Kritik

Veröffentlicht am 11.10.2021 | von Sam Pacheco

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SUPERNOVA – Filmkritik


Foto-© 2020 British Broadcasting Corporation, The British Film Institute, Supernova Film Ltd

But being sad when something is gone, just means it was great while it was there, right?

(Tusker – Supernova)

Tusker (Stanley Tucci) und Sam (Colin Firth) sind schon Jahrzehnte ein Paar. Tusker, ein Schriftsteller, wurde vor zwei Jahren mit anfänglicher Demenz diagnostiziert. Sam, ein erfolgreicher wenn auch nicht gerade berühmter Pianist, hat nach langer Pause und auf Anregung von Tusker, wieder einen Live-Auftritt im Kalender. Die beiden entscheiden sich mit ihrem alten Wohnmobil zum Auftrittsort zu fahren und unterwegs im britischen Lake District bekannte Wegpunkte ihres gemeinsamen Lebens wiederzusehen.

Demenz und verwandte Krankheiten sind in letzter Zeit ein beliebtes Thema in der Filmlandschaft und ich befürchtete, dass noch ein solcher Film abgedroschen und kitschig wirken würde. Glücklicherweise ist Tuskers Demenz erst am Anfang und wird nur angedeutet, sodass es sich bei Supernova vielmehr um ein cineastisches Roadmovie handelt, das auf eine gewisse Art nichts weiter macht, als die Geschichte einer endenden Zweisamkeit zu erzählen.

Zunächst wird die Kunst der Overture, die uns auf den kommenden Film einstimmen soll, wiederbelebt: Wir betrachten einen Sternenhimmel und nach und nach erscheinen weitere, immer kleiner und dunkler werdende Sterne, als ob unsere Augen sich langsam an die Dunkelheit gewöhnten.Wir lauschen leicht rieselnder Klaviermusik (niemand Geringeres als Keaton Henson war für die Musik zuständig!) und schließlich entflammt klein an einer Stelle, in der Ferne, eine Supernova. Auch für die weitere Entfaltung der Geschichte kann ich mir kein besseres Drehbuch vorstellen. Die Szenen und Dialoge sind naturalistisch, subtil, lustig und einfach wahr. Dass Harry Macqueen (Regie und Drehbuch) für seinen zweiten Film Tucci und Firth, die privat eine enge und ebenso lange Freundschaft verbindet, gewinnen konnte, zahlt sich vielfach aus. Genauer gesagt hat Tucci, der zuerst als Sam gecastet wurde, seinem besten Freund das Drehbuch sofort unter der Hand zugespielt und dann dem Regisseur Firth für die Rolle des Tusker ans Herz gelegt. Im Laufe der Vorbereitungen entschieden die beiden Schauspieler, dass die Figuren umgekehrt viel passender besetzt wären und überraschten den Regisseur wieder mit ihren Besetzungsvorschlägen. Gut, dass McQueen es einsah, denn die beiden Hauptdarsteller füllen wie selbstverständlich nicht nur tadellos ihre Rollen, sondern auch den “negativen Raum” des Drehbuchs. Zusammengenommen entsteht wie von Zauberhand das einfühlsame Bild einer innigen Beziehung zweier Menschen, die sich in- und auswendig kennen, die sich trotz und wegen ihrer Schwächen und Eigentümlichkeiten lieben, sich necken und bestätigen, und sich miteinander vollkommen wohl fühlen.

Umso herzzerreißender ist es, mit anzusehen, wie das kommende Ende seine Schatten wirft. Zunächst geht jeder anders auf seine Weise damit um. Die Spannung zwischen Tusker, der seine Krankheit lieber mit einem Witz überspielt und die Kontrolle über sein Schicksal nicht aus der Hand geben will, und Sam, der schon seit der Diagnose trauert und nicht loslassen will, wird ohne Aufregung, mit Wärme und Verständnis aufgebaut und aufgelöst. Wie in einem Theaterstück halten sich die beiden zum Schluss an den Händen und das Bild wird ausgeblendet.

Für alle, die Lust auf das Thema und einen ruhigen Film haben und Colin Firths und Stanley Tuccis bisher beste Leistung erleben wollen, ist Supernova ein Muss!

Supernova (UK 2020)
Regie: Harry Macqueen
Darsteller: Colin Firth, Stanley Tucci, Pippa Haywood, Peter Macqueen, Nina Marlin, Ian Drysdale
Kinostart: 14. Oktober 2021, Weltkino

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