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Veröffentlicht am 29.07.2020 | von Lea Kleisinger

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ANOTHER SKY – I Slept On The Floor


Foto © Parri Thomas

Desperation on every street corner
Let the blues through, they’ll restore order
They are not bad men
They’re in schools, they’re your boyfriends.
A man shot dead while the world slept
The killer free, the police said
“a spider lived under my bed
And I was scared, I broke its legs”.
These days have no up or down
What the fuck keeps us hanging around?
In the barracks, behind the keyboards
We are the bird-song, we are the seabed
Back in the trees, saying words wrong
The bailiffs climb and find us.

(Another Sky – Avalanche)

Another Sky, so heißt die junge Band aus London, die sich ihren Namen nach dem hoffnungsvollen Emily Dickinson Gedicht Theres Another Sky gab. Sie scheinen den ewigen Kampf zwischen Hoffnung und Dunkelheit förmlich zu verkörpern. Die mächtige, atmosphärische Musik der Band und die unglaubliche Stimme der Frontfrau Catrin rauben einem den Atem. Eindringliche Gitarrenspuren von Jack, treibende Drums von Max und der groovige Bass von Naomi vereinen sich mit Catrins Keyboard und Synthesizer Melodien zu harmonischen Kompositionen. Und das ist nicht alles, denn die vier Künstler*innen haben überhaupt keine Angst vor politischen Statements. Catrin erzählte in einem Interview, dass sie in einer rechten Umgebung aufgewachsen ist und früh versuchte dieser mithilfe von Musik zu entfliehen. Mittlerweile ist sie an einem Punkt angekommen, bei dem sie und die Band sich aktiv gegen gesellschaftliche Probleme äußern. Ob es um Polizeigewalt, toxische Maskulinität, White Privilege, Depression, Gewalt oder Hoffnung geht, das Album beschäftigt sich mit allem was in unserer Gesellschaft schiefläuft und letztendlich auch miteinander zusammenhängt. Genauer gesagt soll das Album jedoch besonders verkörpern, dass man Orte und Situationen meist erst vollständig erkennt, wenn man weit genug von ihnen entfernt ist. Deswegen ist es wohl manchmal am mutigsten zu gehen und seine eigenen Grenzen und Prinzipien abzustecken.

Ihr Debütalbum I Slept On The Floor beginnt mit How Long? Mystische Klänge erheben sich, bis der musikalische Vulkan ausbricht. Die Gitarre leitet die Eruption ein, bis sie plötzlich erlöscht und sanfte Klänge wieder übernehmen. Catrins flüsternde, hohe Stimme setzt ein und leitet das Intro magisch aus. Fell In Love With The City lässt nicht lange auf Dynamik warten. Synthesizer und Drums treiben das Lied an bis Caitlins Stimme einsetzt. Man bemerkt schnell die überwältigend starke Bruststimme der Sängerin, die sie spielend leicht zu ihrer opernartigen Kopfstimme umwandeln kann. Auch Brave Face mit der tänzelnden Gitarre und den rhythmischen Drums zeigt ein neues Bild der Band. Catrins androgyne Bruststimme wirkt wütend. Das behält sie auch beim nächsten Track bei. Riverside wirkt etwas traditioneller und hat schon fast einen folkloristischen Sound. Im Gegensatz dazu konnte man The Cracks schon etwas länger lauschen. Das 2019 erschienene Lied erfüllte Zuhörer schon letztes Jahr in freudige Erwartung. „All hail the age of chaos. Winters of heat and loneliness. Is it enough that we try to see the void? Give pain a voice.“ Dieser Track hat vielleicht mit der immer stärker unter psychischen Problemen leidenden Jugend den perfekten Ansprechpartner gefunden. Erfreulicherweise ist die zweite Hälfte des Albums genauso stark wie die erste. Der mitreißende Track Avalanche ist nur eins der vielen Highlights des Albums. All Ends und Only Rain leiten das Album etwas ruhiger aus.

Another Sky sind ein musikalisches Erlebnis. Sie stehen zwischen vielen Genres und erinnern in ihrem Sound bestimmt an den ein oder anderen düsteren Indie-Electro-Rock. Die Stimme von Catrin ist jedoch einmalig und ehrlich gesagt der Flow der Band auch. Ach und noch etwas. Wenn man die Möglichkeit hat Another Sky live zu sehen, sollte man das unbedingt tun!

Another Sky – I Slept On The Floor
VÖ: 7. August 2020, Caroline
www.underneathanothersky.com
www.facebook.com/UnderneathAnotherSky

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