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Veröffentlicht am 18.06.2021 | von Dominik

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BAYUK – it’s all ok

Foto-© Max Hartmann

War Bayuk auf seinem Debütalbum Rage Tapes noch eine Art Styler-King mit seidig geföhnter Haarmatte und Wüstenprinz-Blick, der vom Cover blickte, wie es früher nur Bravo-Starschnitte konnten, hat sich der Newcomer für sein zweites Album Exactly The Amount Of Steps From My Bed To Your Door (VÖ: 27.08.) gewandelt! Reflexion ist nun Trumpf, genauso wie wahre Geschichten aus dem Innersten. „Früher habe ich meine Musik im Spaß als ,verkleideten Pop’ bezeichnet“, sagt Bayuk zum neuen Album. „Wenn man in diesem Bild bleibt, könnte man sagen: Jetzt lege ich die Verkleidung ab.“ Der mittlerweile 29-jährige Exil-Tübinger Wahl-Berliner Magnus Hesse, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, erfindet sich einfach mal eben neu – vielleicht ja einfach für jedes Album, sicher aber für dieses. „Als ich mit der Arbeit an den neuen Songs begann, stand zuallererst die Frage im Raum: Was sind die Themen, über die ich schreiben will? Was will ich erzählen?“, erinnert sich Magnus. Und so selbstverständlich, wie viele womöglich denken, ist das gar nicht. In der ersten Bayuk-Phase waren Magnus und seine Kreativpartner noch öfter von Sounds und Atmosphärenmalerei ausgegangen, ließen sich im Studio durch Spontanität und Experimentierfreude leiten.

Nun also plötzlich Songwriter, weg vom Style, hin zur Substanz. Auf dem neuen Album setzt sich Magnus stilistisch, wie inhaltlich mit seiner eigenen Jugendzeit auseinander. Oder mit Themen wie Erinnerung, Neubewertung, die Spannung zwischen alten und neuen Ichs – und der Frage, was es für die Zukunft bedeutet, wenn man irgendwann das historische Puzzlespiel gelöst zu haben scheint, aus dem sich die eigene Persönlichkeit zusammensetzt. „Ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren viel Musik gemacht, in verschiedenen Genres mit verschiedenen Menschen“, sagt Magnus. „Aber die Stücke, aus denen dann das neue Bayuk-Album wurde, haben alle einen gemeinsamen Vibe, der viel mit meiner Vergangenheit zu tun hat. Mit den Menschen und Orten meiner Jugend und dem College- und Indierock, den ich an ihnen hörte.“ Dieser Indierock ist dann zum Beispiel Bloc Party oder die düster-schöne Welt des Danger Mouse / Sparklehorse Albums Dark Night Of The Soul. Die Crew, die Magnus dabei unterstütze den richtigen Sound für die Songs zu finden bestand dabei aus dem Produzenten Jonas Holle, diversen Gastmusikern, dem Songwriter, Cellisten und Schulbank-Kollegen von damals, Joel Siepmann, sowie Tobias Kuhn, Kopf des kult-umhangenen Projekts Monta und Mitbegründer des neuen Labels Monchique, auf dem das neue Bayuk-Album nun erscheint.

Mit der heutigen Albumankündigung, erscheint auch gleichzeitig die erste Single Head Under Waves daraus, die ein Spannungsfeld aus Melancholie und Happiness, in Form eines ausgewachsenen Ohrwurms serviert. In einem wahren Akustik-Gitarren-Dschungel, in dem kleine Spielzeug-Sounds sich zu Wort melden wie Papageien in den Bäumen, kreuzt der Song zuversichtlich unseren Weg. Inspiriert von der lebenslustigen und gleichzeitig nicht unbeschwerten Stimmung des Films Juno und der Klangästhetik der Moldy Peaches. „Dieser Kontrast erinnert ein bisschen an das Gefühlschaos, das ich aus Teenager-Zeiten kenne und damals gehasst habe – nur um es aus heutiger Sicht im Rückblick zu romantisieren,“ erzählt Magnus darüber. „Der Song handelt von dem Zustand am Ende einer Beziehung, wenn man noch gar nicht checkt, was man selber falsch gemacht hat, warum alles sich so kalt anfühlt, und wie man dort gelandet ist. Er beschreibt das Ende eines schleichenden Prozesses, eines Wegschauens und sich Auseinanderlebens. Kern des Songs ist die Frage, ob alles hätte anders kommen können, wäre man nur mit sich selbst mehr im Reinen gewesen.“

Zum Video, das heute bei uns Videopremiere feiert, ergänzt er: „Bei dem Video zu ‚Head Under Waves‘ war mir wichtig Liebe jenseits von boy meets girl zu erzählen und stattdessen als allgegenwärtiges Gefühl, das verschiedene Dimensionen und Formen hat. Für mich ist das Video eine Liebes-Geschichte, die aber jeder für sich interpretieren kann. Außerdem habe ich dabei gelernt mit zwei eingegipsten Armen und einem Bein in Gips Cornflakes zu essen. Leider durfte ich den Gips allerdings auch in den Dreh-Pausen nicht abnehmen, was relativ unerträglich war. Aber wer will überzeugt sich selbst – ich glaube es hat sich gelohnt.“

YouTube video

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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