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Veröffentlicht am 8.08.2019 | von Christian Weining

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SLAUGHTER BEACH, DOG – Safe And Also No Fear


Foto-© Jess Flynn

Somewhere in the static
A disembodied voice
The circumstances changed
She will not have a choice
The line dies, crackles soft
Then sputters back to life
„They found him at the black oak
They dug him up last night“

(Slaughter Beach, Dog – Black Oak)

Heimgesucht von psychischen und persönlichen Problemen, verkündete die seinerzeit erfolgreiche Emo-Pop-Punk Band Modern Baseball aus Philadelphia 2017 kurzentschlossen einen Cut zu machen. Kurze Zeit darauf begann Jake Ewald, vormals Sänger und Gitarrist der vierköpfigen College-Punk Gang, sein eigenes Ding zu starten und zog nach Slaughter Beach, Delaware um dem kräftezehrenden Rock-Star Leben erst einmal den Rücken zu kehren. Unter dem Namen Slaughter Beach, Dog bringt er nun in diesen Tagen nun sein zweites Soloalbum heraus und tauft es hoffnungsvoll Safe And Also No Fear. Nachdem schon die erste Soloplatte eine gute Wellenbreite Abstand vom College-Punk Sound von MOBO nahm, ist Ewalds zweites Werk kaum noch mit seinen alten Zeiten in Verbindung zu bringen.

Im Folk-Rock Gewand mit minimaler Pop-Punk Attitüde, doch nach wie vor eher schwermütig, plätschert das Album vor sich hin wie die Wellen in Slaughter Beach. Gut auszuhalten, aber auch sicher nicht weltbewegend. Erstaunlich ist, dass Ewald sein Projekt mittlerweile zu einer vollen Band vergrößert hat, inklusive des alten MOBO Bassisten Ian Farmer. Erstaunlich deshalb, weil der Sound im Vergleich zum Vorgänger Birdie noch dünner und minimalistischer ist. Größtenteils sind es Akustik-Gitarre, Bass und Schlagzeug, die die bröckelnde Grundlage schaffen, immer wieder von E-Gitarre oder ab und zu mal einem Keyboard aufgefüllt.

Nun gibt es genug Musiker und Bands da draußen, die mit wenig noch Großes vollbringen, eine Atmosphäre erschaffen, sich gemütlich oder melancholisch fühlen lassen. Leider gelingt das auf Safe And Also No Fear nur sehr bedingt. Viele Melodien sind sehr vorhersehbar und wiederholen sich, das Tempo bleibt irgendwo zwischen müde und gelangweilt und die Gesangsleistung von Ewald ist nach wie vor mehr Punk als Pop.

Wofür man sich begeistern kann, sicherlich auch in der Tradition von Modern Baseball, sind die sehr einfachen aber doch lyrischen Texte: “You hate when sun shines, you’re tied with red twine, Your car smells like cigarettes all of the time, I don’t go to work, I’m covered in dirt, You said it’s a good thing we had to get hurt“. Irgendwo kommt da was rüber und man kauft Ewald ab, dass er hier Erlebnisse und Gefühle verarbeitet und das auf fast ein bisschen naiv-jugendliche, aber daher auch sehr authentische und unvermittelte Art und Weise. Das hat den Vorteil, dass man hier ein bisschen an den liebenswerten Kumpel denkt, der nüchtern, aber aufrichtig seine Geschichten teilt. Und wenn man dann mal keine Lust auf aufwändige und anstrengende Arrangements und Hymnen hat, kann man sich vielleicht richtig wohl fühlen mit der Musik aus Slaughter Beach.

Alles in allem jedoch dürfte das Album wohl schnell wieder in der Plattenkiste verschwinden und Slaughter Beach, Dog noch nicht ganz dort angekommen sein, wo sie vielleicht hinwollen. Vielleicht aber auch schon und Ewald nutzt seine Zeit als Solo-Songwriter als Therapie für sich, Freunde und Familie und kann damit aus dem Vollen schöpfen. Das wünscht man ihm und wer dann doch mal wieder über Songs wie Black Oak oder Map of the Stars stolpert, kann man sich bestimmt daran erfreuen.

Slaughter Beach, Dog – Safe And Also No Fear
VÖ: 2. August 2019, Big Scary Monsters
www.safeandalsonofear.com
www.facebook.com/SlaughterBeachDawg


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