Kritik

Veröffentlicht am 17.05.2022 | von Patrick Freitag

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ONE OF THESE DAYS – Filmkritik


Foto-© Flare Film / Michael Kotschi

Only keep your hands on the truck!

(Joan – One of these Days)

Kyle (Joe Cole) verbringt bereits sein ganzes Leben in einer texanischen Kleinstadt und ist seit kurzem Vater. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, ist er selbst ohne Job und ohne den Aushilfsjobs seiner Frau Maria (Callie Hernandez) könnten sie sich gar nicht über Wasser halten. Umso verlockender ist für Kyle der jährliche „Hand-on“ Wettbewerb, welcher ermöglicht einen blauen Truck zu gewinnen. Der von Joan (Carrie Preston) organisierte Wettbewerb könnte sein Leben verändern. Doch damit ist er nicht alleine.

One of these Days erzählt die Geschichte von Kyle und 19 weiteren Teilnehmern, die alle in oder aus der Umgebung eines kleinen Ortes mitten in der texanischen Provinz kommen. Zwar liegt der Fokus auf Kyle, aber trotzdem lernt man die Motive der meisten anderen Personen ebenfalls kennen. Diese verbindet dabei eines: der Traum eines neuen Lebens.

Bastian Günther schafft dabei eine gelungene Charakterstudio einer amerikanischen Gegend, welche auf einer wahren Begebenheit basiert. Von Anfang an wirkt die Gegend bedrückend und trostlos und keiner der Charaktere wirkt zufrieden. Umso deutlicher strahlt der blaue Truck auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums, wie ein Leuchtfeuer. Für die einen, eine Möglichkeit der Provinz zu entkommen, für die anderen das jährliche Highlight zur Unterhaltung.

Hieraus ergibt sich das Bild einer Zweiklassengesellschaft. Diejenigen, die am Pick-up klammern, um ihrem bisherigen Leben zu entkommen und denjenigen, denen das Drama zur Unterhaltung dient. Inklusive örtlicher Fernsehübertragung, welche zusammen mit Joan dafür sorgen, die Einzelschicksale immer wieder vor Augen zu führen. Die Teilnehmenden sollen nicht vergessen, in welcher Situation sie sich befinden, um so lange wie möglich durchzuhalten. Zwar auch für sich selbst, aber in erster Linie um längstmöglich zu unterhalten. Dadurch entsteht ein Bild wie von Überlebenskämpfen, auch wenn es nur darum geht, die Hand so lange wie möglich, an einem Truck zu halten, inklusive kurzer Pausen. Andererseits ergeben sich dadurch interessante Charaktere, mit denen man mitfühlt. Jede Hand, die sich vom Truck löst, ist auch ein geplatzter Traum. Doch auch die Zuschauer wirken in der Monotonie ihres Lebens gefangen und so wirkt es schon sehr ironisch, dass die Teilnehmenden inmitten des Films die amerikanische Nationalhymne singen. Vom „Land of the free“, was in diesem Moment gar nicht so frei scheint.

Durch den Fokus auf das Event und das Vermitteln der Schicksale durch die Gespräche der Personen, wirkt der Film wie eine Dokumentation, die einfach mit der Kamera drauf hält. Das kommt dem Film sehr zugute und wirkt durchdacht. Zu Beginn des Films scheint Günther mit der Kamera viel zu experimentieren, was zu manchen komischen Einstellungen führt, von denen nicht jede funktioniert und die einen teilweise aus der Atmosphäre herausziehen. So wird z.B. eine Szene nicht direkt, sondern über die Schulter eines Charakters auf einem Handy gezeigt. Auch das Ende wirkt leider etwas deplatziert. Hier hätte ein früheres Ende dem Film besser getan, sowie das eigentliche Ende für mehr Wirkung am Anfang gesorgt. Trotzdem kann der Film durch seine teilweise dokumentarisch wirkende Inszenierung und dem überzeugenden Charakterschauspiel stellenweise überzeugen. Vor allem Joe Cole und Carrie Preston stechen dabei hervor. Gleichzeitig wirkt der Film teilweise jedoch etwas zu ruhig, und dadurch wirkt die Laufzeit etwas lang. Dies kann auf manche sicher langweilig wirken, transportiert aber auch die Atmosphäre und die Stimmung der Teilnehmenden auf den Zuschauer.

Interessante Studie einer Provinz, dessen dokumentarische Inszenierung gut funktioniert. Leider nicht durchgängig und ein anderer Schnitt hätte dem Film wahrscheinlich besser getan. Wem eine ruhige Inszenierung und tiefgründige Charaktere interessieren, kann jedoch ohne Bedenken einen Blick wagen.

One of these Days (D 2020)
Regie: Bastian Günther
Darsteller: Kyle Parson, Joan Dempsey, Maria Persons
Kinostart: 19. Mai 2022, Weltkino

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