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Veröffentlicht am 4.09.2020 | von Anne Beier

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HAIKU HANDS – Haiku Hands

We walk the plank, off the chain, we spank the track
We crawl the floor, shake the dust, we strike the match
We watch the clock, tick the tock, until the ceiling broke
We rule the game, play to win, we get the joke
We don’t let your moves get in the way
Sidestep all your normal everyday
Straitjacket life, we rip it off, let yourself be free
Wake up the night, you be the boss, now come follow me

(Jupiter – Haiku Hands)

Foto © Dan Fairman

An Energie mangelt es den drei australischen Frauen von Haiku Hands nicht: Auf ihrem lang erwarteten und erst kürzlich angekündigten Debütalbum geht es richtig ab. Haiku Hands sind Beatrice Lewis, Claire Nakazawa und Mie Nakazawa und kommen aus Melbourne und Sydney. Als Kollektiv thematisieren sie soziale Normen visuell und lyrisch und setzen damit auf aufregenden elektronischen Sound mit Einflüssen aus Hip Hop zu Pop, Elektro und Dance. Damit klingen sie so modern und mitreißend, dass CLASH sie 2018 als größte musikalische Entdeckung des Jahres bezeichnet hat. Nach einigen Singleauskopplungen, Vorbandauftritten für Tame Impale und Festivalshows erscheint nächsten Freitag nun ihr Erstlingswerk bei Mad Decent / Caroline / Universal. Die drei Künstlerinnen haben mit einigen der bekanntesten australischen Produzentenn und Songschreibern wie El Gusto (Hermitude), Joelistics, Jaytee Hazard und Lewis CanCut zusammengearbeitet und ein selbstbewusstes, frisches und kompromissloses Erstlingswerk vorgelegt.

Schon der ravige Openingtrack Not About You ist eine Attacke auf die Tanzfläche – besonders in einem Jahr, in dem die meisten Tanzflächen geschlossen sind, ein sofortiger Stimmungsaufheller. Die Vorabsingle Manbitch ist einer der ersten Songs, die das Trio je zusammen geschrieben hat und vereint alle Stärken der Band: Auf humorvolle Art wird vor pulsierendem Clubsound das Konzept der „Bitch“ für alle Gender geöffnet und macht so geschlechtsunabhängige Ermächtigung möglich. Jupiter hat einen wunderbaren 80s-Pop-Sound vor wahnsinnig selbstbewusstem Gesang, Sias Chandelier wird zitiert, die rhythmischen Gitarren und Synthesizer reißen mit, es ist einer der coolsten Songs auf der Platte. Überhaupt finden sich viele popkulturelle Zitate auf dem Album: Madonnas Vogue-Motiv findet sich immer wieder auf der Single Fashion Model Art. Der dancelastige Track thematisiert auf augenzwinkernde Weise die Ernsthaftigkeit der Modeszene. Andere Songs wie Onset oder Mechanical Animal sind sehr Hip-Hop-lastig und chaotischer. Immer wieder arbeiten Haiku Hands mit dunklen männlichen Sprechparts in Kontrast zu ihren Stimmen und typischen Frage-Antwort-Lyrics. Car Crash sticht aus den anderen Songs heraus, weil er so klar und ruhig ist. Der basslastige Track mit sehr melodischem Gesang ist ein klassischer Popsong, der Twist kommt in den Lyrics: „You’re such a beautiful car crash, baby / I can’t turn away“. Die Platte endet mit dem futuristischen Morning Becomes, einem super rhythmischen Popsong, in dem das Motiv des weiblichen Empowerments noch einmal mit spielerischem Sprachhumor kombiniert wird – ein Element, das die ganze Platte so attraktiv macht.

Haiku Hands haben es geschafft, ihre legendäre Bühnenenergie auf Platte zu pressen. Dabei geht es manchmal chaotisch und oft soundgewaltig zu. Doch die Mischung aus frechem Humor, ernsten Themen und tanzbaren Songs funktioniert einfach so wunderbar, dass es selten zu viel wird. Haiku Hands haben ihren eigenen Stil geschaffen und ihn in verschiedene Genre übersetzt. Das perfekte Album für alle, die Clubs vermissen und dabei noch Lust auf intelligente und witzige Texte haben.

Haiku Hands – Haiku Hands
VÖ: 10.09.2020, Mad Decent / Caroline / Universal
https://www.facebook.com/haikuhands
http://www.haikuhands.com.au

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