Kritik

Veröffentlicht am 22.01.2020 | von Julius Tamm

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KURSK – Filmkritik

Es gibt viele grausame Arten, zu sterben – eingeschlossen in einem U-Boot, gestrandet auf dem Meeresgrund und nur darauf wartend, dass der Sauerstoff ausgeht, muss jedoch eine der schlimmsten sein. Regisseur Thomas Vinterberg widmet sich mit Kursk dem Drama des russischen U-Boots K-141 Kursk, das im Jahr 2000 in der Barentsee sank, und der sich daraus entwickelnden internationalen Krise.

Am 12. August 2000 bricht die K-141 Kursk mit 118 Mann Besatzung zu einem Manöver der russischen Nordflotte auf – mit an Bord Matrose Mikhail Averin (Matthias Schoenaerts) und seine Kameraden. Auf dem Weg zum finalen Manöverstandort kommt es jedoch zu einem Zwischenfall und einer der geladenen Torpedos explodiert. Durch das sich schnell ausbreitende Feuer explodieren auch die restlichen Torpedos und Averin ist gezwungen, sich mit den verbleibenden Besatzungsmitgliedern in den hinteren Teil des Schiffes zurückzuziehen. Während die Männer auf dem Meeresgrund um ihr Überleben kämpfen, versucht Admiral Vyacheslav Grudzinsky (Peter Simonischek) alles, um das Frack zu erreichen und die Mannschaft zu retten. Nachdem die Versuche eines russischen Rettungstrupps scheitern, bieten Commodore David Russell (Colin Firth) von der Royal Navy und weitere Länder wie Frankreich, Norwegen und die USA ihre Hilfe an. Doch die russische Militärführung und Regierung verweigern jegliche Hilfsangebote und behaupten, dass ein US-amerikanisches U-Boot die Kursk gerammt hätte. Es entsteht ein Schlagabtausch, ähnlich zum Kalten Krieg, bei dem die Verantwortlichen zu vergessen scheinen, dass Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Thomas Vinterbergs Film ist spannend – nicht unbedingt, weil wir knapp zwei Stunden auf etwas hinfiebern, was ein kurzer Blick in Wikipedia nicht schon verraten könnte – sondern, weil er eine interessante Perspektive einnimmt. Vinterberg hätte es sich einfach machen und einen klassischen Westen gegen Russland Film drehen können, aber er entscheidet sich für etwas mehr Tiefgang. Im Zentrum stehen vereint die Bemühungen von Matrosen, internationalen Hilfskräften, russischen Angehörigen und sogar Militärs, die Katastrophe zum Guten zu wenden, während verknöcherte Bürokraten alles daransetzen, Militärgeheimnisse zu schützen. Russland wird hier nicht als eine Einheit präsentiert, sondern genauso individuell, wie es andere westliche Länder im Kino werden. Was jedoch an dem ganzen Projekt sauer Aufstößt, ist die Besetzung. Es lassen sich in der Cast-Liste keine einzigen russischen Schauspieler*innen finden. Wir haben Darsteller*innen aus Frankreich, Belgien, England, Deutschland, aber keine russischen – in einem Film über eine russische Katastrophe. Das ist nicht nur anmaßend, sondern zerstört auch noch die eigentlich ausgeglichene Herangehensweise des Films.

Kursk (2018 FRA, BEL, LUX)
Regie: Thomas Vinterberg
Darsteller: Matthias Schoenaerts, Léa Seydoux, Colin Firth, August Diehl, Max von Dydow, Matthias Schweighöfer
Heimkino-VÖ: 23. Januar 2020, New KSM Cinema

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Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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