Interviews

Veröffentlicht am 13.06.2019 | von Lisa Wilde

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OKTA LOGUE – Interview

Foto: © Tim Peukert

Die Texte, die über Okta Logue geschrieben werden, triefen nur so vor Vergleichen. Um Musik und vor allem neue Musik zu beschreiben, ist dieses ständige Schubladendenken aber nun wirklich nicht zielführend. Kreativ und wertschätzen schon mal gar nicht. Und gerade bei der neuen Platte »Runway Marking« sollte auch hoffentlich der letzte Musikjournalist anerkennen: So klingen nur Okta Logue. Auf ihrer mittlerweile vierten Platte findet man diesen Sound in seiner bisher reinsten Form. Wir haben Benno und Max vor ihrer Show im Berliner Bi Nuu zum Interview getroffen.

Glückwunsch zur neuen Platte! Jetzt wo ihr schon ein paar Konzerte gespielt habt, wie macht sich »Runway Markings« live?

Max: Bisher ziemlich gut. Die Platte kam ja gerade erst raus, wir hatten also die Befürchtung, dass die Leute die Songs noch nicht so kennen. Es ist aber bisher in jeder Stadt auf sehr positive Resonanz gestoßen. Wir hatten noch mal viel Arbeit, das Ganze live zu arrangieren. Das hat aber auch ziemlich gut funktioniert.

Benno: Wir haben ‘ne geile Besetzung für die Konzerte. Andy Schiller als zweiter Gitarrist ist für die nächsten Konzerte fest dabei. Und man muss sagen, dass sich die Songs, die auf dem Album so ein bisschen balladesk daher kommen, live echt gut entwickelt haben.

Ich frage vor allem deswegen, weil der Recording-Prozess eurer neuen Platte ein Besonderer war. Musstet ihr euch trotz dieser intensiven Phase noch groß auf die Tour vorbereiten?

Benno: Im Vergleich zu den bisherigen Platten haben wir bei der neuen Platte versucht, die Songs sehr geschlossen einzuspielen, um damit dieses Live-Feeling zu erzeugen. Das hat auf jeden Fall die Proben erleichtert. Ich erinner’ mich noch bei der Diamonds and Despair haben wir erstmal angefangen, die Stücke aus unserem Backkatalog zu proben. Wir hatten da gerade den Besetzungswechsel am Keyboard. Das hat sich angefühlt, als würden wir Stücke von uns selbst covern. Diesmal waren die Stücke sehr homogen, wir konnten sie direkt im Studio einspielen. Dadurch war alles eher parat.

Wenn man euch genauer verfolgt, hat man schon mitbekommen, dass es eine besondere Erfahrung für euch war, in den Clouds Hill Studio in Hamburg aufzunehmen. Könnt ihr uns von dieser Erfahrung erzählen? Wie sahen eure Tage dort aus?

Max: Die Zusammenarbeit mit Johann, dem Inhaber des Studios und des Labels, hat super funktioniert. Wir haben uns einfach sehr gut verstanden und nach dem ersten Testsong war relativ schnell klar, dass wir zusammenarbeiten wollen. Im Laufe des Aufnahmeprozesses war es eigentlich super entspannt und produktiv. Cool war auch, dass wir in der Künstlerwohnung unter dem Studio wohnen konnten. Wir hatten also immer Zugang zu dem Studio, auch wenn wir abends noch mal an Songs arbeiten wollten.

Benno: Ja, das war sehr entspannt.

Ich habe euch schon einmal zu eurer letzten Platte  interviewt. Damals war der Ausstieg eures Keyboarders Nic ein Thema – Max ist jetzt also seit fast vier Jahren der vierte Teil von Okta Logue, Nic kümmert sich dagegen um die Videos. Von außen betrachtet eine sehr schöne Entwicklung  – wie nehmt ihr das selbst wahr?

Benno: Seit dem Nic ausgestiegen ist, ist unser Verhältnis eigentlich nur noch besser geworden. Nic ist total gut befreundet mit Fabi Bremer, der für uns die ganzen Artworks und Visuals macht. Nic macht also die Videos und Fabi den Rest – so bringen die beiden einen guten Flow rein. Das ist natürlich cool, wenn man weiß, dass man dem Regisseur komplett vertrauen kann.

Benno, du hast vor, in den nächsten Monaten nach L.A. zu ziehen. Welche Chancen sind damit für Okta Logue verbunden?

Benno: Genau, das wird diesen Herbst passieren. Wir schmieden gerade schon Pläne für unsere nächste Amerika-Tour. Wir versuchen in Zukunft die Band eben auch ein bisschen mehr in die USA weiterzudenken.

…und das Projekt Fernbeziehung Band macht ihr möglich?

Benno: Muss! Das Coole ist halt, dass die Flüge mittlerweile nicht mehr so viel kosten. Wir haben durch unsere jetzigen Kontakte in L.A. schon ein Umfeld an Musikern und Produzenten, Labels, die wir kennen.

Ihr seht in den USA also erstmal mehr Potenzial für Okta Logue?

Benno: In Deutschland wird Classic-Rock und generell Gitarrenmusik immer ein bisschen beäugt. Es ist sehr nischig. Okta Logue klingt dem deutschen Musikexpress zu sehr nach den Eagles, für die Eclipse sind wir nicht progressive genug. Das ist dieses deutsche Beamtentum, dieses Abchecken von Genres. Das hast du in Amerika überhaupt nicht. Das ist eine riesige Chance für uns, mal aus diesem deutschen Mief rauszukommen.

Der deutsche Musikjournalismus ist also geprägt von Vergleichen, die aufgestellt werden? Ihr seid ja eine Band, bei der das besonders häufig gemacht wird…

Benno: Ich hab aufgehört die Reviews zu lesen, gar nicht weil die schlecht waren, einfach weil es mich langweilt. Es ist so uninspiriert. Wir machen jetzt einmal ein Album, das nach allem möglichen klingt, aber nicht nach Pink Floyd. Trotzdem sind wir die Band, die nach Pink Floyd klingt. Das wird auch gerne in Kombination mit »die vier jungen Hessen« gebracht – ich bin mittlerweile 30 – wie lange sind wir denn noch die vier jungen Hessen?! Es ist einfach so langweilig: Man nehmen einfach zwei Sätze aus dem Pressetext, Relativ- und Hauptsatz ändern, dann sag irgendwas mit die »vier jungen Hessen« und dann noch den Vergleich mit Pink Floyd und The Doors – Okta Logue Rezension fertig. (Lachen)

Trotz der internationalen Ausrichtung, spürt man doch immer wieder die starke Verwurzelung im Rhein-Main Gebiet. Warum spielt gerade Frankfurt eine ganz wichtige Rolle in euren neuen Songs?

Benno: Wir haben uns oft davor gescheut in unseren Texten konkrete Sachen zu besingen, weil wir dachten das sei irgendwie uncool. Irgendwann haben wir uns aber gedacht, dass wir mit Frankfurt und auch mit der hessischen Suburbia so umgehen können, als wäre es South Carolina. Wir haben gemerkt, dass das Potenzial hat. The Wheel zum Beispiel behandelt nur das Leben in der Frankfurter Vorstadt. Mit Devil’s Dance war es genauso. Alle denken, dass Frankfurt so das uncoolste ist, wenn es um Bands geht. Alle denke an die Onkelz oder Hafti. Wir dachten wir präsentieren uns dann halt mal als die vier hessischen Psychrocker in der Mainmetropole. Die Ironie und das Spiel mit den Klischees ist ganz gut rüber gekommen, glaub ich.

Ich bin in Vorbereitung auf das Interview auf den Satz »wir wertschätzen jetzt endlich das, was Okta Logue ausmacht« gestoßen. Welche typischen Merkmale habt ihr da selbst im Kopf?

Benno: Dieses mal haben wir einfach genau das gemacht, was wir live lieben. Live zeichnen wir uns zum Beispiel ganz klar durch sehr lange Gitarren-Parts aus. Seitdem wir Platten gemacht haben, gab es dieses Ziel unbedingt kompakter und zugänglicher zu sein. Das hat den Effekt gehabt, dass Stücke häufig kürzer wurden, als ursprünglich gedacht. Mit Runway Markings haben wir uns selbst nicht so gestresst und das hat einfach total Spaß gemacht. Die neue Platte ist jetzt wirklich ein Album, das im Kontext, im Flow Sinn macht. Ein Album, das man gut am Stück hören kann, mit dem wir eine Soundwelt kreiert haben und in dem die Songs miteinander korrespondieren.

Und zuletzt würde mich interessieren, auf was jeder von euch in Bezug auf die neue Platte und generell die Band stolz ist?

Benno: Stolz bin ich, dass wir zu Viert mit Max eine erste Platte geschrieben haben.

Max: Mir fehlt natürlich etwas der Vergleich zu den anderen Platten. Ich bin auf das Gesamtwerk wirklich sehr, sehr stolz. Auf allen Ebenen. Ich finde, es ist super geworden. Die Aufnahmen in dem Studio, die Variation der Songs aber auch die Dramaturgie der gesamten Platte. Ich kann es mir selbst anhören und es macht noch Spaß. (lachen) Klingt blöd, aber es ist ja häufig so, dass man es nicht mehr hören kann.

Benno: Ich bin auch wirklich froh, dass wir einen Sound gefunden haben. Natürlich gibt es Referenzen, jede Band hat Referenzen. Ohne würde das auch nicht funktionieren. Aber wir haben es geschafft, eine Platte zu machen, bei der wir sagen können, es gibt keine andere deutsche Band, die so klingt. Ich wüsste auch keine internationale Band, die so einen Sound schafft vom Songwriting her. Das ist uns sehr wichtig.

Danke euch!

Okta Logue – Runway Markings
VÖ: 31. Mai 2019, Clouds Hill
www.oktalogue.com
www.instagram.com/oktalogue

 

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