Kritik

Veröffentlicht am 8.06.2020 | von Dominik

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VIVARIUM – Filmkritik

Ich weiß nicht warum wir das machen. Anscheinend komm die nie, wenn wir darauf warten, um sie mit der Spitzhacke zu erschlagen.

(Gemma – Vivarium)

Der Immobilienmarkt in Großstädten kann sich für junge Familien schon mal wie Horror anfühlen, mal aufgrund der unüberwindbar erscheinenden riesigen Konkurrenz, mal wegen den doch sehr antiquierten Objekten, die für teures Geld angeboten werden. Der irische Filmregisseur Lorcan Finnegan lässt bei seinem zweiten Langfilm-Projekt Vivarium ein junges Paar in genau diesem Setting einen etwas anderen Horror durchleben – wir haben uns den Film zum hiesigen Heimkinostart angeschaut!

Gemma (Imogen Boots) ist Lehrerin und ihr Freund Tom (Jesse Eisenberg) Gärtner – klar, dass sie aufgrund ihrer finanziellen Mittel nicht die größten Chancen auf ein Eigenheim inmitten der Stadt, in der sie arbeiten, haben. Drum probieren sie es in einer neuen Wohngegend namens Yonder etwas außerhalb, wo ein Haus dem anderen gleicht. Während der Besichtigung verschwindet allerdings der Makler und sie finden keinen Ausweg mehr aus den mit immer gleichen Häusern gezierten Straßen. Als sie versuchen ihr Haus in Brand zu stecken, um irgendwie Aufmerksamkeit zu erregen, steht am nächsten Tag auf zauberhafte Weise ein neues, wieder gleiches Haus an der Stelle und ein Paket auf der Straße, in dem sich ein Baby befindet – mit dem Hinweis: „Zieht das Kind auf und werdet erlöst“

Während Gemma sich immer mehr dem Kind, das wahnsinnig schnell wächst, die beiden bis ins kleinste Detail studiert und imitiert, widmet, versteift sich Tom darauf irgendwie einen Ausweg finden zu müssen. Tagtäglich gräbt er im Vorgarten, wobei es ihm immer schlechter geht und sich auch die beiden immer weiter voneinander entfernen.

Mit ordentlich Tempo entfaltet sich das Grundgerüst von Vivarium im ersten Drittel, sodass man sich schnell fragt, was denn jetzt noch passieren soll, woraufhin die Beziehung der Familie wider Willen in den Mittelpunkt rückt und die Handlung erstmal lahm legt. Und hier liegt auch der größte Schwachpunkt des Mystery-Films, der einem zwar nach und nach kleinere Happen an Informationen serviert, während die Monotonie des Alltags der Gefangenen in der Monotonie des Films resultiert und letztlich auch nicht wirklich Aufklärung betreibt. Denn zwar erfährt man mehr über das Kind und die Siedlung – aber nicht woher ihre Macht kommt, wie die Siedlung entstanden ist und was ihr Ziel ist. So fühlt sich Vivarium letztlich wie eine Art Mix aus Twilight Zone und Black Mirror an, der allerdings nicht konsequent zu Ende geführt wurde, sondern noch relativ roh daher kommt.

Vivarium (IRE, USA, BEL, DEN 2019)
Regie: Lorcan Finnegan
Darsteller: Imogen Poots, Jesse Eisenberg, Senan Jennings, Eanna Hardwicke
Heimkino-VÖ: 12. Juni 2020, Concorde Video

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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