Interviews

Veröffentlicht am 10.04.2019 | von Sophia Kahlenberg

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MINE – Interview


Foto-© Sophia Kahlenberg

Wir sind übrigens verknallt in Mine. Wieso? Weil sie cooler ist als cool, also wirklich! Aktuell hat sie ihren neusten Knaller, Klebstoff, im Gepäck. Deshalb haben wir sie uns geschnappt und sind mit ihr durch Berlin gezogen. Ja okay, meistens haben wir uns vor dem Regen versteckt und über das Album gequatscht. Aber durch Berlin ziehen wirkt, als wären wir selber auch ein bisschen cool. Hier ein paar gute Infos:

Erst hat man das Gefühl man tanzt im schottischen Grün über Felder, mit Beat selbstverständlich. Dann doch wieder im Club. Und dann ist Nachdenken angesagt. Was ein tolles Album, Mine! Bist du zufrieden? Gibt’s manchmal, so kurz vor dem Release, Momente, in denen du denkst oh dies und das würde ich jetzt doch gerne nochmal ändern?
Nö, ich bin voll happy damit! Wir haben das Album auch vor Ewigkeiten fertig gemacht, im November oder so. Und wenn ich noch was ändern hätte wollen, hätte ich noch Zeit gehabt dafür. Ne ich bin voll und ganz happy damit. Es ist auch so, ich finde es natürlich schön, wenn die Leute das gut finden, aber in erster Linie geht’s mir darum das zu machen, was ich selber gut finde und wenn ich damit cool bin, gibt’s diese Torschusspanik auch nicht. Und wenn’s ihnen nicht gefällt ist das auch okay, deswegen habe ich nicht das Gefühl ich müsste noch was ändern, damit das Album im Zahn der Zeit ist oder so.

Wieso eigentlich Klebstoff?
Ich habe erst über den Titel nachgedacht, als ich die Songs schon alle hatte und da gab’s den Song Klebstoff auch schon. Und ich finde das Wort voll schön, so phonetisch. Ich finde es klingt einfach genauso, wie das was es aussagt und außerdem geht’s so insgesamt um die Beziehung zu sich selbst in Bezug auf die Vergangenheit. Also sowohl was für Leute haben einen gewissen Eindruck hinterlassen oder welche Dinge.. sind kleben geblieben.

Sowieso mega spannend, Thema Konditionierung usw. Ob wir uns wohl auch zu einer Art white blank page zurückschrauben können?
Und man ist ja irgendwie auch die Summe aller Dinge, die passiert sind. Ich glaube gehen tut’s nicht, es ist doch eine Ausgangssituation, die einem mitgegeben wird und man kann aber alles daraus machen. Ich finde man kann sich darauf dann auch nicht ausruhen sozusagen, sondern ist trotzdem dafür verantwortlich sobald man mündig ist. Wobei ich jetzt nicht an Schicksal glaube oder so..

Eher an Päckchen, die eben an einem drankleben und eine proaktive Ich-mach-was-draus Einstellung?
Ja, genau!

Du hattest für dieses Album nicht viel Zeit, stimmt das?
Naja, ich hatte schon so viel Zeit, wie ich mir genommen habe. Ich arbeite gerne recht kompakt, aber gleichzeitig habe ich auch nie eine Songwriting Phase, sondern versuche eigentlich immer zu schreiben, damit ich nicht in einen Druck komme. Deshalb habe ich, wenn eine Tour- oder Promophase vorbei geht eigentlich auch direkt Bock am nächsten Album zu arbeiten. Ich habe schon auch von Leuten gehört, die sagen ich arbeite super schnell. Das Gefühl habe ich aber gar nicht, sondern ich versuche schon mir die Zeit zu nehmen, die ich denke die das Album braucht. Aber irgendwann will ich dann auch sagen, gut der Song ist jetzt fertig. Irgendwann muss man die Dinge gehen lassen, auch wenn man immer das Gefühl hat, man könnte noch irgendwas rausholen. Es ist einfach fertig, wenn man das selber entscheidet und abschließt.

Man muss irgendwie den Punkt abpassen, statt dann zurück zu rudern. Wobei das doch auch passiert, oder? Das man dasteht und denkt ja toll, vor 5 Tagen war’s irgendwie besser.
Ja voll, Verschlimmbessern!

Es hatte sich so gelesen, dass du nicht viel Zeit hattest. Deshalb wollte ich fragen, ob du bestimmte Regeln aufstellst?
Ich hatte nicht alle Songs geschrieben, als das Album mit Fatoni rauskam. Normal ist das schon so, deshalb hatte ich diesmal einen gewissen Songwriting-druck. Es war jetzt kein Druck in dem Sinne, aber ich habe gesehen, dass die anderen schon in der Produktionsphase waren und was nachkommen sollte. Ich habe mich dann quasi aktiv hingesetzt und gesagt so und jetzt schreibe ich Musik. Ich glaube nicht, dass ich so ein Medium bin, das, wie viele andere denken, von der Muse geküsst wird und dann passiert es und diesen Moment kann man nicht beeinflussen. Das ist schon eher Quatsch, ich glaube schon, dass man sich hinsetzen kann und das macht, wie man alles andere macht. Man muss sich halt reindenken und an manchen Tagen läuft es besser und an anderen nicht so gut, aber im Prinzip kommt immer irgendwas raus.

Hast du ein Lieblingsstück?
Ne, es kommt aber auf die Stimmung an und bei mir wechselt das ziemlich schnell. Es gibt Songs, die ich ziemlich schnell dann nicht mehr hören kann. Gerade im Moment höre ich eigentlich am Liebsten Einfach so und Vater. Es ist aber echt immer abwechselnd, ich kann das gar nicht sagen. Wenn ich auf Tour bin und irgendwie gerade am Boden zerstört bin und dann singe ich 90 Grad, was ja ein positiver Song ist. Ich komme dann schon rein, aber es ist viel anstrengender und schwieriger aufzurufen, weil ich mich schon vor jedem Song in die Zeit oder das Gefühl hineinversetze, wo er entstanden ist. Um gut zu performen, sonst wird’s zu Sport. Ich denke auch nicht darüber nach, wie die Töne nacheinandergereiht sind, sondern versuche in die Emotion reinzukommen. Wenn dann mal ein Ton nicht so sitzt ist mir egal, aber wenn der emotionale Zugang fehlt ist ja lame..

Du bist wieder zurück in das kleine Studio in Baden-Württemberg..
Klein ist es gar nicht, aber ist in einem kleinen Dorf bei Heidelberg..

Ach ja so war das, irgendwas Kleines war klein an der Geschichte. Und wieso zieht es dich immer wieder dorthin zurück?
Ich bin da seit dem ersten Album und arbeite mit zwei Jungs zusammen, mit denen ich auch schon seit Anfang dort arbeite. Ich mag das Studio einfach sau gerne, es ist eine mega gute Atmosphäre zum einen und super schönen Klang hat. Und es gibt auch nicht mehr so viele Studios in Deutschland, die einen solch großen Raum haben, weil die meisten Leute alles digital machen oder mit Samples arbeiten. Ich nehme immer noch super gerne Streicher und Chor auf. Der Fokus ist da echt auf der Musik und es ist egal, wer wo wie welchen Erfolg gehabt hat. Man trifft sich da, der eine macht Jazz, der andere macht Klassik, der andere ist irgendwie DJ und Mittags wird gekocht und man sitzt zusammen da und quatscht.

Du übernimmst viel der Produktion mittlerweile selbst. Wie entscheidest du, was du abgibst, wo du dir Hilfe holst oder wo du garantiert nichts aus der Hand geben willst?
Abgeben tu ich gar nichts, aber ich hole mir Leute ins Boot, wenn meine Kompetenz einfach nicht ausreicht. Ich möchte nicht, dass das Produkt, das klingt voll kacke.., die Qualität unter meiner Inkompetenz leidet. Manchmal habe ich Vorstellungen in meinem Kopf, bevor ich die Produktion mache und habe für die Umsetzung einfach nicht die Skills. Mir fehlt einfach das technische know-how, ich habe ja erst mit Mitte 20 mit Produktion angefangen und habe auch nicht so viel Equipment. Ich bin super froh, wenn ich dort bin und die einfach wissen, wie man den Streichersound am besten zum Klingen bekommt, so wie ich es eigentlich will. Wenn man sich schon die Mühe mach live aufzunehmen und Noten schreibt und sie arrangiert und die Streicher bezahlt, dann will ich auch dass es genau so geil wird, wie ich es mir vorstelle und das kriege ich alleine niemals hin. Es geht mit jedem Album ein bisschen weiter. Außerdem ist es manchmal auch gut, wenn Leute von draußen nochmal draufgucken, die noch nichts von dem Song gehört haben.

Du holst dir ja auch immer wieder Leute, mit denen du zusammenarbeitest? In einem Team zu arbeiten bringt ja auch nochmal ganz anderen Input rein?
Ab einem bestimmten Punkt auf jeden Fall. Beim Songwriting kann ich das nicht, ich hab’s probiert, aber ich kann nicht singen, was ich nicht selber geschrieben habe. Ich finde das gar nicht verwerflich, solange man ehrlich bleibt und auch zugibt wer der Autor ist. Das ist voll okay, aber ich fühle das dann einfach nicht und es wirkt dann so als würde ich mich selbst covern.

Du hast eben von der Technik gesprochen und die wirkt manchmal wie ein riesengroßes Universum, weil es Milliarden von Möglichkeiten gibt, die man ausprobieren kann. Wie findest du da eine Route oder Faden?
Ich hab keinen Faden, trial and error. Also oft, bei plug ins und so, kaufe ich die einfach und probiere aus und klicke mich mal durch. Manchmal merke ich Jahre später, dass es noch irgendein Feature gibt. Ich hasse halt einfach Manuals zu lesen, das mache ich gar nicht, dafür bin ich zu ungeduldig. Ich brauche was, was einfach funktioniert oder jemand zeigt es mir oder es gibt Tutorials und die schaue ich mir an.

Vielleicht plakativ-doofe Frage, egal. Wieso machst du Musik?
Naja, ich glaube das hat total viele Gründe. Ich habe einen sehr emotionalen Bezug zur Musik, meine emotionale Beziehung zur Musik ist vielleicht etwas stärker als bei anderen Menschen. Wenn ich das nicht mache, merke ich wie es mich runterzieht. Ich brauche das irgendwie, fast drogenmäßig. Es war auch schon immer da, seit ich ganz klein war. Mein Vater hat schon immer viel Musik gehört, ich glaube das hat mich genetisch verändert.

Deine Musik ist so.. Mine eben! Gibt’s nur einmal! Hast du musikalische Vorbilder, an denen du dich orientierst?
Ich habe total viele musikalische Vorbilder. Es ist lustig, dass du das fragst, weil ich habe gleich noch ein Interview und da geht es um mein Idol. Und das finde ich ganz schwierig, ich habe nicht ein Idol. Es gibt super viele Leute, die mich ganz stark beeinflusst haben und die ich sehr toll finde. Das sind Leute, die teilweise riesen Erfolg haben und teilweise Leute, die gar keinen Erfolg haben. Vielleicht ist deshalb meine Musik auch so unterschiedlich, weil ich super viele Genres höre und toll finde und allem was abgewinnen kann.

Das ist wieder das emotionale Berühren, das du angesprochen hast. Das ist doch auch absurd manchmal. Wenn ein Künstler um die Ecke kommt und du denkst, wow, okay alles daran tickt eigentlich meine Boxen. Aber du hörst es und es will einfach nicht ankommen. Kannste nicht erzwingen..
Ja genau, das ist auch echt das hauptsächlich Wichtige. Dass es irgendwas mit mir macht. Und es ist echt egal was, es kann mich auch sauer machen oder so. Manchmal höre ich auch Musik und denke mir alles daran ist geil, ich mag dieses Geschöpf total und was die Musik macht ist alles voll gut, aber ich fühle es einfach nicht. Oder manchmal ist die Musik eigentlich total kacke oder es ist objektiv gesehen gar nicht das, was ich gut finde. Auch diese emotionale Beziehung zur Musik.. auch mit Musik ist man ein Leben lang gegangen und manche Dinge triggern einen auch. Manche Dinge sind soweit im hinteren Gedächtnis versteckt, das checkt man dann auch gar nicht. Aber ist doch voll schön, dann wird man selber noch von sich selbst überrascht.

Zur dieswöchigen Veröffentlichung des neuen Mine-Albums verlosen wir eine CD und eine Vinyl von Klebstoff – ihr wollt das Album gewinnen? Dann schickt uns bis zum 17. April eine Mail mit dem Betreff „Mine + Vinyl oder CD“ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr bald schon Post von uns in eurem Briefkasten!

Mine Tour:
03.05. Alte Feuerwache, Mannheim
04.05. Schlachthof, Wiesbaden
05.05. Musikzentrum, Hannover
07.05. Kulturladen, Konstanz
08.05. Clubcann, Stuttgart
09.05. Conne Island, Leipzig
10.05. Huxley’s, Berlin
11.05. Mojo, Hamburg
16.05. Hirsch, Nürnberg
17.05. Ampere, München


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