Interviews

Veröffentlicht am 30.10.2019 | von Silvia Silko

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EDITORS – waren noch nie cool

Foto-© Julia Szymik

Im Leben einer Band scheint irgendwann der Moment gekommen: Das Best-Of-Album wird rausgehauen. Am 25. Oktober erschien Black Gold von den Editors. Ist es ein Sattelpunkt? Ist es Kapitelanfang und -ende? Oder ist es einfach ein billiger Trick, mit ollen Kamellen noch mal neu Geld zu machen? Im Gespräch mit der Band haben wir mal genauer nachgefragt.

Ganz schön hässlich hier: Tom Smith und Elliott Williams sitzen im Foyer einer eher wenig glamourösen Unterkunft. Ist aber nicht so, als habe es nicht für mehr gereicht. Berlin ist einfach ausgebucht – mehrere Messen und Meisterschaften im Poetry Slam haben Zimmerkontingente in der Hauptstadt ordentlich geschrumpft. Passend zum Interior sehen die beiden Editors-Gründer ziemlich müde aus. Sie sind vor wenigen Stunden erst gelandet und müssen nun ein paar Promotermine runterreißen. “Wir sind halt auch nicht mehr die Jüngsten, da hält man nicht mehr so lange durch,” erklärt Smith seinen Gähner und lacht. Gut gelaunt sind die beiden Briten dennoch.

Seit 15 Jahren sind sie als Editors im Geschäft und haben sich seit ihrem Debüt The Back Room (2005) kontinuierlich als Rock-Instanz etabliert. Den ersten großen Sattelpunkt dürfte das dritte Studioalbum markiert haben: Als In This Light and on This Evening (2009) erschien, waren Fans und Presse eher verhalten unterwegs. Zu viel Elektronik, ein bisschen zu viel New Wave, ein bisschen zu wenig erdiger Indie-Rock. Noch vor dem nächsten Album trennte man sich außerdem vom dritten Gründungsmitglied. Der offizielle Grund: Künstlerische Differenzen. Rückblickend war das eine ziemliche Durststrecke für die Musiker: “Wir wussten tatsächlich nicht, in welche Richtung sich das alles entwickeln würde. Wir haben uns verändert – unsere Fanbase war teilweise echt nicht zufrieden mit unserer dritten Platte. Dann kam auch noch der Moment, in dem wir Chris [Chris Urbanowicz, ehemaliger Gitarrist; Anm. d. Red.] bitten mussten, die Band zu verlassen. Es war ein dunkles Kapitel. Wir haben in der Tat kurz gedacht, es könnte eventuell nicht weitergehen.” sagt Smith nachdenklich. Rückblickend machen alle Tal- und Gipfelfahrten natürlich Sinn, versichert sein Bandkollege Leetch. Nur: Sowas weiß man in dem Moment, in dem es passiert natürlich nicht.

Risiken eingehen ist aber laut Editors Teil dessen, eine Band zu sein und Musik zu produzieren – zumindest sollte man sich nie ausruhen, nie mit dem zufrieden geben, was die Gegenwart so bereithält, sondern immer nach Neuem, nach Entwicklung und nach Herausforderungen suchen. “So lange wie möglich jung bleiben” nennen sie das. Klingt nach dem heimlichen Logo jeder Schönheitsklinik. Bisher lagen die Editors damit aber ganz gut: Das zitierte dritte Album konnte mit der Auskopplung Papillon den ersten großen Charthit außerhalb Großbritanniens erzielen.

Erinnerungen und Meilensteine wie diese im Rückspiegel der Gegenwart betrachten – ist das der Grund, warum man als Band ein Best Of Album rausbringt? “Ja, absolut. Wir hatten Lust, mal ein Kapitel abzuschließen und zurück zu schauen,” bestätigt Leech. Sein Bandkollege fügt hinzu, dass man das aber keinesfalls allzu lang machen möchte: “Man hat dann doch schnell Lust, wieder was Neues zu machen.”

Vielleicht auch deshalb haben es sich die Editors nicht nehmen lassen, auch auf das Best-Of-Album drei neue Songs zu packen. Außerdem wurden einige alte Stücke neu aufgenommen, in etwas intimerem Setting. “Uns ist bewusst, dass ein Best Of so wirken kann, als würde man bereits bestehenden Kram einfach noch mal aufwärmen. Aber ich muss sagen: Ich fand so Best Of Platten immer toll. Ich habe einige Bands dadurch lieben gelernt,” erklärt Leetch. Ist ja im Prinzip auch, wie das Anwerfen einer Playlist auf Spotify und wenn man sich für eine Band interessiert, ist es sicherlich ein guter Einstieg.

Aber natürlich ist es auch ein bisschen Oldschool. Junge Bands hauen Single nach Single raus, versuchen möglichst im Gespräch zu bleiben und viel und stetig Aufmerksamkeit zu generieren. Die Editors hingegen werfen ein klobiges Doppelalbum auf den Markt. “Ganz ehrlich: Wir waren doch noch nie cool!” findet Smith und muss lachen. “Ja komm – wir sind seit Jahren beim selben Label, wir machen seit fünfzehn Jahren Gitarrenmusik, obwohl die zwischendurch echt auf dem absteigenden Ast war.” Die Editors handeln damit noch nicht mal gegen irgendwelche Trends. Ihnen ist der Trend schlicht egal – sie machen unbeirrt genau das, was sie schon 2000, in den blutigen Anfängen, als sie noch Pilot hießen machten: Musik, auf die sie Bock haben; Kompositionen, die sie selbst aufregend finden; Stücke, die zwischen in-die-Fresse-Rock und verspielter Elektronik changieren. Genauso wird es wohl auch weitergehen: Nach dem kurzen Innehalten mit dem Best-Of wird es wieder für neue Sachen ins Studio gehen. Smith und Leetch haben Bock auf ein nächstes und dann siebtes Studioalbum. Fest steht dazu noch gar nichts, außer eines: Es wird bestimmt wieder richtig uncool.

Editors Tour:
31.01. Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf
03.02. Velodrom, Berlin
22.06. Stadtpark, Hamburg

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