Kritik

Veröffentlicht am 27.06.2022 | von Julius Tamm

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SPENCER – Filmkritik & Verlosung


Foto-© DCM

Where the fuck am I?

(Diana – Spencer)

Seit einiger Zeit scheinen die britischen Royals wieder hoch im Kurs zu sein. Aber nicht, weil die Menschheit die Monarchie als Staatsform neu entdeckt hat. Spätestens seit der Netflix-Serie The Crown gibt es ein großes Interesse an den Skandalen und Machenschaften der britischen Adelsfamilie. 25 Jahre nach ihrem Tod ist auch das Leben der verstorbenen Princess of Wales, Diana Spencer, ein beliebter Stoff für Film und Fernsehen. Mit Spencer widmet sich Pablo Larraín nach dem Portrait von Jackie Kennedy (Jackie) erneut der Biografie einer berühmten Frau, die öffentlich als strahlender Stern galt, hinter den Kulissen aber von dunklen Schatten umgeben war. Leider beweist Larraín erneut ein Talent dafür, aus spannenden Geschichten langatmige, zähe Endprodukte zu fertigen.

Die Geschichte von Spencer wird vor allem durch Symbolik erzählt. Schon zu Beginn erleben wir eine Princess of Wales (Kristen Stewart), die verloren ist. Im wahrsten Sinne des Wortes findet sie nicht den Weg zum Landsitz der Windsors, um dort das Weihnachtsfest mit ihrer Familie zu feiern. Doch die fehlende Orientierung ist viel mehr ein Symbol für Dianas inneren Gefühlszustand. Um das zu verstehen, wird von den Zuschauerinnen und Zuschauern ein gewisses Maß an Vorwissen vorausgesetzt – Fans von The Crown sind hier klar im Vorteil. Dass Lady Di in einer unglücklichen Ehe steckt, eine Außenseiterin unter den Royals ist und unter Essstörungen leidet, sickert erst nach und nach im Laufe des Films durch.

Begleitet und verstärkt wird Dianas Leidensweg von einem Mix aus düsteren Klaviertönen und disharmonischem Jazz. Larraín versteht es sehr gut, seinem Publikum das gleiche Gefühl wie seiner Hauptfigur zu geben. Alles fühlt sich eng, beklemmend und bedrohlich an. Egal wie pompös das Anwesen oder wie spektakulär das Essen ist, nichts davon beeindruckt unter der Last des Unwohlseins. Das Problem daran: Sich zwei Stunden lang unwohl zu fühlen, macht nicht wirklich Spaß. Irgendwann möchte man am liebsten ausschalten und sich lustige Tiervideos anschauen.

Selbst Hauptdarstellerin Kristen Stewart scheint sich in ihrer eigenen Rolle unwohl zu fühlen. Ihre Performance als Lady Di wirkt affektiert, abgehackt und ungelenk. Vor allem wenn sie spricht, hat es den Anschein, dass Stewart jedes einzelne Wort mit Gewalt hervorbringen muss. Ihr Wesen scheint sich dagegen zu wehren, das große Leid von Diana Spencer durchspielen zu müssen.

Dianas Lebensgeschichte fasziniert viele Menschen, genauso wie Jackie Kennedys Leben. Doch Regisseur Larraín verwehrt den meisten von diesen Menschen, durch seine Art Filme zu machen, den Zugang dazu. Zu langatmig, zu unangenehm ist seine Erzählweise.

Spencer (2021 D, UK, USA, CHL)
Regie: Pablo Larraín
Darsteller: Kristen Stewart, Timothy Spall, Jack Farthing, Sally Hawkins, Jack Nielen, Freddie Spry, Sean Harris
Heimkino-VÖ: 24. Juni 2022, DCM

In Kooperation mit DCM verlosen wir zum Heimkino-Start von Spencer jeweils eine Blu-ray und eine DVD zum Film! Ihr wollt gewinnen? Dann schickt uns bis zum 4. Juli eine Mail mit dem Betreff „Spencer + Blu-ray oder DVD, je nachdem was ihr gewinnen wollt“ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr bald von Post von uns in eurem Briefkasten!

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und schreibt auch noch drüber. Autor bei bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt, hr-iNFO Online und hessenschau Social Media.



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