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Veröffentlicht am 21.06.2021 | von Christian Weining

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KINGS OF CONVENIENCE – Peace or Love


Foto-© Universal Music

Brave enough to go climbing a wall
So high that no sunlight is seen through winter
Brave enough to go traveling around the world
Without money to eat or sleep for
Seeing what you can do with your hands and feet
I feel there is no question about it
Almost anything you can imagine
Almost any goal, you will get there

(Kings Of Convenience – Rocky Trail)

Wenn heute etwas zwölf Jahre lang dauert, dann horcht man auf – man assoziiert behördliches Versagen und Baudesaster, fürchtet sich vor ewigen Pandemiemaßnahmen und langsamer Impfstoffentwicklung. Dass das vierte Album von Kings of Convencience zwölf Jahre auf sich warten lassen würde, hatte jedenfalls nach der ewig anhaltenden Verzauberung durch die ersten drei Alben wohl kaum jemand erwartet, geschweige denn gehofft. Klar hingegen war, dass die Norweger Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye die Gemütlichkeit als Speerspitze ihres Schaffens immer verteidigen würden und so wundert es letztlich nicht, dass sie die Produktion von Peace or Love nach dem Motto ‘slow has always been the new fast’ mit viel Zeit angingen.

Dahinter liegt aber nicht nur Bequemlichkeit oder Faulheit, im Gegenteil. Viel ist passiert in den Leben der beiden langjährigen Freunde, von Familiengründung übers Sesshaft werden und neue Liebe bis hin zu Trennung und Tod. Und auch musikalisch war es nie still mit Projekten wie The Whitest Boy Alive, Solo-Alben und DJ Sets auf Reisen um die Welt. All diese Einflüsse und Erfahrungen spiegeln sich nun wider, in gewohnt einfach erzählten Geschichten über das komplexe Verhältnis von Liebe und Frieden. So tiefgehend wie gradlinig.

Bis auf den je einmaligen Einsatz von Drums und Drummachine und den Hang zu Bossa Nova Rhythmen, bleiben sie ihrem Sound dabei auf ganzer Linie treu. In einem Interview erklärt Bøe dazu passenderweise, dass sie wie weißer Spargel seien. Jedes Jahr nur kurz verfügbar und allgemein rar, aber man würde sie immer genau so wollen, wie sie eben sind. Man hätte es nicht besser beschreiben können. Die Charaktereigenschaften dieses Spargels sind klar: Zwei optimal austarierte Akustik-Gitarren, zwei sanfte Stimmen in ihrer Mehrstimmigkeit verwoben wie eine, das Gespür für die perfekte Melodie und die unaufdringliche Rhythmik der gemütlichsten Strandparty aller Zeiten. Dabei kommen Stücke wie Rocky Trail und Fever zustande, zu denen man ganz sanft sein feinstes Tanzbein schwingen könnte, aber auch Songs zum Einschlafen, wie Comb My Hair oder Love Is A Lonely Thing mit der großartigen Leslie Feist.

Was nach so viel Erfahrung und dem Talent, das man ihnen zuschreibt, so einfach klingt, war für die beiden Folk-Pop-Pioniere alles andere als eine Leichtigkeit: „We’ve fooled ourselves many times into thinking that now we know how to make records but the moment we’re in the studio we realise that recordings are really about capturing magic. It’s very, very hard to make something sound simple.“ Nach dem fast alle Stücke bereits 2016 geschrieben waren, brauchte es fünf Anläufe und diverse Kontinente, bis das Duo die Magie einfangen konnten, die es sich für seine Musik wünscht.

Peace or Love ist auf vielen Ebenen kein gewöhnliches Album und doch ein gewöhnliches KOC Album, vor allem aber nicht die gewöhnliche vierte Platte einer erfolgreichen Band. Es ist viel eher ein Gegenentwurf von Musikproduktion in einer verschwenderischen high-speed Gesellschaft. „Gut Ding will Weile haben“ ist Programm und das Ergebnis ist faszinierend. 20 Jahre nach ihrem ersten Album klingen Kings of Convenience so sehr nach sich selbst, dass man fast meinen könnte, das wäre langweilig. Aber spätestens nach dem zweiten Biss spürt man wieder, genauso will und wollte man sie immer haben. Den Einfluss der letzten Jahre hört man dabei trotz alles Erwartbarkeit genauso heraus, wie die Perfektion, die sie sich für ihr Handwerk auf die Fahne schreiben. Peace oder Love ist die Frage und doch am Ende keine. Kings of Convenience klingen immer noch nach beidem.

Kings Of Convenience – Peace or Love
VÖ: 18. Juni 2021, EMI
www.kingsofconvenience.eu
www.facebook.com/kingsofconvenience

Kings Of Convenience Tour:
07.06.22 Admiralspalast, Berlin – ausverkauft
08.06.22 Admiralspalast, Berlin
11.06.22 Parkbühne, Leipzig
14.06.22 Laeiszhalle, Hamburg – ausverkauft
15.06.22 Tanzbrunnen, Köln

YouTube video

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