Musiknews

Veröffentlicht am 17.07.2019 | von Sophia Kahlenberg

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SACRED GROUND FESTIVAL – Gemeinschaft statt Kommerz

Die wunderschöne Natur der Uckermark, Gemeinschaft statt Kommerz, Yoga zum Aufstehen, kuratiert von Ry X und Frank Wiedemann und mit vielversprechender Musik im Line-Up. Drei dieser Punkte hätten gereicht, um uns quasi schon vor Ort zu haben. Dann auch noch diese verlockend hohe Quote an Musikern des australischen Kontinents…Vor uns liegt ein ziemlich gutes Wochenende, so viel ist sicher und die Bedroomdisco Herzen schlagen bei der Abfahrt in Berlin schon höher vor Vorfreude. Die ersten Freundschaften werden auf dem Weg im Zug geschlossen, die Liebe zur Musik bringt die Leute schon hier zum Strahlen. Die Musik ist überhaupt wohl das, was übers Wochenende alle vereint. Hier und da hüpfen Kids über das Gelände. Vom schwarz gekleideten, 18jährigen Berghain Stammgast, bis zum Jazzmusiker in Rente ist alles vertreten, was das Festival direkt nochmal eine Ecke sympathischer macht. Auch die Dorfbewohner mischen sich unter ihre Gäste und selbst die Ältesten kommen vorbei. Nebeneinander sitzen sie in der ersten Reihe ihrer kleinen Kirche, als Joram Feitsma mit seinem Klavier in eine meditative Welt entführt, während von draußen dumpfer Bass durch die alten Gemäuer dringt.

Das Dorf darf hier sowieso nicht unerwähnt bleiben. In 20 Minuten bringt uns ein Bus von Prenzlau ins beschauliche Trampe in Brüssow. Es gibt so wenig Einwohner, dass die Häuser einfach nur durchnummeriert sind. In den Gärten stehen Festivalduschen aus bunten Stoffen zwischen blühenden Pflanzen bereit, eine Garage wird zur Suppenküche, an den Ecken gibt es frisch gepflücktes Obst und selbst gepresste Säfte. Und mittendrin zwei Gärten, die die Yoga- und Mindfulness-affinen Festivalbesucher glückselig stimmen: Kakao Zeremonien, Ecstatic Dance und Klangmeditation stehen auf dem Programm. Digital Detox gibt es gratis dazu, 3G und co. sind hier nämlich noch nicht angekommen.

Tagsüber so entspannt, wie es enspannter kaum geht, wandelt sich das Gelände nachts in einen typischen Berliner Technofloor. Der einzige Unterschied scheint der Nachthimmel über den Köpfen und das Gras unter den Füßen. Wem das gefällt, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Anderenfalls bleibt ein kurzer Spaziergang, entlang der märchenhaften Gärten und Weizenfelder, zurück zum Campground. Auf dem Weg hier und da ein Schnack mit den Nachbarn, die man auch am frühen Morgen wieder treffen wird, lange bevor auch die eingeschworensten Ravekids wieder aus ihren Zelten gekrochen kommen.

Das Festival möchte alle zusammenbringen und meint das auch wirklich so. Es gibt keinen Backstage Bereich und auch keinen Timetable. So bleibt Platz für Improvisation und auch unbekanntere Acts bekommen die Chance gehört zu werden. Man trifft hier schonmal die Teskey Brothers beim Burgerstand (vegan wohl gemerkt und so unfassbar lecker, dass auch der überzeugteste Fleischesser Hallelujah singt), quatscht eine Runde mit Tora beim Frühstücken oder trinkt ein lecker Teechen mit Ry X. Während nachts der Kurs auf Techno steht, bringen die Bands und Künstler tagsüber einiges an Vielfalt mit. Es geht von Soul & Blues, über Rock’n’Roll hin zu Ambient Electro und ruhigen, melancholischen Klängen. Dass zusätzlich auch die Sonne beschließt, ganz anders als erwartet drei Tage schönstes, gelbes Licht über das Gelände zu strahlen führt auch beim letzten Großstadtmensch zu Tiefenentspannung und Tanzlust. Wir wollen mehr! Sacred Ground, wir sehen uns nächstes Jahr!

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Über den Autor

Sophia, 29. Fotografin. Dann kam das Schreiben. Verspürt starkes Herzklopfen beim Wort ‚Australien‘. Aber Berlin ist auch ok.



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