Kritik

Veröffentlicht am 6.05.2020 | von Julius Tamm

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ZEROZEROZERO – Staffel 1 – Kritik

„Rules of Honor don´t tell you you have to be good. Just upright.“

Spätestens seit der Netflix-Erfolgsserie Narcos ist eine breite Faszination für das Thema Drogenhandel/-schmuggel bei den Konsument*innen von Unterhaltungsmedien entfacht. Vielleicht sind es die verwobenen Machtverhältnisse, vielleicht der Reiz des Illegalen oder die Game of Thrones ähnlichen Intrigen – egal wie, das Setting zieht. Nun hat auch der Pay-TV-Anbieter Sky von den Serienmachern Leonardo Fasoli, Mauricio Katz und Stefano Sollima ein Format rund um das weiße Gold Kokain produzieren lassen.

Normalerweise laufen Serien, in denen irgendeine Droge gehandelt werden soll, immer nach dem gleichen Schema ab. Ein Drogen-Dealer oder eine Organisation versucht durch den Verkauf ihrer Ware größer zu werden, während eine staatliche Behörde versucht, sie daran zu hindern. Und mit wenigen Ausnahmen finden diese Handlungen in oder um Südamerika statt. ZeroZeroZero ist anders.

Wir erleben drei parallellaufende Handlungsstränge, die sich rund um eine einzige Lieferung Kokain drehen. Jeder dieser drei Stränge spielt in einem anderen Land – Mexiko, Italien, USA – mit anderen Protagonist*innen, die sich immer wieder über den Weg laufen. Da gibt es Emma Lynwood (Andrea Riseborough) und ihren Bruder Chris (Dane DeHaan), die die Reederei von ihrem Vater übernommen haben. Mit einem Frachtschiff bringen sie das Kokain von Mexiko nach Italien und investieren dafür ihr ganzes Vermögen. Währenddessen bekriegt sich in Italien eine Mafia-Familie in Kalabrien untereinander. Pate Don Minu (Adriano Chiaramida) hat das Kokain bestellt, um etwaige Streitereien innerhalb der Familie zu besänftigen, doch sein Enkel Stefano (Giuseppe De Domenico) ist auf Rache für seinen Vater aus und versucht um jeden Preis, die Lieferung zu verhindern und seinen Großvater zu stürzen. Letzter im Bunde ist der korrupte Elitesoldat Manuel (Harold Torres). Er arbeitet heimlich für das Kartell in Mexiko und versucht mit allen Mitteln, die Lieferung nach Italien zu bringen und gleichzeitig weiter aufzusteigen.

Was die drei Showrunner mit ZeroZeroZero produziert haben ist ein faszinierender Versuch, Sicario und Der Pate zu verknüpfen. Und es funktioniert. Die Intrigen eines Mafia-Films verbinden sich hervorragend mit der rohen Gewalt von Drogenkartellen und es entsteht ein facettenreiches, vielschichtiges Gesamtkonstrukt. Die Sequenzen der amerikanischen Reederei als Ping Pong Ball der beiden kriminellen Organisationen liefern zwischen all der Spannung immer wieder Luft zum Atmen, ohne dabei selbst an Spannung zu verlieren. Einziges Manko an der ganzen Sache ist das Frauenbild. Außer Andrea Riseborough gibt keine einzige Frau, nicht mal als Nebenrolle, die etwas zu sagen hat. Frauen tauchen nur als Objekt der Begierde, Hausfrau oder Mutter auf und gehen sonst komplett unter. Wer jetzt sagt, dass das in solchen Organisationen nun mal so ist, hat vielleicht recht, aber in einer fiktiven Erzählung ist niemand gezwungen, dieses Narrativ fortzusetzen.

ZeroZeroZero – Season 1
Schöpfer: Leonardo Fasoli, Mauricio Katz, Stefano Sollima
Darsteller: Andrea Riseborough, Giuseppe de Domenico, Gabriel Byrne, Dane DeHaan
Heimkino-VÖ: 7. Mai 2020, STUDIOCANAL

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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