Reviews

Veröffentlicht am 14.05.2020 | von Susan

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THE DEARS – Lovers Rock

I can finally feel
The age coming upon us
And how
It hasn’t been entirely worthwhile

I can definitely feel
The ails taking over us
And now
We’re at the bottom of a trash pile

(The Dears – Heart Of An Animal)

Foto © Richmond Lam

In Momenten wo es den meisten Menschen schon peinlich ist in der Öffentlichkeit zu niesen, kommt das nun schon achte Album Lovers Rock von The Dears, das am 15. Mai erscheint, gerade richtig. Denn die Orchestral Pop Noir Band, die 1995 von Murray Lightburn gegründet wurde, hat Themen wie Isolation und das Überleben, in den insgesamt 10 Songs näher betrachtet und trifft damit bekanntermaßen die aktuelle Grundstimmung. Denn auch Lightburn und Natalia Yanchak, Lightburns Ehefrau und Keyboarderin von The Dears, verbrachten die letzten Monate hauptsächlich in ihrem Haus in Montréal. Doch statt sich einzuigeln, nutzten sie die #stayathome-Zeit den letzten Schliff an Lovers Rock vorzunehmen. Und das merkt man nicht nur an den Lyrics, sondern allgemein wirkt alles ein wenig entschleunigt. Letztes Jahr war Lightburn noch mit seiner Solo-Platte Hear Me Out auf Tour und hatte parallel schon an den Arbeiten vom neuen The Dears Album gearbeitet – selbst für einen Workaholic wurde das irgendwann zu viel.
Und so wirkt das neue Album, durch die turbulente Zeit in der es entstand, schon mit dem Opener Heart Of An Animal, ein episches Stück, wie maßgeschneidert für eine Pandemie. Angetrieben von dichten Gitarrenriffs wird eine Stimmung erzeugt, die an Rock-Hymnen der 90er erinnert.
Auch No Place On Earth befasst sich mit der Tragik der Vergänglichkeit, der Unwissenheit wohin das alles führen wird und komplementiert damit das Gesamtbild der Gesamtsituation. Noch treffender wird es dann in Play Dead, einem apokalyptischen Love-Song, der eine unsagbare Schwere ausstrahlt.
Damit ist den Kanadiern etwas Ähnliches gelungen, wie während ihres Durchbruchs 2003, als sie mit ihrem Album No Cities Left, quasi den traumatischen Soundtrack für 9/11 veröffentlichten. Der Hang zu Krach und Getöse und das Hauptaugenmerk auf Lovesongs mit dem nötigen Tiefgang kommt gerade zu Zeiten der Ungewissheit und des gesellschaftlichen Wandels, ob gewollt, oder ungewollt, gut an und könnte fast schon als Musiktherapie bezeichnet werden. Damit sollte Lovers Rock definitiv aber Gehör finden, ist allerdings nichts für Gute-Laune-Verfechter, Verschwörungstheoretiker oder Angsthase.

The Dears – Lovers Rock
VÖ: 15.05.2020 / Dangerbird Records, Bertus
www.thedears.org
www.facebook.com/TheDears

YouTube video

 

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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