Kritik

Veröffentlicht am 24.05.2019 | von Sara Lingstädt

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ALL MY LOVING – Filmkritik

All My Loving Poster
„Die lassen mich nicht mehr fliegen. Ich will aber fliegen.“

(Stefan – All My Loving)

Edward Bergers neuer Film All My Loving ist ein Episodenfilm, indem es um „Eine Geschichte von drei Geschwistern“ geht und erzählt von bürgerlichen Problemen in einer Welt, in der bürgerliche Gewissheiten fehlen.

Die erste Episode handelt von dem Piloten Stefan (Lars Eidinger), der allerdings krankgeschrieben ist und nicht mehr als Pilot arbeiten kann, weil er sein Gehör verloren hat. Also versucht er sich abzulenken und zwar einigermaßen klischeehaft mit Geliebten, Partys und Autos. Man merkt, dass er ziemlich überfordert ist, wenn es darum geht Verantwortung zu übernehmen. Angefangen beim Aufpassen auf den Hund seiner Schwester oder auch die Erziehung seiner widerspenstigen Teenager-Tocher Vicky (Matilda Berger).

Stefans Schwester Julia (Nele Mueller-Stöfen) wird in der zweiten Episode porträtiert. Sie fährt mit ihrem Mann Mann Christian (Godehard Giese) in den Urlaub nach Turin. Dort finden sie einen verletzten Straßenhund, woraufhin sich Julia nur noch um die Genesung des Vierbeiners kümmert. Später erfährt man, dass es mit dem Helfersyndrom von ihr eine besondere Bewandtnis hat und bei einem Abendessen mit Freunden eskaliert die Situation.

Tobias (Hans Löw), der erträglichste der drei, schmeißt den Haushalt und versorgt die drei Kinder. Seine Frau sorgt für den Unterhalt der Familie sorgt, während er seinen Studienabschluss vor sich herschiebt.  Als sein Vater erkrankt, beschließt er seine Eltern zu besuchen und wird jedoch eher gleichgültig begrüßt. Seine Mutter (Christine Schorn) ist von ihrem Projekt zum Umbau des Badezimmers komplett ausgelastet. Sein Vater (Manfred Zapatka) macht kein Hehl daraus, dass er in seinem Sohn einen Verlierer sieht, da er die eigene Familie nicht ernähren kann – im Gegensatz zu seiner Frau. Tobias versucht sich abzulenken, indem er sich mit Studenten in einem Trinkspiel in einer örtlichen Bar verbrüdert, aber er ist zu alt, um einer von ihnen zu sein, und er weiß es.

Drei Episoden und eine kleine Rahmenhandlung ergeben einen gut ausbalancierten Gegenwartsfilm. Doch die kleinen Wendungen in einzelnen Episoden, allen voran die der Schwester mit Helfersyndrom, kommen insgesamt stärker zur Wirkung als der große Bogen. Alle Geschwister flüchten vor Problemen wie Arbeitslosigkeit, Verlust und mangelnder Anerkennung. Alle sind in einer Phase in ihrem Leben, in der sie einerseits viel erreicht haben beruflich oder privat, aber andererseits unzufrieden wirken. Doch teilweise berühren die Geschichten nicht, da die Zusammenhänge fehlen und man oft denkt, dass dies sehr klischeehafte deutsche Mitteklasse-Probleme sind. Das starke Spiel der Darsteller ist bemerkens- und durchaus sehenswert, aber die nahezu beiläufige Erzählweise bietet ein schwaches Identifikationspotential. Da ist es dann egal, ob Stefan nun wieder fliegen kann oder nicht.

All My Loving (Deutschland, 2019)
Regie: Edward Berger
Darsteller: Lars Eidinger, Matilda Berger, Nele Mueller-Stöfen, Godehard Giese, Hans Löw, Christine Schorn, Manfred Zapatka
VÖ: 23. Mai 2019, Port au Prince Films

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