jemand, die von Konventionen und wie etwas zu sein hat nicht viel hält, sie ist eine Träumerin und lässt sich trotz aller Widerstände nicht von ihrem Weg abbringen. Sie verkörpert Mut, Willenskraft und eben auch das Irrationale. Sie pokert hoch und nimmt das Scheitern auch wohlwollend in Kauf. Ähnlich fühlt sich das für mich mit diesem Album an, ich sehe es als eine Belohnung für einen langen Weg, den ich beharrlich und gegen einige Widerstände gegangen bin.

– Was bedeutet Erfolg für dich bzw. wie definierst du ihn für dich?
Erfolg bedeutet für mich sich mögen zu können. Ich fühle mich in diesem Sinne manchmal sehr erfolgreich, manchmal aber auch nicht. Wenn meine Musik nun Teil von anderen Menschen/Leben wird und diese damit bald irgendetwas tolles Verbinden. Wenn ich von meiner Musik bald ausschließlich leben kann und mich nicht mehr fragen muss, ob ich heute Essengehen darf und vor allem wo.

– Was steht bei dir als nächstes an?
Als nächstes steht ein Radio-Rundreise an und danach die Release-Tour im Oktober. Die geht sogar durch mehrere Länder, Mann hab ich Bock! Livespielen ist einfach das Größte, vor allem wenn man das mit so einer großartigen Band tun darf!

– Was hast du in 2018 gelernt?
Dass der Moment zählt, mehr denn je.

– Welches Album hast du dir zuletzt gekauft?
Das Album einer befreundeten Band aus Portland Sweet Simple Things, die Band heißt Minden. Check it out!

– Welcher Song bringt dich immer zum Tanzen?
Let’s Dance von David Bowie 😉 und Come Down von Anderson Paak.

– Wie würde deine Bedroomdisco aussehen?
Dunkel und mystisch.

LUI HILL Tour:
02.10. Musik & Frieden, Berlin
04.10. Häkken, Hamburg
12.10. Ampere, München
14.10. Cafe Galao, Stuttgart
16.10. Club Stereo, Nürnberg
17.10. MTC, Köln
19.10. Staatstheater, Darmstadt
21.10. Groove Station, Dresden

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