Buchvorstellung

Veröffentlicht am 3.04.2019 | von Dominik

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LINUS VOLKMANN – Interview & Verlosung

Foto-© Frederike Wetzels

Linus Volkmann ist eine Art bunter Hund im Musikjournalismus, war lange Zeit Wort- und Meinungsführer beim mittlerweile der Vergangenheit angehörenden Intro Magazin, Buchautor und treibt sich mittlerweile hinter der Tastatur oder auch vor und hinter den Kameras beim WDR, Spiegel Online, Vice oder bei Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale herum. 2018 erhielt er den Grimme-Preis für das Stück Eier aus Stahl – Max Giesinger und die deutsche Industriemusik. Dieser Tage erschien sein neustes Buch Linus Volkmann sprengt die Charts! Wie werde ich Popstar (und warum?), in dem er verrät, wie man selbst so fame wird, dass man von ihm dann verrissen werden kann. Wir haben Linus einige Fragen geschickt, bevor er ab heute auch auf multimedialer Lesereise (Termine unten) ist! Außerdem verlosen wir zwei Exemplare des Buchs – ihr wollt gewinnen? Dann schickt uns bis zum 10. April eine Mail mit dem Betreff „Wie werde ich Popstar (und warum)?“ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de!

Du warst ja lange einer der prominenten Wortakrobaten und Meinungsführer (Neudeutsch: Influencer) beim Intro Magazin. Wie hast du persönlich das Aus des Magazins erlebt?
Direkt nach meinem Ausstieg war ich tatsächlich etwas empört, wie alles halt einfach normal weiterging, haha. Das Heft sah für mich selbst teilweise noch so aus, als hätte ich es weitergemacht. Das ist wahrscheinlich ganz natürliche Eitelkeit. Also dass man nicht glauben will, dass die Welt sich auch ohne einen dreht. Intro hat mich allerdings da vom Gegenteil überzeugt. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Tod, hey danke!

Zuletzt betrachtete ich dann auch alles wieder mit dem Wohlwollen, das dem Magazin natürlich auch gebührte. Schon zu meiner Zeit war der Arbeitsalltag ja geprägt gewesen von lähmendem Untergangsgelaber – da es dennoch stets weiter ging, hielt ich den Laden dann irgendwie doch für unkaputtbar. Insofern überraschte mich das Ende sehr, kann ich nicht anders sagen. Für die Leute tat es mir leid und dass die Zeit von so Magazinen wie Intro endgültig rum ist, das muss man auch erstmal verstoffwechseln.

Was treibst du seitdem?
Ich habe 2014 ja einfach ohne Anschlussjob gekündigt. Ein Move, bei dem ich heute noch sofort nasse Hände bekomme, wenn ich dran denke. Aber im Nachhinein natürlich richtig und für mich eben letztlich alternativlos. Jetzt mache ich mehr, was ich will und muss nicht mehr jeden Monat meine Zeit mit 80 Volltext-Seiten Plattenreviews verbringen.

Schreiben für Die Zeit, Spiegel Online oder die Vice, Videos machen bei Cosmo, dazu noch Beiträge für Jan Böhmermann konzipieren – muss man heutzutage so breit aufgestellt sein als Musik-Journalist um zu überleben?
Absolut. Das Popkultur-Segment ist ja noch mal spezieller als das ohnehin schon schmale Kultursegment. Ey, da steckt mal so richtig wenig Geld drin.

Print geht es ja schon länger schlecht und mit dem Intro haben sich mittlerweile auch die Groove und die Spex verabschiedet – steht es so schlecht um den Musikjournalismus, welche Gründe siehst du dafür und ist ein Buch mit Musik-Background der Ausweg?
Das Buch ist ein Kommentar auch auf den Zustand des aktuellen Musikjournalismus. Es gibt einen Text, da schreibe ich über mich und mein Leben im Game, der heißt: „Linus Volkmann arbeitet als Magd bei Radiohead“. Das steckt viel im sonstigen Journo-Betrieb vermisste Angriffslust drinnen und natürlich auch persönliche Trauma-Bewältigung. Generell halte ich Musikjournalismus in der Form, wie wir ihn kennen, für ein Auslaufmodell. Neue Generationen kommunizieren anders über Musik. Unser episches, halbintellektuelles Gerede ist einfach eine tote Sprache für Kids.

Worum geht es denn in „Linus Volkmann sprengt die Charts! Wie werde ich Popstar (und warum?)“?
Um die Antwort auf genau jene Frage natürlich. Und die hat – bei mir zumindest – nichts zu tun mit Fleiß, Talent und gutem Aussehen. Mein Reader geht eher so in Richtung: Von hinten an den Thron.

Du hast ja wahrscheinlich genug Pop-Karieren starten und auch scheitern gesehen – welche Pop-Karieren findest du denn exemplarisch besonders gut und warum?
Karriere, wenn ich das in Bezug auf Pop schon höre! Da fängt das Problem doch schon an! Guter Pop bildet seine Zeit ab, dreht sie aber auch noch weiter – und formuliert Utopien, an die sich der gesellschaftliche Konsens erst Jahre später ran traut. Einzelne Künstler sind im Feuer dieses Moments dann eben Stars und larger than life. Und irgendwann nach paar Jahren werden sie das Establishment. Circle of Life. Wenn man sie wirklich liebt, kann man sie ja weiterhin goutieren. Relevant ist das aber nicht mehr. Insofern finde ich Bands am geilsten, die sich schnell wieder auflösen. Das wirkt auch weniger needy.

Gibt es denn überhaupt noch die richtige Pop-Star-Kariere im heutigen Musik-Business, mit Spotify, sinkenden Verkaufszahlen und leidlich interessierten Hörern/Käufern?
Ach, Drake, Capital Bra und so Leute halt, das sind heute die Popstars. Spielt sich bloß alles eher im Netz ab statt in der großen Samstag-Abend-Show von Thomas Gottschalk.

Was braucht man in deinen Augen für eine richtige Musiker-Kariere?
Eine geile Idee, einen Look und viralen Hit. Was man nicht mehr braucht, sind Plattenfirmen. Deren Routine, Künstler aufzubauen, erinnert heute eher an Jurassic Park. Man staunt, dass es das wirklich noch geben soll – und am Schluss der Prozedur sind die meisten tot.

Bekannt und besonders schön sind ja zumeist deine Verrisse – warum macht dir gerade das besonders Spaß und welches Album hat dir denn zuletzt richtig gefallen?
Als professioneller Musikjournalist muss man ja immer so ausgleichend und gerecht sein. Und dabei am besten noch der Plattenfirma gefallen und den jeweiligen Fans. Dieser versöhnliche Rahmen hat mich in seiner Harmlosigkeit irgendwann nur noch genervt. Daher habe ich den Verriss für mich entdeckt. Nieder mit dem gefälligen Männer-Kanon in Pop. Weil andere das auch so sehen oder sich gern aufregen, sind meine Verrisse oft populärer als meine Lobpreisungen, doch letztere gibt es auch. Ich höre ja nicht absichtlich dauernd Scheiß-Mucke. Ich mag aktuell zum Beispiel sehr Männer die gern tanzen von der Band Detlef und Billie Eilish Bury A Friend.

Eine besondere Hassliebe schreibt man dir ja im Bezug auf Festivals zu – woran liegt das und was hasst du daran besonders? Welches war das letzte Festival, das du besucht hast?
Das liegt daran, dass ich als Intro-Redakteur zehn Jahre am Stück jeden Sommer beim Melt war. Immer mit irgendwelchen rätselhaften Aufgaben betraut, immer von der eigenen Borderline-Haftigkeit verfolgt. Die Abwesenheit von festen Toiletten und in einem Zelt schlafen zu müssen – dafür bin ich aber auch einfach viel zu neurotisch. Und alle, die das ertragen können oder gar nicht so schlimm finden, sind mir zutiefst suspekt.

Dein nächstes Buch handelt von?
Feminismus und Autotune.

Worauf freust du dich besonders bei deiner Lesereise? Und wie wird Linus Volkmann bei 35 Leseshows nicht sofort Alkoholiker?
Viel Wasser trinken und eiserne Disziplin.

Und was wird eigentlich aus der Schinken Omi?
Ein bisschen habe ich mit dem Buch das gemacht, was mich an dem Fanzine Schinken Omi so gereizt hat: Durchdrehen in Textform. Ach, und Schinken Omi kommt im Buch sogar auch vor. Ich schwör’s!

Linus Volkmann Lesereise:
03.04. Druckluft, Oberhausen
04.04. Hafenklang, Hamburg
05.04. Lila Eule, Bremen
06.04. Volksbad, Flensburg
10.04. Waldmeister, Solingen
11.04. Wohlsein, Paderborn
12.04. Popsalon, Osnabrück
13.04. Alter Schlachthof, Lingen
14.04. Pension Schmidt, Münster
15.04. Engelsburg, Erfurt
16.04. Club Stereo, Nürnberg
17.04. Horns Erben, Leipzig
18.04. Atomino, Chemnitz
23.04. Cafe Wagner, Jena
24.04. Kulturzentrum Schlachthof, Kassel
25.04. KUZ, Mainz
26.04. Technische Universität, Kaiserslautern
28.04. Heppel & Ettlich, München
29.04. Kohi, Karlsruhe
30.04. Kantine, Konstanz
01.05. InDieWohnzimmer, Stuttgart
02.05. Kulturbahnhof, Donaueschingen
29.05. Literaturhaus, Rostock
06.06. Artheater, Köln
16.08. Hinterhoflesung, Düsseldorf
04.09. Pfefferberg Theater, Berlin
05.09. Pavillon, Hannover
06.09. Bunker Ulmenwall, Bielefeld
27.09. Sparte 4, Saarbrücken

Festival Programm:
Sommer! Handbrot! Flunkyball! – warum ich Festivals hasse
31.05.19 Neustrelitz – Immergut Festival
14.06.19 Mannheim – Maifeld Derby
12.07.19 Straubenhardt – Happiness Festival
26.07.19 Negenharrie – Off The Radar Festival
26.09.19 Worms – Pop Up Festival


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