Kritik

Veröffentlicht am 7.10.2020 | von Malte Triesch

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DIE MISSWAHL – Filmkritik

“Why should any woman have to earn her place in the world by looking a particular way?”
(Sarah Alexander – Die Misswahl)

Foto © Entertainment One

Sarah Alexander (Keira Knightley) ist eine progressive junge Frau in den 70er Jahren Londons. Mit ihrer Tochter aus dem Gröbsten heraus, schafft sie es sogar ihr unterbrochenes Studium an der Universität wiederaufzunehmen. Ein absolutes Novum zu dieser Zeit. Dort wieder angekommen merkt sie jedoch sowohl, dass es mit der Gleichberechtigung längst nicht so weit ist, wie es sein sollte, als auch, dass es eine eingeschworene Frauengemeinschaft, allen vor die junge Jo Robinson (Jessie Buckley) gibt, die aktiv für die Rechte der Frauen kämpfen. Nach eher un-fokussierten Guerilla- Aktionen rücken die 1970er Miss World- Wahl im Allgemeinen sowie deren Host Bob Hope (Greg Kinnear) und Organisator Eric Morley (Rhys Ifans) in das Visier der zunehmend militanten Frauenbewegung.

Der Film beginnt mit Retro-Bild und Farbfilter bearbeiteten Einstellungen von Bob Hope, der vor den US-Truppen vor Ort in Vietnam auftritt. Dabei ist er nicht alleine auf der Bühne, sondern in Begleitung von hübschen, jungen Damen, unter anderem natürlich Misswahlen-Gewinnerinnen. Dazu gibt es Kameraeinstellungen und Kommentare, so sexistisch wie man es von den 70ern erwarten würde. Somit sind Setting, basierend auf einer wahren Begebenheit und Botschaft, Antisexismus, von Szene eins an klar. Im Folgenden wird sich zunächst sehr viel Zeit genommen um das Leben und die Herausforderungen von Keira Knightleys Sarah darzustellen. Während Ausstattung und Darstellung absolut überzeugen, tut sich der Film schwer die Handlungsebenen, Sarahs privates Schicksal, die Antisexismusbewegung im Allgemeinen und die „Women Liebration Movement“ speziellen und den Trubel rund um die Misswahlen, zu verbinden. Fügen sich die Handlungsstränge von Sarah und der Frauengruppe um Jo noch organisch zusammen, wird parallel die Hintergrundgeschichte von Bob Hope und einigen der Miss World- Teilnehmerinnen aufgebaut. Wobei Bob Hope primär als chauvinistischer Antagonist, der alles verkörpert, gegen das die Women Liberartion Group antritt aufgenaut wird. Wirklich charakterisiert werden jedoch einige Teilnehmerinnen der Miss Wahl, allen voran Miss Grenada (unglaublich elegant und erhaben gespielt von Gugu Mbatha-Raw) und Miss Africa South (Pearl Jansen). Besonders für diese zwei ist allem Sexismus zum Trotz, die Misswahl eine große, wenn nicht die einzige Chance ist ihrem Leben in Armut und Unterdrückung in der Heimat ein Stück weit zu entkommen. Hier wird auch noch der Nebenschauplatz Rassismus eröffnet, denn die eigentliche Miss South Africa war weiß. Erst auf Druck von außen wurde noch „auf die Schnelle“ eine neue dunkelhäutige gecastet um negativ Schlagzeilen in der Presse zu vermeiden. Auch wenn es richtig und wichtig ist alle diese Themen zu beleuchten, will der Film hier einfach etwas zu viel vermitteln, reißt zu viele unterschiedliche Themen an und erzählt leider nicht alle konsequent zu Ende.

Trotzdem ist Die Misswahl jedem an der Thematik(en) und der 1970er in London Interessierten zu empfehlen. Schön zu sehen, wie weit wir alleine in den letzten 50 Jahren gekommen sind und dabei wichtig und erschreckend wieder einmal zu erkennen, wie weit wir noch von echter Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern entfernt sind. Performance der Hauptdarstellerinnen und auch die Herren in der zweiten Reihe,  sowie Ausstattung überzeugen komplett, einzig pointierter hätte der Film sein können und sollen.

Misbehavior (UK / FR 2020)
Regie: Philippa Lowthorpe
Darsteller: Keira Knightley,Greg Kinnear, Gugu Mbatha-Raw, Loreece Harisson, Suki Waterhouse, Clara Rosager, Rhys Ifans
Kinostart: 01.10.2020

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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