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Veröffentlicht am 17.08.2020 | von Christian Weining

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SOPHIA – Holding On/Letting Go


Foto-© Courtesy of the record label

Some say the flutter of wings can cause mayhem
On the other side of the world
Well that’s a beautiful idea
And maybe that explains the strange attractor
Between boys and girls

(SOPHIA – Strange Attractor)

Mit Holding On/Letting Go erscheint dieser Tage das 8. Studioalbum von SOPHIA, dem altehrwürdigen Bandkollektiv um Robin Popper-Sheppard, das seit 24 Jahren für schwermütigen Alternative Rock und melancholisches Songwriting steht. Als würde Proper-Sheppard einen Kreis schließen wollen, ist es außerdem seit dem Debutalbum Fixed Water (1996), das erste Album in voller Bandbesetzung. Und so heißt es auch in der Presseinfo vorsichtig, es sei „der vorerst letzte Schritt einer langen Reise, die vor dreißig Jahren ohne Ziel begann.

Viel könnte man über Projekte und Entwicklung von Popper-Sheppard schreiben, am Ende bleibt bei allem, was er über die Jahre in die Hand genommen hat vor allem seine hohe markante, aufgeriebene Stimme, volle Akustik Gitarren, tiefe Gefühle und Melancholie in seiner reinsten Form. Der schon länger in Berlin lebende und arbeitende US-Amerikaner hat sich mit dem Erscheinen von Sebastian Schippers Debütfilm Absolute Giganten (1999) in Deutschland früh eine Fanbase geschaffen. Unvergessen sind die Worte von Frank Giering über SOPHIAs cineastisches Meistertück Reprise, sowie der Schluss-Moment des Films, das hängende If Only mit Blick auf den Hamburger Hafen.

Auch unter den zehn neuen Stücken befinden sich solche, in den richtigen Momenten, für Gänsehaut sorgende Hymnen. Allen voran Alive mit Terry Edwards klagendem Saxophon, Gathering The Pieces oder Wait (I’m Sorry). Andererseits warten SOPHIA auf ihrem vielleicht letzten Album auch mit härteren Rock Songs auf, wie mit dem Opener Strange Attractor oder We See You (Taking Aim), einem politischen Song gegen die Macht des einen obersten Prozents. Musikalisch vernimmt man hier und da Progressive-Rock Einflüsse, mal klingen sie leicht nach den ehemaligen Label Kollegen The Cure und immer auch ein bisschen nach den Gallagher-Brüder. Insgesamt ist das Album etwas ausgeglichener und aufgeräumter als die bisherigen, es krächzt und knarzt weniger, dafür gibt es cleanere Aufnahmen und weniger Ausflüge in experimentelle Gefilde.

So oder so, fast jede Melodiephrase ist so typisch Popper-Sheppard, dass man staunen kann, wie man nach so vielen Jahren immer noch so auf den Punkt das abrufen kann und will, was man einst zu seinem Stil gemacht hat. Ist das langweilig? Vielleicht.. aber das zählt nicht, denn die Songs funktionieren genauso wie einst auf The Infinite Circle (1998).

SOPHIA zeigen, dass sie auch heute noch der Inbegriff von Songwriter Rock sind. Vielleicht mit weniger epischen Auswüchsen, aber immer noch tiefgehend bis in die Haarspitzen und doch so offen und umarmend wie der stille, sonnige Morgen nach einer durchgemachten Nacht. Auf Holding On/Letting Go führen sie fort, was sie vor 24 Jahren begannen. Ob sich SOPHIA nun verabschiedet oder es eben doch nur ein „vorerst“ letzter Schritt ist, bleibt offen. Man würde sie vermissen.

SOPHIA – Holding On/Letting Go
VÖ: 21. August 2020, The Flower Shop Rec.
www.sophiamusic.com
www.facebook.com/thesophiacollective

YouTube video

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