Kritik Just Mercy Szene

Veröffentlicht am 24.02.2020 | von Malte Triesch

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Just Mercy – Filmkritik

 “Each of us is more than the worst thing we have ever done“

Basierend auf einer wahren Begebenheit präsentiert uns Just Mercy, wie der 2019 oscarprämierte Greenbook und jüngst Queen & Slim, eine Geschichte mit Fokus auf die Botschaft „Black Lives Matter“, gesetzt in den Südstaaten. Genauer gesagt im Alabama in frühen 90er. Denn Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) beschließt nach seinem Harvard Abschluss nicht nach dem großen Geld zu streben, sondern ausgerechnet in den tiefsten Südstaaten mittellosen und vermeintlich zu Unrecht Verurteilten zu helfen. Unterstützung erhält er dabei von der idealistischen aber noch recht unerfahrenen Eva Ensley (Brie Larson). Als gegen den Status quo aufbegehrender und vor allem als schwarzer Anwalt stößt er dabei von Anfang an auf Misstrauen bis hin zu offener Feindseligkeit bei allen öffentlichen Organen von der Exekutive (schikaniert von Polizisten und Gefängnismitarbeitern) bis zur Judikative (offene Ablehnung all seiner Begehren durch die lokalen Gerichte). All dies hält ihn nicht davon ab sich für seine Klienten einzusetzen, allen voran Walter McMillian (Jamie Foxx), der basierend auf einer völlig unglaubwürdigen Zeugenaussage für den Mord an einer 18-jährigen zum Tode verurteilt ist.

Der Verweis, dass in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Filme mit einer ähnlichen Kernbotschaft erschienen sind, soll Just Mercy weder mangelnde Kreativität vorwerfen, noch als überflüssig deklarieren. Der Film steht klar auf seinen eigenen Beinen, ist auch inszenatorisch komplett anders als die beiden genannten Beispiele, weniger Feel-Good Movie als Greenbook und längst nicht so politisch wie Queen & Slim. Vielmehr solltet ihr euch darauf einstellen erneut mit der sehr unangenehmen Realität der Unterdrückung von nicht nur Afroamerikanern sondern der gesamten amerikanischen Unterschicht konfrontiert zu werden. Immer wieder betonen hier alle gutsituierten Weißen, dass ihre Stadt die Vorlage für das Buch To kill a Mockingbird war. Ein Buch, das als eines der ersten den Rassismus in den Südstaaten anprangert. Vermitteln wollen sie damit, so scheint es, dass gerade sie offen und vorwärtsdenkend sind. Vergessen wird dabei jedoch, dass die Stadtbewohner in der Geschichte eigentlich nicht besonders gut wegkommen. Etwa ein Indiz dafür, dass sie die Geschichte nie selber gelesen haben? Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft wird dabei sinnbildhaft in zwei langen Kamerafahrten über amerikanische Vorgärten visualisiert. Zunächst die perfekt akkurate Vorstadtidylle des weißen American Dream Suburbia und danach heruntergekommene Baracken, soweit draußen vor der Stadt, dass die Familie des zu Tode Verurteilten McMillian völlig überrascht kommentiert, dass sich vor Stevenson niemand die Mühe gemacht habe überhaupt hier ganz raus zu fahren. Die einen mähen ihren Rasen bequem auf dem Mini-Traktor, die anderen mühsam von Hand und das Bittere dabei, hüben wie drüben wird dabei stolz die amerikanische Flagge gehisst. Denn alle lieben eigentlich „ihr“ Land.

Obwohl die Schicksale der einzelnen Sträflinge authentisch und großartig gespielt sind, ist es die Performance von Michael B. Jordan, die den Film am Ende so mitreißend macht. Stoisch erträgt er selbst Rückschlag um Rückschlag und Erniedrigung um Erniedrigung, nur um letztendlich durch die Ungerechtigkeit des Systems gegenüber seinen Klienten doch noch an den Abgrund der Verzweiflung getrieben zu werden. Meist ohne Worte zeichnet sich allein in seinen Augen immer wieder die Fassungslosigkeit über die Ungerechtigkeiten des Systems ab und spätestens an den Punkten, wo es dann auch für ihn kein Halten mehr gibt, solltet auch ihr die Taschentücher bereithalten. Auch wenn immer wieder kritisiert wird, dass wenn Afroamerikanern dann ausgerechnet für Rollen um Rassenkonflikte Auszeichnungen vergeben werden, Michael B. Jordan hätte es definitiv verdient. Auf über zwei Stunden ist Just Mercy damit absolut kein leichter Film. Regisseur Destin Daniel Cretton hat jedoch Erbarmen und zeichnet am Ende doch ein Zukunftsbild, das durchaus Raum für Optimismus lässt. Eine klare Empfehlung für alle, die sich für die Thematik, für Drama und großartige Schauspielkunst begeistern können.

Just Mercy  (US 2019)
Regie: Destin Daniel Cretton
Darstelle: Jamie Foxx, Michael B. Jordan, Brie Larson, Charlie Pye Jr., Michael Harding
Kinostart: 27. Februar 2020, Warner Bros

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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