Kritik

Veröffentlicht am 12.06.2019 | von Julius Tamm

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THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT – Filmkritik

Ich hab während dem Krieg jemand erschossen. Das hab ich nie gewollt. 

(Calvin – The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot)

ACHTUNG! – schaut nicht den Trailer zu diesem Film! Warum? Das erkläre ich euch am Ende des Texts.

Wenn wir ein Geheimnis in uns tragen, das wir niemandem erzählen dürfen, das aber so groß ist und unbedingt raus will oder sogar muss, frisst es uns nach und nach auf. Vor allem wenn es ein Geheimnis ist, das unser Gewissen belastet und uns jeden Tag an uns selbst zweifeln lässt. Für uns Zuschauer*innen ist das Geheimnis in The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot von Regisseur Robert D. Krzykowski offengelegt – und zwar schon im Titel. Doch in diesem Film geht es nicht darum, was wir bereits wissen oder was nicht, sondern wie ein Mensch mit so einer Bürde gelebt hat, lebt und weiterleben wird. Zum Heimkinostart haben wir uns den Film nochmal angesehen. 

Eine dunkle Bar, die Jukebox spielt melancholischen Rock und in einer gefütterten Lederjacke sitzt Calvin Barr (Sam Elliott) an der Theke – es wirkt wie eine düstere Version des Intros von The Big Lebowski. Dann ein Flashback – Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Es gibt zwar keine Zeitangaben, aber Nazis und detonierende Bomben sind ein eindeutiges Zeichen. Ein junger Mann in SS-Uniform wird durchsucht bevor er ein Gebäude weiter betreten darf. Alleine in einem Flur baut er MacGyver mäßig aus unscheinbaren Gegenständen eine Waffe zusammen, doch bevor wir sehen, was er damit vorhat kommt der Cut zurück in die Bar. 

Ab jetzt erleben wir den Alltag von Calvin in all seinen kleinstädtischen Fassetten – immer wieder von Rückblenden in seine Vergangenheit unterbrochen. Alles wirkt ruhig, träge fast schon traurig bis eines Tages die US-amerikanische und kanadische Regierung an Calvins Tür klopfen. Er soll, ausgewählt aufgrund seiner Taten im Zweiten Weltkrieg, den Bigfoot in den kanadischen Wäldern jagen und damit eine Seuche eindämmen. Vor einen inneren Konflikt gestellt, ob er noch einmal für eine Regierung töten soll, muss sich Calvin schnell entscheiden. 

Dass sich dieser Film nicht großartig um die Jagd auf Bigfoot dreht, ist schon durch den Titel des Films klar. Dort wird ja verraten, wie es ausgeht. Was The Man who killed Hitler and then the Bigfoot ausmacht, ist das Unerwartete. Wir rechnen mit einem taffen, amerikanischen Helden, der keine Angst kennt und mutig auf Monsterjagd geht. Stattdessen sehen wir einen alten, einsamen Mann, der sich mit seinen Gefühlen quält und nicht so richtig weiß, wie er in seinem Leben weitermachen soll. Die Vergangenheit hält ihn immer noch gefangen und er schafft es nicht, sich von ihr zu lösen. Das Spiel mit der Erwartungshaltung an den Charakter gibt diesem Film so viel Charme – deshalb schaut nicht den Trailer, er zeigt einen total falschen Eindruck. Wir brauchen keine Stallones, Schwarzenegger, Stathams oder Johnsons, die das Bild vermitteln, starke Kerle hätten nicht emotional zu sein. Was wir brauchen, sind mehr Figuren wie Calvin Barr. 

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot (USA, 2019)
Regie: Robert D. Krzykowski
Darsteller: Sam Elliott, Aidan Turner, Ron Livingston, Sean Bridgers, Larry Miller
Heimkino-VÖ: 14. Juni 2019, Capelight Pictures

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und im Moment für die Frankfurter Rundschau.



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