Kritik

Veröffentlicht am 18.09.2019 | von Julius Tamm

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TRAUTMANN – Filmkritik

Wir sehen Krieg gerne zweidimensional – gut gegen böse, Tod und Leben. Doch das ist zu einfach gedacht und wir, die zum Glück nie einen Krieg erleben mussten, können uns das Ausmaß und die Folgen nicht vorstellen. Erst wenn dieses Schwarz/Weiß-Denken nicht mehr stattfindet, können wir Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg wirklich verstehen. Trautmann von Marcus H. Rosenmüller bricht dieses Denkmuster auf und schafft es, eine passable Figur zu machen. Wir haben uns den Film zum Heimkino-Release noch einmal angesehen.

Im Herbst 1944, der Krieg neigt sich seinem Ende, wird der deutsche Soldat Bert Trautmann (David Kross) von einer britischen Einheit in Kriegsgefangenschaft genommen. Er kommt in ein Gefangenenlager nahe Manchester und muss Zwangsarbeit leisten – seine einzige Ablenkung ist Fußball. Schnell spricht sich herum, was Trautmann für ein außerordentliches Talent als Torwart hat. Auch der Kleinwarenhändler Jack Friar (John Henshaw) wird auf ihn aufmerksam und sieht in ihm die Chance für sein Fußballteam. Friar handelt kurzerhand einen Deal mit der Lagerleitung aus und überzeugt sie, Trautmann für ihn spielen zu lassen. Mit dem neuen Torwart gewinnt die kleine Mannschaft ein Spiel nach dem anderen und Trautmann wird der neue Star des Teams. Als der junge Deutsche kurze Zeit später im Laden von Friar arbeiten darf, entwickelt sich schnell eine romantische Beziehung mit dessen Tochter Margaret (Freya Mavor). Obwohl für Trautmann alles gut zu laufen scheint, sieht er sich immer wieder mit seiner Vergangenheit als deutscher Soldat und seiner Herkunft konfrontiert. Der Fußball ist sein einziger Weg, Brücken zu schlagen und den Krieg hinter sich zu lassen.

Rosenmüller wagt mit seinem Film eine sehr schmale Gratwanderung, indem er versucht die Sicht eines deutschen Soldaten differenziert darzustellen. Nicht alle deutschen Soldaten waren Nazis, nicht alle haben Kriegsverbrechen begangen – doch das blenden viele Videospiele und Filme aus. Trautmann schafft es, diese Thematik respektvoll und mit großer Achtsamkeit umzusetzen. Fußball ist hier nur ein Mittel zum Zwecke – der eigentliche Kern der Geschichte ist die Versöhnung verfeindeter Geister und die Aufarbeitung eines der schrecklichsten Ereignisse in der Menschheitsgeschichte. Möglich wird das durch einen wirklich ausgezeichneten Cast, der mit viel Charme, Humor und Gefühl den Charakteren und der Erzählung Leben einhaucht. An manchen Stellen könnte der romantische Kitsch etwas reduziert werden, doch das ist nur ein kleiner Makel eines sonst wunderschönen Films.

Trautmann (D 2018)
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: David Kross, Freya Mavor, Gary Lewis, John Henshaw, Dervia Kirwan, Harry Melling, Mikey Collins, Dave Johns
Heimkino-VÖ: 20. September 2019, Capelight Pictures

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und produziert Podcasts.



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