Interviews Goldroger © Antemilio

Veröffentlicht am 11.05.2020 | von Liv

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GOLDROGER – Interview

Foto-Credits © Antemilio

Am letzten Freitag erschien das neue Goldroger Album Diskman Antishock II und konnte in unserer Review die volle Punktzahl abräumen. Ein Gespräch mit dem sympathischen Rapper erscheint absolut notwendig. Unsere Autorin Liv bat zum Gespräch und hat mit Goldroger über seinen persönlichen Weg zum Rap geschnackt, über Harry Potter als Hauptfigur gelästert und die therapeutische Wirkung von Musik diskutiert. Wir wünschen viel Spaß!

Als ich mir dein neues Album angehört habe, war das für mich als ob ich ein Buch lese. Jeder Song ist ein neues Kapitel, hat einen anderen Fokus, eine andere Farbe, eine andere Stimmung. Besonders auffallend finde ich das bei „Uu“ und „Horcrux“. Beim ersten Track hat alles so eine – bisschen träumerische – Stimmung (besonders zu Beginn), ich denke das kommt v.a. durch dieses Background-Singing. Erinnert mich so’n bisschen an eine Traum-Frequenz aus solchen Hollywood-Filmen, alles wirkt so in Watte eingebauscht, weißt du? Und bei „Horcrux“ ist alles sehr viel dunkler. Der Rap wirkt eindringlicher und durch die Gitarren & den Beat wird das alles noch unterstützt. Was ich total abgefahren fand: Man fährt bei jedem Song seinen eigenen Film. Ich habe das sonst immer nur bei Büchern und bei deinem Album hatte ich das jetzt ganz extrem.
Mega cool! Voll gut, so habe ich mir das auch gedacht, eigentlich hatte ich noch viel mehr Songs in dieser ganzen Lovestory. Ich habe da eine komplette Lovestory vom Kennenlernen bis zum Trennen aufgebaut und bin dann irgendwann dahin gekommen, dass die beste Art so eine Geschichte zu erzählen eigentlich diese beiden Gegensätze sind. Das eine ist total Zuckerwatte-verliebt-Pop ist und dann ist es auf einmal so yo, wie ist es jetzt dahin gekommen, aber so hat sich die Geschichte einfach am besten erzählt.

Ja, krass – das erkennt man auch einfach echt gut. Das hat mich so super geflasht. Versuchst du denn mit deinen Songs gezielt bestimmte Stimmungen beim Zuhörer hervorzurufen? Denkst du dir: Jetzt muss er/sie das & das fühlen?
Ich glaube, das ist so der nächste Schritt. Wenn ich das irgendwann mal hinkriege, wäre es richtig geil. Aber ich versuche mich eigentlich darauf zu verlassen, okay was fühle ich und finde ich das authentisch dabei und dann ist die Chance eigentlich ganz gut, dass der Hörer oder die Hörerin was ähnliches empfindet.

Ich finde ja, deine Musik lebt auch so’n bisschen davon, dass du dich an kein festes Genre klammerst – klar, das ist Rap – aber ich finde du spielst so mit der Vielfältigkeit von Musik einfach und das macht’s natürlich auch schwieriger sie so richtig einzuordnen. Ist natürlich aber auch auf der anderen Seite ganz geil, ich meine, wer will schon in irgendwelche Schubladen gesteckt werden. Wenn jetzt jemand kommen würde, der deine Musik nicht unbedingt kennt, aber weiß, dass du Musik machst, wie würdest du dem dann beschreiben, was du machst?
Das finde ich in der Tat auch immer super, super schwer. Es heißt dann, es ist Rap mit Gitarre, weil das schon das ist, was der einzige wirklich, wirklich rote Faden ist. Also viel Gitarre und es ist in der Regel auch Rap. Obwohl es dieses Mal auch mehr gesungen ist als vielleicht auf der Platte davor. Wenn ich dem Ganzen jetzt so’n Stempel aufdrücke – sage ich auf jeden Fall, dass es was für Leute ist, die Brockhampton, Childish Gambino und so mögen, dass es denen vielleicht gefallen könnte. Aber das sind dann auch Musiker, die dann eher so’n breitgefächerten Genreeinfluss haben. Wir haben sehr, sehr viele Hörer, die sagen: Eigentlich höre ich nicht so viel Rap, aber das finde ich richtig geil. So lässt sich das vielleicht am ehesten noch kategorisieren. Wir machen Musik für diese Leute. Musik für Leute, die sehr, sehr viel verschiedene Musik hören.

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Meinst du, dass diese Vielfältigkeit auch daher kommt, dass du so ne breite musikalische Entwicklung hattest? Als du letztens bei Alex Barbian via Instagram-Live mit ihm gesprochen hast, da meintest du ja auch, dass du eher aus der Rock-Schiene kommst, sag ich jetzt mal.
Ja, da wurde ich musikalisch sozialisiert auf jeden Fall. Es stemmt sich schon daraus, dass ich sehr viel verschiedene Musik gehört habe, wobei … eigentlich stemmt es sich viel mehr daraus, dass ich mich bis heute nicht entscheiden kann, was für Musik ich selber machen will und ich habe irgendwie für mich so’n Ansatz gefunden, wo ich ganz, ganz viele Spielplätze zu einem zusammenfusioniert habe, damit ich dieser Entscheidung möglichst lange aus dem Weg gehen kann. Ich finde es auch mega krass, wenn jemand das schafft, wirklich ein Album in so ganz kohärenten Sound durchzuziehen. Das kann auch richtig, richtig stark werden. Ich habe da nie den Mut zu, weil ich mich dann ja festlegen muss und ich habe mir das Goldroger-Ding auf jeden Fall über die Zeit so gebaut: Ich kann alles tun. Ich kann was trauriges machen, ich kann kitschige Love Songs schreiben, ich kann einen Song ohne Rap schreiben. Der „Uu“ ist gesungen und der hat keine Drums und hat Autotune. Und der ist auf der gleichen Platte wie so’n Song wie „Lip Gallagher“, wo ich einfach nur straight rappe. Oder sowas wie „Horcrux“, wo ich auch irgendwie rappe, aber es eher so einen Erzähl-Moment hat. Irgendwie habe ich das Glück, dass die Leute das schon gar nicht so komisch wahrnehmen. Also dass das alles von der selben Person kommt und für mich ist das ein riesiges Privileg. Weil ich mich gar nicht entscheiden muss, was für Musik ich machen will oder muss.

Ja, voll gut. Ich hatte früher immer das Ding, dass ich – keine Ahnung, wie alt war ich da.. vielleicht 14 oder so? Da habe ich immer gedacht, dass man auch immer nur ein Genre hören darf.
Jaaa, ich auch!

Also wenn ich Alternative höre, dann höre ich es richtig oder so Punk-Rock. Dann hatte ich so eine Blink 182, Green Day-Phase und da habe ich wirklich immer nur das gehört und dachte, dass z.B. Pop oder so ja überhaupt gar nicht geht. Jetzt finde ich das auch so albern, weil jetzt höre ich halt wirklich so ziemlich „alles“.
Ich habe Leute früher richtig verachtet, die das geantwortet haben. Ich habe mich auch gerne über Musik immer selber so definiert und mich auch leidenschaftlich gestritten in dem Alter, wo ich so meine Blink-Phase und so hatte. Und bei Leuten, die gesagt haben „Ja, ich höre irgendwie alles“, da dachte ich immer nur “Baaah. Wie kannst du nur?! Wie kannst du dir keinen Geschmack bilden wollen?” Und mittlerweile antworte ich selber mit „alles”, weil ich in jedes Genre mittlerweile irgendwie mal reingehört habe. Also nicht alle alle, aber einfach durch und kenne in vielen Genres einfach viele Sachen, die ich krass feiere und bin jetzt selber so einer von diesen „Ja, ich höre alles“-Leuten geworden. (lacht)

Ja, voll. Ist bei mir halt auch so!
Cool, da kann ich mich auf jeden Fall drin wiederfinden. Ich hatte damals auch dieses, dass ich dann wirklich nur eine Sache gehört habe und das war für mich dann aber auch das Krasseste dann jeweils.

Goldroger - Disman Antishock II Cover

Absolut, ich war dann auch immer so super deep drin. Ich wusste dann echt viel über den Hintergrund der Band, habe mich da richtig mit beschäftigt und jetzt mache ich das halt hauptsächlich, wenn ich’s wirklich super geil finde. Damals war’s schon übel.
Ja und da hing an vielen Genres auch – mit denen ich früh in Kontakt gekommen bin – wie Punk-Rock und so immer eine jeweilige Subkultur dran. Das fand ich voll spannend mich damit zu beschäftigen. Auch damals habe ich mich irgendwie mehr für Klamotten interessiert als heute, weil damals war es auch noch so: Okay, was tragen die für Schuhe, was ist das für ein Statement und so. Hab das einfach voll gefressen, diese ganze Subkulturen.

Witzig, war bei mir auch so und irgendwann habe ich dann Rap gehört und dachte dann auch nur „Was ist das jetzt gerade?!“ Das war so ein krasser Wandel auch auf einmal.
Genau, bei mir ging mit Rap dann auch eine riesen Tür auf. Auch durch diese ganze Sample-Kulturen und dann habe ich alles gehört.

Ja, ich dachte dann halt auch „Ganz ehrlich, f*ck it, dann mag ich halt einen…keine Ahnung… Justin Bieber Song oder so, dann ist halt so“. Ich meine, der macht auch heftige Musik.
Das ist meine aktuellste Phase, dass ich diese ganzen Pop-Songs, die rauskamen als ich jünger war und dachte „Boah ne, ich höre doch nichts, was dauernd im Radio läuft“ jetzt höre (lacht). Das feiere ich jetzt teilweise so krank ab. Was für Hits damals einfach rauskamen und ich kann auch so totalen Radio-Pop krass abfeiern. Wenn’s gut gemacht ist. Wenn’s gut gemacht ist, kann ich viel krass abfeiern, wo ich damals gedacht habe „Nee, das kann ich aus diesen und jenen Gründen nicht abfeiern“. Musik ist geil.

Witzig, ich dachte damals immer, ich wäre damit irgendwie alleine …
Nee! (lacht)

Gut, dann muss ich mich auch nicht schlecht fühlen. (lacht) Glaubst du denn, das ist was deine Musik so zeitlos macht? Dass du dich an keinem aktuellen Trend orientierst. Ich finde nämlich, das ist so ’ne Musik, die könnte man auch noch in – keine Ahnung – 10 Jahren hören oder vor 10 Jahren hätte man das auch schon hören können.
Ich hoffe das! Also ich rede mir das natürlich gerne selber ein, das gerade so Leute wie, das was wir jetzt gerade skizziert haben, so sehen. Ich weiß noch als ich jünger war, jetzt auch noch, aber vor allem damals wollte ich unbedingt Mucke hören, die die anderen vielleicht nicht kennen oder die irgendwie so’n Kultstatus hat. Ich habe die Hoffnung oder das Gefühl, dass es immer Leute geben wird, auch in 5 Jahren oder so, die dann 14 oder 15 sind und irgendwas suchen, was irgendwie anders ist und dann hoffe ich, dass diese Leute dann eine große Schwester oder einen großen Bruder haben, die sagen „Ja, hör die mal diese Goldroger Platte an, die ist immer noch krass“ und das die Leute es über die Zeit einfach immer noch feiern. Deswegen, das steht so weit weg von anderen Sachen, habe ich das Gefühl manchmal. Es werden auch immer irgendwie zwangsläufige Leute da landen müssen, weil da wird ja nicht schnell etwas in die gleiche Ecke nachkommen und wenn Leute in der Richtung suchen, dann werden sie es auch immer finden. Genau wie Leute immer irgendwie bei so Leuten wie Outkast oder so landen werden, das ist halt mega geil.

Stimmt, macht Sinn! Ich finde ja, deine Musik ist irgendwie geprägt davon, verschiedene Stimmungen/Emotionen aufzufangen auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite auch auszudrücken. Denke, das ist auch, was sie zum einen auszeichnet, aber auch für viele Leute, die deine Sachen hören, so relateable macht, also damit irgendwie identifizieren und vor allem mit diesen ganzen unterschiedlichen Phasen, das ganze emotionale und ich glaube, das ist krass wenn du selber kein Musiker bist, dass du deine eigene Emotionen dann darin wiederfindest, wenn du’s selber gar nicht formulieren kannst. Durchlebst du beim Songwriting auch so unterschiedliche Phasen bzw. “Stimmungsschwankungen”, wie sie in deinen Songs vorkommen? Generell wie entstehen deine Songs, wie sieht so ein Schreib-Prozess bei dir aus?
Also ich schreibe in der Regel auf jeden Fall nicht während ich irgendeine Emotion aktuell habe, obwohl … ich finde, wenn man gerade frisch verliebt ist, dann schreibt sich sowas auch schnell, aber wenn ich jetzt super traurig bin, dann bin ich nicht der Typ, der dann sagt „Oh, jetzt schreibe ich’n Song“. Sondern es ist dann irgendwie eher so, dass ich dann so nah da dran bin, dass ich das noch gar nicht wirklich einordnen kann und mich dann einfach, wenn ich darüber nachdenken wollte, eher viel zu sehr wieder in diese Gedankenschleife verlieren würde. Das braucht so ’ne Zeit zum Reifen. (lacht) Das ist wie so’n Wein. Irgendwann habe ich dann das Gefühl, dass ich jetzt genug Abstand zu dieser oder jener Sache habe, aber wenn ich es dann wirklich intensiv mal gefühlt habe und in mir irgendwie konserviert habe, dann kann ich im richtigen Moment damit nochmal connecten und kann das dann von außen besser betrachten und erzählen. Also die meisten richtig traurigen Songs habe ich dann auch unter Umständen in einem Moment geschrieben, wo es mir eigentlich super gut ging. Den „Stromkreis“ Song habe ich zum Beispiel um 11 Uhr Morgens, nach dem ich Bossa Nova gehört und Kaffee getrunken habe, geschrieben. (lacht) Weil das ist dann auch der Moment, da geht’s mir so gut, ich bin so weit weg davon, dass ich mir denke, dass ich das jetzt voll nüchtern erzählen kann. Ohne, dass es irgendwie super cringe ist oder so. Kann dann auch abgeklärter drüber reden.

Viele Musiker*innen sagen ja, dass Musik deren Therapie ist. Findest du das auch oder ist oder ist sie vielleicht eher eine Art Tagebuch für dich – quasi ein Ort, an dem man Dinge für sich einfach festhalten kann. Also gar nicht im Sinne von einer Therapie dann, sondern als Memoiren oder ähnliches aufbewahrt.
Ich denke auch eher so, also eher um Sachen zu konservieren als Therapie. Weil ich finde, das hat überhaupt nichts therapeutisches an sich. Ich habe jetzt gemerkt durch halt soSongs wie „Horcrux“ oder auch „Wie leicht“ oder so. Meine Ex-Freundin war mittlerweile in Indien, wo sie gearbeitet hat, hat eine neue Beziehung und das ist jetzt auch schon drei Jahre her und ich merke so – Damn, ich bin IMMER noch irgendwie mit einem Fuß bei dieser ganzen Sache, weil ich ja diese Songs bis jetzt rumgetragen habe und es für mich immer noch irgendwie präsent ist und bin einfach froh, wenn die Scheiße endlich vorbei ist, ich die Songs gemacht habe und sie sind weg und ich muss die jetzt gar nicht nochmal recorden oder mischen oder so. Ich empfinde das nicht als therapeutisch. Man ist da ja nochmal gezwungen sich die Sachen hervorzurufen und das ist – glaube ich – nicht so gesund. Das ist einfach gesünder, Sachen gehen zu lassen. Und deshalb bin ich froh, wenn die Songs draußen sind. Das Releasen ist dann eher eine Art Therapie, weil ich dann weiß, die Scheiße ist jetzt endlich vorbei. Aber das Schreiben hat für mich nicht wirklich was therapeutisches. Ich muss dann eher aufpassen, dass ich das alles noch weit genug von mir weghalten kann, um nicht wieder in den gleichen Moment zurück zu fallen.

Thematisierst du denn nur persönliche Sachen in deinen Songs oder sind es oft auch Dinge, die Leute, die du gut kennst erlebt haben? Verarbeitest du sowas auch manchmal in deinen Tracks?
Ne, aber das würde ich gerne machen auf jeden Fall. Ich habe das Gefühl, das ist auch bei vielen Straßen-Gangsta-Rappern, was den Punkt ausmacht, dann man Geschichten, die wer anders erlebt hat auch in sein Gangsta-Narrativ einbaut, weil keiner kann ja so viel Gangsta-Geschichten erlebt haben wie ein Rapper erzählt. (lacht)
Ich finde es dann aber auch nicht verwerflich, wenn sich einer zur Stimme seiner Straße macht – finde ich auch mega geil. Das ist sowas, was ich bisher noch nicht hinbekommen habe: Die Geschichte von anderen Leuten in meinen Lyrics zu erzählen. Es ist schon sehr viel, sehr selbstreferentiell. Aber ich hätte da jetzt keine Scheu, ich finde das kann genauso authentisch sein, wenn man die Geschichte von wem anders erzählt und einfach super empathisch ist und sich da gut reinfühlen kann. Das kann das auch einfach super authentisch sein und ich finde jetzt auch nicht, dass Rapper nur ihre eigenen Geschichten erzählen dürfen, dass wäre auch irgendwie ein bisschen belanglos.

Klar, vor allem, wenn dir z.B. dein bester Freund eine Geschichte erzählt hat, hat das Ganze ja auch nochmal eine komplett andere Wertung mit drin … Goldroger hoch © Antemilio
Voll! Ich überlege auch gerade, ob ich das nicht doch schon mal gemacht habe, aber ne. Bin einfach krass narzisstisch veranlagt. Richtig schlimm. (beide lachen)

Und so Inspirationen durch Bücher oder sowas? Kommt das mal vor? Gab es da schon mal den Fall, dass dich etwas so krass geflasht hat, dass es du es irgendwie verarbeiten wolltest?
Auf jeden Fall, aber auch das projiziere ich dann meistens auf mich selber. Am krassesten war das auf „Arvrakardavra“, da gibt’s den einen Song, der heißt „Harry Haller“, da habe ich den „Steppenwolf“ gelesen und so heißt dort die Hauptfigur aus dem Buch. Ich habe wirklich das Buch zugeklappt und direkt den Track geschrieben und dachte nur „Ja man, das ist geil. Das flippe ich jetzt und mache so meinen Take dazu.“ Sowas habe ich öfter mal. Aktuell bin ich auch in der Phase, dass ich wieder so ein paar Sachen gelesen habe, bei denen ich dann Bock hätte ein ganzes Album um das Konzept zu spinnen. Das ist meistens so, dass ich eine Verbindung dazu herstellen kann, irgendwelche persönlichen Emotionen, z.B. wenn ich mir denke, dass ich gerne einen Song über’s Verliebtsein machen würde. Dann lese ich irgendeinen Comic und dabei fällt mir ein, dass ich doch einen Song über’s Verliebtsein machen wollte und dann habe ich da die Inspiration dafür wie ich den aufziehen könnte. Das ist total oft so.

Als du das erste Album, bzw. den ersten Teil vom Album, geschrieben hast, war dir da schon bewusst, dass du draus mehrere Teile machen wirst?
Der grundsätzliche Plan da mehre Teile daraus zu machen war eher, weil ich nachdem ich eine lange Dürrephase hatte und auch keine Lust zu schreiben hatte, auf einmal einen total Flash hatte. Das weiß ich noch, das war im November 2018. Da habe ich super viele Demos geschrieben und das auch wirklich obsessiv. Ich bin jeden Tag aufgestanden und habe geschrieben. So Tracks wie „Speedball Drive“ und „Potion“ habe ich an einen Tag geschrieben und meine Jungs dachten glaube ich, dass ich manisch geworden bin. Ich habe den dann auch immer geschrieben „Jo, ich habe heute zwei Songs geschrieben…ah, warte, ich habe noch einen dritten geschrieben!“ Ich glaube die Jungs wollten mich schon einweisen, bis sie die Tracks gehört und auch gemerkt haben, dass ich noch nicht ganz abgedreht bin. Und dann habe ich irgendwann gemerkt, dass ich das Ganze ja auch fertig machen muss und das ist es halt. Das Fertigmachen frisst mehr Zeit als man denkt. Ich habe dann gedacht „Ich habe hier so viele Sachen und ich will davon auch eigentlich auch fast alles fertig machen, aber das ist viel zu viel für ein Album.“ Und dann habe ich in meinem Übereifer auch direkt erklärt, dass es eine Trilogie wird oder so, aber aktuell bin ich schon an so einem Punkt, dass ich es als 14-Track Album eigentlich auch ganz geil finde. Ich muss gucken, ob ich da jetzt noch irgendwie die Kurve kriege, weil es sich jetzt gerade auch ein bisschen komisch anfühlt verzweifelt an Sachen aus 2018 zu basteln, nur um es fertig haben zu wollen. Vielleicht ist es das jetzt auch. Kill Bill war auch mal als Trilogie angelegt und davon gibt’s auch nur zwei Teile und keinen hat’s gestört.

Du hast mal gesagt, dass es in Teil 1 um Selbstbetrachtung und Rückblick geht. Was würdest du sagen, ist jetzt der Fokus bei Teil 2? Worum geht es da?
Eigentlich auch darum. (lacht) Irgendwie geht es bei mir immer darum, ich glaube das ist einfach so das Oberthema von Diskman Antishock. Ich muss aufpassen, dass ich nicht irgendwann Prinz Pi-mäßig über meine Abi-Zeit rappe, wenn ich irgendwann mal Ende 30 bin oder so. Aber jetzt gerade ist das alles noch sehr present diese Skatepark, Lavalampe Lazer-Erinnerung. Ich glaube bei Antishock II ist es dann vielleicht einen Schritt weiter. Aber ne, der Hauptunterschied ist es eigentlich, dass ich auf Diskman Antishock II viel mehr im klassischen Sinne rappe, also Doubletime flexe und so. Und mit Songs wie „Lip Gallagher“ und „Kalkulation“ ist es vielleicht einfach mehr Hip Hop, bisschen mehr Rap. Thematisch ist es gar nicht so unterschiedlich, weil „Lip Gallagher“ auch irgendwie so ein Coming of Age-Track ist wie „Lavalampe Lazer“ und die Entsprechung zu „Potion“ wäre dieses Mal „Stromkreis“. Das ist schon sehr ähnlich. Auf dem ersten Teil war „Wie leicht“ eine Liebesgeschichte über die ich nicht hinweg komme und die wird dann auch erzählt und das in ihren beiden Extremen. „Tesla“ hat irgendwie eine ähnliche Thematik wie „Halt“, auch wenn’s anders gemacht ist, sind Parallelen drin. Es ist zu nahe liegend, um jetzt zu sagen, dass da jetzt ein Unterschied wäre.

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Du hast ja gerade schon „Tesla“ angesprochen, der Track ist ja schon gesellschaftskritisch, sogar irgendwie politisch. Findest du, dass man als Künstler so’n politisches Statement abgeben muss? Oder war das aus einem einem Gefühl heraus, dass es gerade einfach passt?
Es ist ja jetzt nicht so, dass ich weder mit „Halt“ noch mit „Tesla“ jetzt gesagt habe – okay, hier ist mein großer „Fick die AFD“-Track so. Irgendwann hatte ich diesen Moment, wo ich dachte, dass alle so einen Track machen und niemanden damit geholfen ist, dass alle jetzt diese Tracks machen werden. Irgendwie hat das in diesen Moment so einen komischen Beigeschmack für mich bekommen, dass ich dachte, ich will es jetzt irgendwie gar nicht machen, aber man fühlt sich dann doch genötigt irgendwas dazu zu sagen. Dementsprechend war mir das auch wichtig, aber ich wollte das nie zum Hauptthema des Songs unbedingt machen – Fick die Nazis. Ich habe das schon öfter gesagt und das ist mir auch wichtig, dass die Leute wissen wie ich mich da positioniert habe, aber ich glaube, ich habe mich da eindeutig positioniert. Weiß nicht, dass hätte sich dann auch nicht aufrichtig oder nicht cool angefühlt für mich und dann wollte ich es halt anschneiden, aber in einem größeren Kontext jeweils.

Das hat ja auch gut geklappt. Wollen wir nochmal über den „Horcrux“ Song sprechen? Weil …. Harry Potter und so?! (lacht)
Magst du Harry Potter?

Ich mag Harry Potter sehr, seeehr gerne!
Yeaaaah! Das ist geil! Weil ich habe irgendwann gemerkt bei dem Song als ich dem Raffi von OK Kid dem Drummer gezeigt habe und der kannte gar nichts von Harry Potter…

WAS?
Ey, ja und ich habe ihm den Song gezeigt und meinte „Pass auf, ich zeige dir jetzt einen Song, der ist richtig krass und ich mach sogar das Licht aus, damit du die richtige Stimmung hast.“ und setze ihn da so hin und zeige ihm den. Er dann „Ja, ist cool, aber kannst du mir das und das und das und das mal erklären?“ und ich dann „Okay, der Song hat dich gar nicht gekickt, oder?“ Und er „Ja, das ist jetzt irgendwie nicht so krass.“ und ich war nur so „Bah, Junge beiseite! Wieso kennst du denn Harry Potter nicht…Alter, das ist bekannter als die Bibel! Hä, was ist los mit dir?!“
Und natürlich habe ich in dem Moment dann realisiert: Oh, wenn man die Metapher nicht versteht, dann versteht man den ganzen Song nicht. Aber dann war ich auch so scheiß drauf, es gibt so viele Leute, die Harry Potter kennen. Die, die es nicht verstehen, sind auf jeden Fall in der Minderheit. Und es gibt viele Leute, die den deutschen Harry Potter krass cool finden und das verstehen werden, also muss das jetzt so sein.

Voll. Ist so witzig, ich bin gerade in der Heimat, mein Bruder ist auch hier und wir hatten vor ein paar Tagen eine Diskussion über Harry Potter. Das wir nämlich Harry als Hauptfigur total dumm finden. Er ist so anstrengend, will sich immer nicht helfen lassen und dann heult er immer aber die ganze Zeit rum. Das selbe Phänomen ist aber bei Herr der Ringe mit Frodo tatsächlich.
Jaaa, Frodo ist auch richtig, richtig nervig auf jeden Fall. Noch viel nerviger finde ich als Harry, aber ja, ich weiß dann auch, was du bei Harry meinst. Das stimmt schon, aber Frodo ist auch…Juuunge..

Frodo ist richtig schlimm. Ich liebe Herr der Ringe, ich liebe die Filme, aber der Typ, der geht sowas von gar nicht. Und ja, das ist krasser als bei Harry Potter aber da ist es uns aufgefallen, dass wir ihn einfach ein bisschen anstrengend finden tatsächlich.
Ja, das stimmt. Ich finde auch, jetzt wo du’s sagst, die Charaktere um ihn rum auf jeden Fall cooler. Keiner will Harry sein. (lacht) Keiner sagt „Boah ich will Harry Potter sein!“

Ist so! Ich finde halt Ron Weasley super.
Die wachsen auch alle emotional so viel mehr als Harry.

Total! Total! Oder Neville Longbottom, krasser Typ!
Jo, das sind auf jeden Fall die ganzen Nebencharaktere in Anführungsstrichen, die die wahren Helden sind. Bei Harry Potter ist’s einfach nur: Ja, du bist der Auserwählte und so, es ist ja nicht mal so als hätte er das selber erarbeitet. Hör doch auf rumzuheulen die ganze Zeit. (beide lachen)

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Ist so, jetzt nochmal kurz zum Song. Für alle, die Harry Potter nicht kennen erstmal die Frage: Was ist los mit euch? Das Konzept hinter dem Begriff ist ja, dass man – in diesem Fall ein schwarzer Magier – einen Teil seiner Seele abspaltet und außerhalb seines Körpers aufbewahrt. Somit verbleibt ein Teil der Seele im eigenen Körper und der andere Teil ist sicher in einem Horcrux aufbewahrt. Kann man natürlich auch so interpretieren, dass man einfach bestimmte Momente/Themen/ Gefühle, die man verdrängen möchte, einfach wegschließt und die Seele davon befreit. Auf deinem Track sagst du, dass dieser Song der Horcrux ist. Magst du hier nochmal genauer auf die Referenz und die Bedeutung des Songs für dich eingehen?
Der Song geht an sich darum, wie ich Schluss mache und das hat sich für mich so angefühlt als hätte ich jemanden umgebracht. Und als ich dann hier saß und irgendwann angefangen habe zu schreiben und gemerkt habe, dass ich daraus jetzt ja einen Song mache kann, war das für mich dann sogar was positives. Dieser Song bleibt und dieser Song macht mich unsterblich in Anführungsstrichen. Da habe ich gedacht, das ist auf jeden Fall schwarze Magie. Das ist mega scheiße. Das ist auch ihr gegenüber mega scheiße und ich habe mich gefühlt wie so’n Monster als wenn ich, wenn ich das jetzt machen würde, ein Stück meiner Menschlichkeit einbüßen würde – zugunsten meiner „Unsterblichkeit“ als Musiker, indem ich einen Teil darin von mir konserviere einfach so, aber auch dieses Opfer bringen muss dafür. So wie Voldemort halt. Habe dann halt recht schnell an diese Voldemort Sache gedacht. Und das ist schon irgendwie echt scheiße. Ich habe in dem Song auch die Zeile mit der rhetorischen Frage an mich selbst „Ist es okay mich an deinen Tränen zu bereichern?“.

Ich habe auch mal mit Henning von AnnenMayKantereit darüber geredet, dass es ja irgendwo dieses Mädchen geben muss, diese Pocahontas, über die er da in seinem Song singt. Und wie das für dieses Mädchen auch sein muss, wenn man der Sache aus dem Weg gehen will und man hört aber im Radio diesen Scheiß Song, man kann gar nicht loslassen und noch viel schlimmer: Aus diesem, für dich traurigen, Punkt macht dein Ex-Freund für sich einen Karriereschritt und das ist ja eigentlich schon so’n mega unmoralischer Scheiß. Also jetzt nicht nur „Pocahontas“, sondern genauso „Horcrux“. Das ist mir dann erstmal bewusst geworden, dass es ja total viele solcher Songs gibt. Und war dann auch so… da muss man auf jeden Fall mal drüber nachdenken, dass das komisch ist. Also ich hab’s ja trotzdem releast, das ist noch komischer. Aber ich habe sie vorher gefragt. Ich dachte, ich schicke ihr den Song lieber jetzt, dann weiß sie, dass der Song irgendwann kommen wird und bei einem anderen Song meinte sie auch, dass sie es nicht cool findet, dass ich über sowas rede.

Ich denke auch, dass der jetzt für sie komisch ist, aber sie weiß jetzt, dass es kommt und ich glaube, das ist cooler als wenn es so irgendwann aus dem Nichts kommt und man hat das Gefühl so „Krass, jetzt erzählst du der „Öffentlichkeit“ von diesem intimen Moment“ – auch wenn es dann natürlich der letzte dann irgendwie ist. Das ist ja eigentlich was, was prinzipiell gar nicht anzugehen hat sowas. Ich würde mich da auch auf jeden Fall entblößt fühlen. Ich weiß auch gar nicht, ob es vielleicht dumm war, aber in dem Moment erschien es mir einfach fair, ihr zu sagen und ihr auch zu sagen, dass sie doch erstmal checken soll, ob das klar geht, was ich in den Songs sage.

Naja, ich denke auch, dass es doch am vernünftigsten so war von dir. Auf jeden Fall: Krasser Song!
Ja, ich mag den auch. Also ich finde der und „Bomberman“ sind die Songs, wo ich gemerkt habe… ich habe ein bisschen Angst gehabt, ich wusste ja nicht, was die Leute an „Arvrakadavra“ mochten und ich hatte Angst, dass es vielleicht andere Sachen sind als die, die ich an meiner Musik mag. Bei den beiden Songs hatte ich aber das Gefühl, okay, da bin ich mir eigentlich fast sicher, dass – egal womit die Leute vorher connectet haben, das muss auch irgendwie ein Teildessen gewesen sein. Ich krieg’s schreibmäßig und musikmachtechnisch irgendwie so hin, Musik zu machen, die Sachen transportiert ohne jetzt zu verkopft sein zu müssen. Bei „Bomberman“ ist es eher das Arrangement, bei „Horcrux“ ist es so die Erzählweise, wo ich gemerkt habe, ich kann echt coolen artsy Rap machen und ich bin echt besser geworden in dem, was ich mache. Und sonst gehe ich immer sehr, sehr hart mit mir ins Gericht und bin sehr selten stolz auf das, was ich mache und könnte eher immer sagen, was ich alles anders gemacht hätte. Aber bei den beiden Songs bin ich echt happy gewesen, dass ich die geschrieben habe.

Ja, ich finde „Horcrux“ ist auch so’n guter Abschluss für’s Album, der rundet das ganze total ab und haut aber dabei nochmal richtig rein.
Der lässt einen komisch zurück so, nä?

Voll und ich war komplett überrascht als der kam und der hat auch so richtig reingedrückt.
Ja, das ist cool. Ich habe das in dem Moment auch so empfunden und dann hoffe ich natürlich auch, dass es wer anders auch so fühlt. Ich kann das jetzt nicht so konstruieren, dass es jemanden damit so geht, aber wenn du sagst, dass es so ist… der klingt ja auch so super lang aus. Dann sitzt man da erstmal und denkt „Okayyy… was passiert..hart!“.

Genauso war das halt auch, danach habe ich erstmal fünf Minuten gesessen und gar nichts gemacht und einfach nur darüber nachgedacht, was ich gerade fühle und wie ich das alles finde und so. Ich kann jetzt ja mal sagen, ich find’s echt mega stark, das ganze Album auch. Ehrlich.
Cool! Das freut mich! Was ich dir auch empfehlen kann, ist von Paolo Nutini ein Song, der heißt „Iron Sky“ und das dazu gibt es auch so ein krankes Video. Das hat einen auch so, irgendwie unangenehm zurück gelassen und sowas hatte ich bei „Horcrux“ auch gehofft. Aber geil, dass du das als gutes Ende empfindest. Ich finde auch, irgendwie muss danach jetzt nichts mehr kommen. Das ist ein schöner Rahmen mit „Bomberman“ und ich finde es auch schöner als ein Happy End, wenn es auf einer traurigen Note endet.

[Es folgt an dieser Stelle ein kurzer Austausch darüber, ob wir das Interview nach der vereinbarten halben Stunde nicht doch einfach überziehen können. Können wir glücklicherweise. Weiter geht’s!]

Beim jetzigen Album waren ja wieder Dienst & Schulter am Werk und die Beiden haben auch dieses Mal geile Arbeit geleistet und das Album produziert. Shout Out an dieser Stelle! Die Jungs begleiten dich jetzt schon seit 2016 und sie sind auch bei den Live- Shows unverzichtbar – würdest du denn sagen, dass sie zu deiner Rolle als Goldroger dazu gehören?
Mittlerweile schon irgendwie, also ich wüsste jetzt nicht, ob ich guten Gewissens ein Album mit anderen Leuten machen könnte und das als Goldroger rausbringen könnte. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber ich kündige uns auch immer an als „Wir sind Goldroger“. Ich fände es aber genauso unangenehm, wenn wir uns als Band im klassischen Sinne definieren würden. Es ist ein bisschen so als wären wir in einer offenen Beziehung. Eigentlich schlafe ich trotzdem nur mit den Jungs, aber ich will zumindest wissen, dass ich mit wem anders auch ins Bett könnte. Es ist irgendwie sehr, sehr schwer zu definieren. Also sie gehören, an diesem Punkt auf jeden Fall, dazu. Vielleicht ist es irgendwann nochmal so, dass ich sage, ich mache jetzt nochmal unter einen anderen Namen weiter, oder wir bleiben noch lange in unserer offenen Beziehung und trösten uns immer mit dem Gedanken, dass wir jeder Zeit gehen könnten und vielleicht hält das ja noch ein paar Jahre.

Wer weiß… ist für dich Goldroger denn eine Rolle, die du einnimmst? Wie viel von dir persönlich steckt da drin?
Goldroger ist für mich auf jeden Fall ein Projekt und das hilft mir auf jeden Fall für mich selbst diese Definition zu haben und suggeriert mir selber, dass da so eine Distanz ist, aber eigentlich ist da auch sehr wenig Distanz. Es ist schon super autobiografisch, sehr persönlich, es gibt kaum Filter. Im Grunde ist schon sehr, sehr… keine Rolle eigentlich. Bei Avra noch mehr, da habe ich es ein bisschen überzogen, aber jetzt ist es immer mehr so, dass ich mich in Assoziationsketten flüchte. Die Texte sind dann so verpackt, dass nicht eine ganz nackte Erzählung von mir ist, sondern eine Hyperrealität.

Du meintest vorhin ja schon, dass du eigentlich nie zufrieden bist mit dem, was du machst oder eher schwer zufrieden zu stellen bist. Wenn du deine Sachen schreibst, zeigst du die dann bestimmten Personen? Um dir vorher eine Meinung einzuholen oder bist du da ganz allein mit dir selbst?
Ich habe das mal versucht, weil mir erzählt wurde, dass man das so macht. Aber für mich hat so ne Gruppenarbeit überhaupt nicht funktioniert. Das war auch die Phase als ich nach Arvra dann irgendwie die Lust am Schreiben verloren habe und mir die Meinung von anderen Leuten zu sehr zu Herzen nehmen wollte. Dann so von Leuten, die in der Musikindustrie unterwegs sind und sagen, dass alle Lines für jeden verständlich sein müssen. Und man am Ende dann bei so Deutschpop landet, der total belanglos ist, Da kannst du deinen Text nicht „Speedball Drive“ nennen, weil irgendwer wird das nicht verstehen und dann kann es kein Hit werden und so. Und wenn das der Preis ist, dann lasse ich das. Das war auch der Ansatz, wo ich dann wieder Lust hatte und gesagt habe „Na gut, dann soll’s nicht sein, dann bin ich wohl nicht der nächste Mark Forster. Fuck that.“ Und dann ging es mir auf einmal leicht von der Hand. Ich achte eigentlich darauf, dass ich die Texte niemanden zeige bevor ich aufgenommen habe und wenn ich’s aufgenommen habe, bin ich meist schon so „Ne, ich habe gar keine Lust mehr mich damit rumzuärgern“. Hab wohl eine sehr umkompromisslose Aura. (lacht) Keiner versucht mich da auch mehr in diese Richtung zu drängen.

Ja, es scheint doch auch zu funktionieren, also warum nicht.
Es gibt einen Rapper, ich weiß nicht, ob du den kennst, der heißt Yrrre, der ist sehr Underground noch und den hatten wir auch bei der letzten Tour als Support mit. Immer wenn der mir Sachen schickt, denke ich mir „Junge, du dürftest sogar mal einen Track für mich schreiben. Ich würde alles, was du schreibst komplett auch rappen als wäre es mein eigenes Ding“. Und da hatte ich jetzt tatsächlich überlegt – eigentlich, hätte Corona nicht reingekickt – wollte ich mit den Jungs nach Malta, so’n bisschen Musik machen in der Sonne und um Vibes zu catchen. Und da hatte ich überlegt, ob ich Yrrre frage, ob er mitkommen will. Das ist für mich ein riesen Schritt. Weil da gibt es halt den einen. Den einen, bei dem ich mir vorstellen kann, dass der das so checkt und er sagt „mach das doch lieber so die Zeile“, dass ich’s machen würde. Aber bei allen anderen empfinde ich das krass als Belästigung. Ich hasse Gruppenarbeiten. Ist überhaupt nicht mein Ding.

Ne, war schon in der Schule scheiße, ist es jetzt auch immer noch.
Ja, auf jeden, sehe ich genauso! (lacht)

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Für die Bühne hat es leider nicht gereicht, deshalb schreibt Liv jetzt einfach über Musik.



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