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Veröffentlicht am 12.04.2019 | von Lea Kleisinger

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MINE – Klebstoff

Über der Welt liegt ein Filter
Jeder Blick ist ein Bild wert.
Doch du kannst ihn nicht fangen
Du kannst du ihn nur mit den Sinnen empfangen.
Ich hab mit verstehen angefangen
Wie die Sicht auf Dinge wirklich Dinge ändern kann.
Alles verbindet sich
Ich bin mehr Du und Du bist mehr Ich.
Mein Mund kann sehen, mein Auge fühlen
Mit meiner Hand kann ich Töne berühren.

(90 Grad – Mine) 

Mine macht auch auf ihrem neuen Album Klebstoff noch deutschen Pop aber auch hier wieder wirklich guten deutschen Pop. Sie ist ein großer Fan der deutschen Sprache und das merkt man. Die Lyrics sind tiefgründig, witzig und intelligent. Die musikalische Untermalung ist so vielschichtig, dass die Bezeichnung Pop manchen Songs gar nicht gerecht wird. Vielmehr schafft Mine es, deutschsprachigen Pop mit Elementen von Folk, Hip-Hop, Jazz und Elektronischer Musik harmonisch zu vereinen und dadurch einen ganz eigenen Sound zu erzeugen. 

Auf der Popakademie in Mannheim lernt Mine ihr späteres Management kennen. Abgesehen davon, versucht sie ganz bewusst ihre Songs weitgehend selbst zu produzieren. Etwas sagen, lässt sie sich nämlich nicht gerne. Zum Glück. Das Album startet mit 90 Grad, einem sattelfesten Popsong, der gleichzeitig präzise und verspielt ist. Darauf folgt Spiegelbild feat. AB Syndrom. Der wirklich gelungene, unbeschwert klingende Track wickelt den Zuhörer mit den Flötenklängen, Streichern und verzerrten Vocals des Berliner Kollektivs rasch um den Finger. Das nächste Highlight des Albums Einfach so featured Giulia Becker (Neo Magazin Royale) und es macht einfach Spaß den beiden zuzuhören. Die Melodie variiert zwischen minimalistischen, elektronischen Untermalungen und einem sehr poppigen Refrain. Der Part von Giulia Becker beweist mal wieder ihr großartiges Talent: Spiele Sims, lass dich im Pool ertrinken. Mein Oberarmspeck will dir zum Abschied winken. Ich sing von meiner Scheide, fahre Tandem ganz alleine. Bin einfach so eine nette Person, lasse dein Vater umsonst bei mir wohn. 

Etwas schwerer und trauriger wird dann das Lied Du kommst nicht vorbei. Dudelsack trifft auf elektronische, treibende Klänge und Bläser. Mine singt von emotionaler Ausbeutung und davon, manchen Menschen Grenzen setzen zu müssen: Spiel kein Spiel mit ihr, von ihr ist nichts übrig hier. Auch Guter Gegner hat einen aggressiveren Unterton. Sie bäumt sich lyrisch und musikalisch auf und die signifikanten Streicher erinnern an Hits von Peter Fox.

Klebstoff lässt einen viel entdecken, wenn man genau genug hinhört. Mines Lieder klingen anders. Sie sind persönlich und mutig. Manchmal leise, manchmal sehr laut aber immer bis ins kleinste Detail durchdrungen. Am schönsten erklärt Mine jedoch selbst, anhand des Albumtitels, wovon ihre Lieder handeln: Klebstoff klingt hart, aber gleichzeitig trotzdem weich und passt genau zu seiner Bedeutung. Ich finde das Bild interessant, dass jeder von uns mit Klebstoff umhüllt durch das Leben geht und alle Dinge, mit denen man in Kontakt kommt, positiv oder negativ, an einem kleben bleiben. Auch, wenn man das gar nicht will. Auch, wenn man schon längst woanders ist. 

Mine – Klebstoff
VÖ: 12. April 2019, Caroline (Universal Music)
https://minemusik.de
https://www.facebook.com/MineMusik/

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