Kritik

Veröffentlicht am 29.07.2020 | von Dominik

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FREIES LAND – Filmkritik


Foto-© Verleih Telepool

Willkommen in den blühenden Landschaften!

(Markus Bach – Freies Land)

Mit seinem Film Antikörper gelang dem hessischen Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Christian Alvart der große Durchbruch, der ihn zwischenzeitlich auch nach Hollywood (Fall 39, Pandorum) katapultierte und als Genrefilmer hierzulande positionierte. Mit seinem aktuellen Film Freies Land inszeniert er einen spannenden Thriller im tiefsten Osten kurz nach der Wende, basierend auf dem spanischen Thriller Mörderland (2014).

Patrick Stein (Trystan Pütter) wäre überall lieber als in diesem verschlafenen Nest in Mecklenburg-Vorpommern, in das er versetzt wurde nachdem er prinzipientreu bei seinen Vorgesetzten angeeckt ist. Zusammen mit dem ostdeutschen Kommissar Markus Bach (Felix Kramer) soll er vor Ort das Verschwinden zweier Teenager-Schwestern aufklären. Doch diese sind nicht die einzigen jungen Frauen, die wie vom Erdboden verschwunden zu sein scheinen, sind doch viele nach der Wende abgehauen, ohne jemals wieder gehört worden zu sein. Als die beiden Schwestern tot aufgefunden werden, ist klar, dass mehr hinter den Fällen steckt – nur müssen sich die beiden ungleichen Kommissare ohne Vorurteile zusammen tun und an einem Strang ziehen, um den Fall zu klären.

Eine Geschichte, die sich neben einem Mordfall im Vordergrund mit den politischen Wirren eines Landes befasst, in ein komplett anderes Setting zu versetzen, erscheint erstmal relativ schwierig. Doch Christian Alvart schafft diesen Spagat und findet genug Parallelen aus der Vorlage Mörderland, die in Spanien in den frühen Achtzigerjahren spielte, und der ostdeutschen Einöde kurz nach der Wende. In atemberaubenden Bildern lässt er durch Drohnen-Aufnahmen die graue Tristesse einfangen, während die beiden Hauptcharaktere (angenehm kantig und kauzig Felix Kramer, während Trystan Pütter seinen Part teils etwas holprig spielt) immer tiefer in die Wirren dieses Falles geraten, der auch immer wieder an die erste Staffel von True Detective (gerade was die Charakter-Zeichnung der Ermittler betrifft) erinnert. Auch wenn der Film letztlich etwas lang geraten ist und hier und da kleine Handlungslücken auffallen, besticht besonders der Look und die Ausstattung des Films, sodass man hier endlich mal wieder von einem besonderen und empfehlenswerten deutschen Thriller sprechen kann.

Freies Land (D 2019)
Regie: Christian Alvart
Darsteller: Trystan Pütter, Felix Kramer, Nora Waldstätten, Ben Hartmann, Ludwig Simon, Uwe Dag Berlin, Leonard Kunz
Heimkino-VÖ: 23. Juli 2020, Euro Video

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Über den Autor

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