Kritik

Veröffentlicht am 3.02.2020 | von Malte Triesch

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COUNTDOWN – Filmkritik

This app, it’s fake, obviously.

 (Quinn Harris – Countdown)

Was wäre, wenn eine App dir genau sagen könnte, wie lange du noch zu leben hast? Die gute Nachricht, die Countdown-App ist seit September letzten Jahres sowohl im Google Play Store als auch im App Store kostenlos erhältlich. In der aktuellen Version 1.6.1 (iOS) bzw. 4.0 (Android) zieht sie zwar immer noch recht viel Akku, läuft aber absolut stabil. Die schlechten Nachrichten, ich habe zum Zeitpunkt dieser Rezension nur noch knapp 27 Jahre zu leben (auch bei Neuinstallation zählt die Uhr korrekt weiter) und Regisseur Justin Dec hat einen gleichnamigen Film rund um die Countdown- App gedreht.

Nachdem einer ihrer Patienten aufgrund des ablaufenden Timers der Countdown- App panische Angst vor seiner nahenden OP hat, lädt auch die junge Krankenschwester Quinn (Elizabeth Lail) die App herunter, um herauszufinden, was es damit auf sich hat. Nachdem dieser Patient tatsächlich unter mysteriösen Umständen stirbt, die App sich partout nicht löschen lässt und ihr nur noch wenige Tage Lebenszeit bescheinigt, kommt langsam Panik bei Quinn auf. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Jordan (Talitha Eliana Bateman), welche ihrer großen Schwester nacheifert und die App ebenfalls runterlädt und der zufälligen Bekanntschaft aus dem Handyshop Matt (Jordan Calloway), denen die App ähnlich knappe Lebenszeit anzeigt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und vorhersehbare Jumpscares.

Countdown ist ein Einsteiger- Horrorfilm wie Escape Room (2019) oder die Unknown User (2014/2018) Filme. Wer vorher keinen oder kaum Kontakt zu Horrorfilmen hatte, wird auch am ehesten Spaß an Countdown haben. Die Idee mit der, zu Marketingzwecken auch im echten App Store verfügbaren App, ist kreativ und die Jumpscares sind zahlreich, aber nicht zu aufdringlich. Mit dem Smartphone im Zentrum gelingt auch die Darstellung und Ansprache der sehr jungen Hauptzielgruppe glaubwürdiger als zuletzt 2018 die aufgesetzt wirkende Skype Party in Unknown User 2: Dark Web. So dreht sich zum Beispiel ein großer Teil des Mysteriums um die von Niemandem gelesenen AGBs der App, womit sich fast jeder identifizieren kann. Wer sich jedoch jenseits seiner Teens bewegt, wird an der schlechten Schauspielleistung und den völlig irrationalen Handlungen der Protagonisten verzweifeln. Gefühlt jeder lädt ohne zu zögern die App herunter, aber niemand ist wirklich überrascht, dass man bei Ablauf der Zeit tatsächlich stirbt. Neben dem eingangs beschriebenen Hauptplot gibt es als Dreingabe eine Nebengeschichte um Quinns sexuell übergriffigen Vorgesetzten Dr. Sullivan. Auf der Metaebene spannend besetzt mit Peter Facinelli, bekannt als Bellas Vater in der Twilight– Filmserie, welche von unterdrückten sexuellen Gefühlen nur so strotzt.

Diese wird zwar moralisch interessant in den Showdown eingebaut, wirkt aber den Film über wie ein störender Fremdkörper losgelöst vom eigentlichen Plot. Dass es eine übernatürliche Komponente gibt, wird leider schon im Intro des Films aufgelöst, so dass die Spannung herauszufinden, was denn tatsächlich hinter der App steckt ein Stück weit wegfällt. Was bleibt, ist eine nette Idee, aufgrund derer sich auf der einen oder anderen Party sicher ausgetauscht wird, ob man sich getraut hat die App herunter zu laden… so wie früher gefragt wurde, wer sich getraut hat vor dem Spiegel fünf Mal Candyman oder drei Mal Bloody Mary gerufen zu haben.

Countdown (USA 2019)
Regie: Justin Dec
Besetzung: Elizabeth Lail, Jordan Calloway, Talitha Eliana Bateman, Peter Facinelli, Tom Segura      
Kinostart: 30. Januar 2020, Universum Film

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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