Reviews ClickClickDecker by Sophie Krische

Veröffentlicht am 16.11.2018 | von Christian Weining

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CLICKCLICKDECKER – Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten

ClickClickDecker Cover
Foto-Credit ©Sophie Krische

„Wenn ich Papier wär, was würdest du auf mir schreiben?
Wenn du mich festhältst, neigst du dann zum Übertreiben?

Weil ich gern Anfang bin, der irgendwo mitten im Film beginnt,
Wir sind mein Lieblingsfilm in dem wir nichts Besonderes sind.

(ClickClickDecker – festschwimmen)

Mit „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ meldet sich ClickClickDecker nach 4 Jahren mit seinem mittlerweile sechsten Studioalbum zurück. Der Titel des Albums lässt erahnen, dass man sich auch bei dieser Platte auf Kevin Hamann verlassen kann: Er scheint den Spaß daran nicht verloren zu haben, mit Phrasen zu jonglieren, die ihren Sinn nicht gleich und vielleicht auch nie eindeutig enthüllen.

Eingebettet sind seine kryptischen Texte in ein wunderbar sanftes aber aufgewecktes Arrangement aus einem kleinen ‘Bandorchester’. Obwohl die Aufnahme nach wenig Mitteln und Homestudio klingt, schwebt dennoch im Hintergrund meist eine breit angelegte Klanglandschaft mit. Verspielte Melodien melden sich wie Kommentare zwischen Gitarre, Schlagzeug und Bass. Es sind viele Details, die den Sound ausmachen, der zwar ClickClickDecker-typisch ist, aber nach mehr Mühe und Kreativität klingt als auf seinen bisherigen Alben. Auffällig ist das sehr präsente Schlagzeug, das bei vielen Stücken eine treibende Rolle spielt und sich wie bei einem Muff Potter Song durchschlägt. Die reichen Arrangements und die klare Akustikgitarre, die sich neben dem Schlagzeug behaupten, bekommen gerade dadurch mehr Aufmerksamkeit. Weil man dahinter hören will, auf die kleinen Aufmerksamkeiten aufmerksam werden will. Zum Beispiel die kleine Intermission bei Bielefeld, eine klimpernde Melodie gespickt von Basedrum und einem raumfüllenden Rauschen und Zerren, das einem nur bewusst wird, wenn man hinhört.

„Wenn ich Papier wär‘, dann durchgedrückt mit Kaffeerand.“ Zwischen Selbstzweifel, Schwermut und andererseits zuversichtlicher Ruhe bewegt sich das lyrische Ich über 13 Stücke durch den komplizierten und gleichzeitig banalen Alltag. Meist implizit und uneindeutig wie bei festschwimmen, manchmal grade raus wie bei Schreckmensch: „Was ich von mir sagen will? Und was ich von mir halte? Ich bin der schrecklichste Mensch der Welt.“

Manchmal wirken die Beobachtungen zwischen Tür und Angel wir eine Gesellschaftskritik, häufiger wie eine Autobiografie. Es ist immer das ‘Dazwischen’, was ClickClickDecker hier hervorholen und dem wir, wenn wir uns darauf einlassen, viel Aufmerksamkeit schenken können.

Man kann von diesem Album je nach Gemütslage Einiges mitnehmen: Entweder die Gelassenheit, dass alles ganz schön ok ist, weil die kräfteraubenden Details der Welt doch eh viel zu schwer zu erkennen und nicht klar zu formulieren sind, vielleicht dadurch unwichtig werden – Dazu bietet das Album musikalisch auch noch den perfekten Soundtrack. Oder andererseits die Gewissheit das es ok ist, dass der Alltag auch schwerfallen kann, den Kopf in den Sand zu stecken aber trotzdem nicht die Konsequenz sein soll. Dazu ist der Klang der kleinen Aufmerksamkeiten doch viel zu positiv: „Man sagt sich Dinge auf, redet sie sich schön, wie man es betrachtet und alles andere wird man sehen“.

ClickClickDecker – Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten
VÖ: 16. November 2018, Audiolith, Broken Silence
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