Kritik

Veröffentlicht am 26.02.2020 | von Tobias

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LOVELESS – Filmkritik

Zhenya (Maryana Spyvak) und Boris (Alexey Rozin) stehen von den Trümmern ihrer Ehe. Beide wollen eine andere Beziehung, die gemeinsame Wohnung soll verkauft werden und ihr gemeinsamer Alltag ist voll mit Streit und gegenseitigen Anschuldigen. Der einstige Zuneigung, sind Hass und Abneigung gewichen. Das einzige was die beiden noch gemeinsam haben ist ihr Sohn Alyosha (Matvey Novikov). Dieser wird aber in dem ganzen Konflikt fast vergessen und steht mit seinem Schmerz und Einsamkeit vollkommen alleine da. Keiner der Eltern will ihn und es scheint als bleibe nur ein Internat als Lösung. Plötzlich verschwindet der Junge. Eine groß angelegte Suchaktion wird gestartet und plötzlich müssen sich die Ex-Partner wieder zusammentun um ihren Sohn aufzuspüren.

Filmfans dürfte der Regisseur Andrey Zvyagintsev 2014 zum ersten Mal so richtig aufgefallen sein. In diesem Jahr veröffentlichte der Russe sein Meisterwerk Leviathan. Weltweit gefeiert, ebnete der Film den Werk für weitere Arbeiten des Künstlers. Der Ton und die Thematik seiner Filme sollten die selben bleiben.

Schon 2017 wurde Loveless gedreht und leider dauerte es bis heute, dass der Film auf DVD veröffentlich wird. Eine Schande. Und dies obwohl das Werk sowohl für den Oscar als auch den Golden Globe nominiert wurde und sogar den Preis der Jury in Cannes gewinnen konnte. Naja, große Kunst braucht manchmal etwas mehr Zeit.

Loveless ist ein zutiefst negativer Film. Das Fehlen von Liebe ist in jeder Person angesiedelt und selbst die Umgebung in der sich die wenigen Charaktere bewegen schon befreit von jeglicher Liebe zu sein. In jeder Sekunde hat der Regisseur kleine Metaphern versteckt um seine Botschaft zu verkünden. Zum einen zeigt er hier eine gekonnte Darstellung von der Entzweiung zweier Liebenden. Zum anderen aber auch eine Darstellung der aktuellen gesellschaftlichen Situation in Russland. Dies war auch schon in Leviathan das Hauptaugenmerk von Zvyagintsev.

Sowohl die schauspielerische Leistung, als auch die visuelle Umsetzung ist perfekt gelungen. Alles ordnet sich der Stimmung unter und man hat wirklich keine Sekunde ein positives Gefühl beim betrachten des Films. Die Gefühlsebene wird zu 100% auf den Zuschauer übermittelt. Eindringlich, ehrlich und jederzeit überzeugend.

Der größte Kritikpunk an dem Film ist wie überladen alles ist. Wie schon zu Beginn beschrieben, lauern an allen Ecken Metaphern und kleine verstecke Andeutungen. Man fühlt sich, neben der schrecklichen Thematik, förmlich erschlagen, kommt kaum dazu Luft zu holen und hat am Ende doch das Gefühl sehr viel verpasst zu haben. Natürlich spricht das für die Tiefe von Loveless, doch etwas weniger hätte wahrscheinlich auch gerecht. Nichtsdestoweniger ein Werk, welches noch in vielen Jahren aktuell und wichtig sein wird.

Loveless  (2017)
Regie: Andrey Zvyagintsev
Darstelle: Marjana Spiwak, Alexei Rozin, Matwej Nowikow, Andris Keiss, Marina Wasilewa
DVD-VÖ: 28. Februar 2020, Alpenrepublik

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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