Interviews

Veröffentlicht am 24.03.2021 | von Dominik

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PAUL GERLINGER – about the song

Foto-© Lea Bräuer

„Moment mal, das ist doch…“ – Nein, ist er nicht! Die Assoziationen bezüglich der Debütsingle Gut Allein liegen klar auf der Hand (stimmlich AMKs Henning May, klanglich zwischen Faber oder Mays AnnenMayKantereit)…und trotzdem sollte man den 25-jährigen Songwriter aus Mannheim auch losgelöst von diesem vorgefertigten Mindset betrachten…und beachten! Denn abseits von durchgestylten Marketingkonzepten und von Image-Beratern diktiertem musikalischen Output ist Paul Gerlinger eine spröde wie einnehmende Stimme, die tief berührt.

Zur Musik kam er aufgrund von drei Männern, die ihn schon zu Kindertagen geprägt haben: seine beiden Großväter und der Lyriker Eugen Roth, während auch seine gesamte Familie einen Hang zu Musik und Sprache hatten. „Einer meiner Großväter hat mir schon früh Roths Gedichte nähergebracht, der andere ist ein gottgleicher Pianist. Auch der Rest meiner Familie ist sehr musik- und sprachaffin“, erzählt er. Schon in der Grundschule beginnt er, Gedichte zu schreiben. Oft auch als Strafarbeit. Im selben Alter lernt er auch, das Klavier zu spielen, aber letztlich ist ihm das zu konservativ. Die Gedichte machen ihm mehr Spaß.

Mit 15 bringt er sich selbst das Gitarrenspielen bei, mit 20 folgen die ersten eigenen Songs. Er spielt in dieser Zeit gut 150 Konzerte, macht sich in der Region einen Namen. Beeindruckend wird das auch durch den Fakt, dass Paul Gerlinger „im echten Leben“ Standortleiter eines Logistik-Unternehmens ist. Es mag glamourösere Jobs geben, aber genau, weil dieser Job so sehr für das echte Leben steht, abseits von Bühnen und Social-Media-Hypes, fühlen sich Paul Gerlingers Songs so echt und nahbar an. Seine aktuelle Single Gut Allein, gleichzeitig auch Titel seiner Debüt-EP, passt natürlich perfekt in unsere heutige Lockdown-verordnete Zeit, inklusive Doppeldeutigkeit. Für uns hat der Mannheimer alles Wissenswerte darüber zur heutigen Veröffentlichung der Akustik-Session zum Song (hier gibt es die Studio-Version zu hören!) in unserer about the song-Reihe zusammengetragen!

„Und du willst Zweisamkeit, doch ich bin zweifelsfrei Einsamkeit in Person – kein Vergleich: Du bist immer gut drauf, selten schlechte Gedanken
Mich bringt alles ins Wanken und ich geh darin auf!

Du bist gut im gemeinsam sein – Und ich?
Ich war immer gut allein!“

Gut Allein ist im Grunde die Verarbeitung einer Erkenntnis. Den Impuls, der dazu führte, erhielt ich (wie wohl bei unendlichen vielen Liedern dieser Welt) am Ende einer Beziehung, die nicht so ganz glatt gelaufen ist. An solch einem Punkt überdenkt man Vieles aus einer gewissen Verwundbarkeit heraus. Natürlich ist eine Trennung in der Regel keine besonders angenehme Angelegenheit, doch öffnen derartige Ereignisse oft einen Zugang zu sich selbst, der andernfalls vielleicht verborgen geblieben wäre. Diese metaphorische Tür hat mich zum Wühlen in meinen Emotionen und Gedanken gebracht und letztendlich kristallisierte sich eine für mich sehr wichtige, wenn auch vielleicht banale Erkenntnis aus diesem Misch-Masch, die auch heute noch einen meiner Glaubenssätze bildet: „Alleine“ heißt nicht „einsam“.

Nachdem ich diese Gedanken dann als Song (natürlich alleine) aufgeschrieben und diesen anschließend einige Male live erprobt hatte (dass bei einem kleinen Konzert in französischen Weinbergen aus „Gut allein“ sofort „Guter Wein“ wurde, hat mich wenig gestört) , habe ich ihn letztlich in Kooperation mit meinem wundervollen Produzenten Michael Herzer in seinem Studio arrangiert und produziert.

Für mich war das musikalisch etwas völlig Neues – weg von der reinen Gitarrenmusik à la „Liedermacher“ hin zu neuen Klangwelten aus Streichintrumenten, Posaune, Schlagzeug und Konsorten. Dass ich keines dieser Instrumente jemals selbst gespielt habe, mich aber dauernd frage, wie ich jemals ohne sie leben konnte, amüsiert mich manchmal.

Nach getaner Arbeit ist meine Hymne an das Alleinsein jetzt genau wie ich sie haben möchte: warm, positiv-melancholisch und vor allem überall zu hören. Der Song wird mich und vielleicht auch Andere in Zeiten dieser verkorksten Pandemie, die uns alle zwangsläufig isoliert zurücklässt, immer daran erinnern: „Alleine“ heißt nicht „einsam“.

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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