Kritik

Veröffentlicht am 29.09.2020 | von Julius Tamm

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DON’T LET GO – Filmkritik

„Kann man Perfektion noch verbessern?“

In den letzten Jahren sind amerikanische Cop-Filme ein bisschen von der seriösen Leinwand verschwunden und haben sich in das Comedy-Genre zurückgezogen. Let’s be Cops, R.I.P.D oder Stuber sind nur ein paar Beispiele. Don’t Let Go von Regisseur Jacob Estes versucht den Spieß umzudrehen. Der Versuch, einen düsteren, spannenden und mysteriösen Thriller zu drehen, hat leider nicht so ganz funktioniert.

Detective Jack Radcliff (David Oyelowo) ist nicht nur ein guter Cop, sondern auch ein liebevoller Onkel für seine Nichte Ashley (Storm Reid). Die beiden sind fast so eng wie Vater und Tochter. Als Ashley und ihre Familie ohne Vorahnung ermordet werden, bricht für Jack eine Welt zusammen. Während sein Revier den Vater der Familie, Jacks Bruder Garrett (Brian Tyree Henry), verdächtigt, sich selbst, seine Frau und seine Tochter getötet zu haben, sucht der Polizist auf eigene Faust nach Spuren. Wirklich mysteriös wird der Fall aber erst, als ihn Ashley plötzlich anruft und mit ihm redet, als wäre nichts passiert. Nachdem er den Schock verdaut hat, sieht Jack in dieser übernatürlichen Verbindung die Chance, den Mord aufzuklären und vielleicht sogar zu verhindern.

Ein Polizist, der durch einen Kontakt ins Jenseits oder in eine andere Zeit Fälle löst, ist ein ziemlich alter Hut. Trotzdem bietet die Thematik immer noch viel Potenzial, wird sie richtig umgesetzt. Ein Potenzial, dass Jacob Estes in Don’t Let Go nicht wirklich ausnutzt. Zwar ist es eine spannende Idee, die Möglichkeit, in die Vergangenheit zu telefonieren, trocken zu inszenieren – keine wissenschaftlichen Erklärversuche, es ist einfach so – aber dann darf es nicht an Spannung fehlen. Viel zu lang braucht Estes, um seine Story zu entwickeln. Eine Story wohlgemerkt, die gar nicht so viel Material hergibt. Bis zum ersten Anruf Ashleys aus der Vergangenheit, passiert so viel Nichts, dass die Motivation weiterzuschauen, rasant abnimmt. Außerdem hat Don’t let got einige Logikfehler (wie sollte es bei einem Film mit einer Art Zeitreise auch anders sein), die sich nicht so einfach ignorieren lassen. Wieso erreicht Ashley ihren Onkel in der Zukunft und nicht den Jack in ihrer Gegenwart? Und wieso zeigt Jack niemandem die Anrufe von Ashley, wenn Personen sogar während des Anrufs neben dran stehen? Alles in allem wird sich während Don’t let go entweder gelangweilt oder geärgert – vom Thrill in Thriller fehlt jede Spur.

Regie: Jacob Estes
Darsteller: David Oyelowo, Storm Reid, Mykelti Williamson, Alfred Molina, Brian Tyree Henry
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020, Universal Pictures Germany GmbH

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und schreibt auch noch drüber. Autor bei bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt, hr-iNFO Online und hessenschau Social Media.



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