Kritik

Veröffentlicht am 7.01.2020 | von Julius Tamm

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CLEO – Filmkritik

Diese Stadt hat etwas ganz Eigenes, etwas ganz besonders Wertvoller – eine Seele!

(Erzähler – Cleo)

Bei einem Abenteuer ist nicht immer eine Kiste voller Gold der Schatz, sondern viel mehr das, was wir auf dem Weg dorthin lernen. Diese leicht kitschige Weisheit kann uns in unserem Alltag dabei helfen, mehr im Moment zu leben, unsere Reise besser zu verstehen und helfen, den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren. Erik Schmitt nimmt uns mit auf eben solch ein Abenteuer und zeigt in Cleo, wie eine andere Sicht auf die Welt möglich ist.

Ein namenloser Mann (Folke Renken) in einem Beamten-Outfit der späten 80er Jahre führt uns durch die Geschichte Berlins, erklärt den Charme der Stadt und bleibt dann in 1989 stehen – um genau zu sein am 9. November 1989. Während die Menschen jubelnd den Mauerfall feiern, verläuft mitten in dem Gedränge eine Schwangerschaft nicht nach Plan. Die Mutter verstirbt und in einer Notgeburt kommt Cleo (Jung: Gwendolyn Göbel / Erwachsen: Marleen Lohse) zur Welt. Ganz im Stil eines Wes Anderson Films erleben wir nun das Aufwachsen der kleinen Cloe mit ihrem Vater (Fabian Busch) hin zu einer aufgeweckten Abenteurerin, die das große Berlin zu ihrem eigenen Mikrokosmos macht. Begleitet wird sie dabei von imaginären, historischen Personen wie Albert Einstein oder Max Planck. Eines Tages erfährt sie von einer Uhr, mit deren Hilfe sie die Zeit zurückdrehen und ihre Mutter vor dem Tod bewahren kann und begibt sich gemeinsam mit ihrem Vater auf die Suche. Doch während die beiden in einem alten Schacht graben, stürzen die Wände ein und begraben Cleos Vater unter sich. Nun völlig allein auf dieser Welt vergräbt das kleine Mädchen all ihre Gefühle tief in ihrem Innersten und umgibt ihr Herz mit einem Schutzwall. Erst als sie Jahre später auf Paul (Jeremy Mockridge) trifft, der eine Schatzkarte zur Uhr zu besitzen scheint, erwacht in Cleo neue Lebensfreude und sie springt erneut in das Abenteuer.

Die Story von Cleo ist nicht unbedingt das Kreativste, was aktuell in Film und Fernsehen so läuft – aber darum geht es auch nicht. Im Fall von Schmitts neuem Film liefert sie nur einen roten Faden, der dem Ganzen eine Struktur bietet. Die Eigentliche Essenz des Films liegt in seinem Stil und seiner Botschaft. Stark an das Buch Der Alchimist von Paulo Coelho erinnernd zeigt Cleo, wie wichtig es ist, auf die kleinen Zeichen im Leben zu achten, den Moment zu genießen und sich nicht von Sorgen begraben zu lassen. Durch die Kombination von kreativen Stilmitteln wie Stop-Motion-Effekten und der aufgeweckten, fröhlichen Art von Marleen Lohse hat der Film unglaublich viel Potenzial – wäre da nicht Jeremy Mockridge. Die Figur Paul nervt schon beim ersten Auftritt und verstärkt die Abneigung ihr gegenüber durch Mansplaining, Aufdringlichkeit und Unverständnis immer weiter. Mit eindimensionalem Humor und dem Gegenteil von Charme stört Mockridge einen sonst wunderschönen Film – schade…

Cleo (D 2019)
Regie: Erik Schmitt
Besetzung: Marleen Lohse, Jeremy Mockridge, Max Mauff, Heiko Pinkowski, Andrea Sawatzki, Fabian Busch, Jean Pütz, Ben Münchow, Max Befort
Heimkino-VÖ: 3. Januar 2020, Weltkino Filmverleih GmbH

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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