Kritik

Veröffentlicht am 5.02.2020 | von Julius Tamm

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MIDSOMMAR – Filmkritik

Foto-© A24

It’s like another world!

(Josh – Midsommar)

Manipulation ist eine starke Waffe – wenn es jemand schafft, in unseren Geist einzudringen, dort einen Gedanken zu pflanzen und uns danach handeln zu lassen, kann das gefährlicher sein, als ein physischer Angriff. Midsommar von Regisseur Ari Aster zeigt uns nicht nur solch einen psychischen Angriff, er schafft es auch, unseren eigenen Verstand ganz schön zu infiltrieren.

Nachdem die Psychiatrie-Studentin (nicht Psychologie) Dani (Florence Pugh) ihre Schwester und ihre Eltern durch einen Suizid verliert, beschließt sie, ihrer Welt zu entfliehen und mit ihrem Freund Christian (Jack Reynor) und seinen Kumpels nach Schweden zu reisen. Auf die Einladung des schwedischen Austauschstudentens Pelle (Vilhelm Blomgren) besucht die Gruppe seine Heimatkommune und nimmt an dem traditionellen Midsommar-Fest teil. Was zu Beginn nach einer freudigen Feier aussieht, wandelt sich nach und nach zu einem Albtraum für die Studierenden. Jedoch weiß die Dorfgemeinschaft sehr gut, wie sie unauffällig alles in die Wege leitet, Christian und seine Freunde gegeneinander ausspielt, sie manipuliert und letztendlich verschwinden lässt. Noch bevor Dani und Christian ihre Situation verstehen, sind sie schon im Bann des Midsommar-Fests gefangen und haben keinen Ausweg mehr.

Midsommar nimmt uns alles, was Freude bereitet – Familie, Liebe, Freundschaft, Sommer, Musik, Tanz, Sonne, Reisen (seien wir ehrlich, auch Schweden) – und richtet es gegen uns. Durch einen sagenhaften Schnitt und ein unglaubliches Sounddesign schafft es Ari Aster, uns zweieinhalb Stunden in einen Bann zu ziehen. Sein Horror ist akribisch geplant, komplett anders als in anderen Horrorfilmen (allein weil alles bei strahlendem Sonnenschein in wunderschöner Natur stattfindet) und geht dadurch umso mehr tief unter die Haut. Besonders stark wirkt der Einsatz des Foreshadowings – hier eine altertümliche Zeichnung die verdammt nach Dani aussieht, dort eine Ritualbeschreibung, deren Bestandteile uns schon begegnet sind. Durch Bildeffekte, Kamerafahrten und die Musik kreiert Aster außerdem ein faszinierendes, immersives Gefühl, wenn die Studierenden zum Beispiel auf einem Pilz-Trip sind, betäubt werden oder Teil eines verstörenden Ritus werden.

Leider steigern sich diese Sinneseindrücke zum Ende des Films immer weiter und das komplette Szenario eskaliert in einem Mix aus Albernheit, Abstraktion und Verwirrung, sodass die feinsäuberlich kuratierte Stimmung verloren geht und sich ein Gefühl der Überforderung einstellt – vor allem nach fast zweieinhalb Stunden Film.

Midsommar (USA 2019)
Regie: Ari Aster
Besetzung: Florence Pugh, Jack Reynor, William Jackson Harper, Will Poulter
Heimkino-VÖ: 7. Februar 2020, Weltkino Filmverleih GmbH

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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