MEMOIREN EINER SCHNECKE – Filmkritik


Foto-© Arenamedia Films

Life was fleeting, but so precious.

(Grace – Memoirs of a Snail)

Nachdem die ältere Dame Pinky (Jacki Weaver), um die Grace (Sarah Snook) sich gekümmert hatte, verstorben ist, sinniert Grace in Pinkys Garten über ihr eigenes Leben und die gemeinsame Zeit mit der älteren Dame und ihr rätselhaftes letztes Wort, was sich sehr nach „potatoes“ also Kartoffeln angehört hat. Gemeinsam mit ihr und ihrer Lieblingsschnecke Sylvia tauchen wir in die prägendsten Episoden ihrer bisherigen (Lebens-)Reise ein.

Memoirs of a Snail ist der erste Spielfilm von Regisseur und Autor Adam Elliot in 15 Jahren, denn an sich fokussiert der Mann sich auf Kurzfilme und das merkt man. Nicht wegen mangelnder Qualität, nein, vielmehr daran, dass der Film in pointiert kurzen Geschichten aus Graces Leben unterteilt ist. Denn vor diesem Film inszenierte Elliot in ähnlichem Stop-Motion-Stil schon einig Kurzgeschichten. Mit etwas mehr Budget, umgerechnet nur ca. 4 Millionen Euro, hat er nun seinen zweiten Spielfilm auf die Beine gestellt. Auch wenn sich dieser technisch natürlich nicht mit den LAIKA-Produktionen wie Coraline (2006) oder zuletzt Wendel & Wild im Jahr 2022 messen kann, die herrlich verschrobenen Figuren strotzen nur so vor Charme. Tricktechnisch stechen dabei besonders Tränen, von denen sie und ihr viele vergießen werdet, hervor. Ein Effekt, der mit schnödem Schmiermittel erreicht wurde, aber optisch begeistert. Dabei richtet sich der Film mit seiner sehr düsteren Erzählung, auch wenn es viel zu lachen gibt, klar an Erwachsene. Nicht umsonst hat er in den USA ein R-Rating erhalten und wer auf solche Dinge nichts gibt, der lässt sich vielleicht davon überzeugen, dass eine Passage von Gothic Rock-Legende Nick Cave vorgetragen wird, melancholischer wird es nicht. Der Fokus des Films liegt dabei auf den Umgang mit Einsamkeit, Selbstwert, Außenseitertum und dem Älterwerden, wobei ganz konkret Homophobie und toxische Beziehungen beleuchtet werden. Dabei wirkt der Film aber weder überladen noch übertrieben moralisiert. Bis dieser kleine Indie-Film nun bei uns regulär ins Kino kommt, war es ein steiler Kampf durch viele Festivals, allein hierzulande lief er bereits 2024 auf dem international Film Festival in Mannheim/ Heidelberg und dann 2025 auf den Fantasy Filmfest Nights deutschlandweit und im Zuge dessen viel Mund-zu-Mund-Propaganda. Da kann man als Zuschauer eigentlich gar nichts falsch machen.

Wer schrulligen Stop-Motion Style mag und mit bitterschwarzem Humor umgehen kann, sollte hier dringend reinschauen. Ebenso Fans von Tim Burtons klassischen Stop-Motion Filmen, mit deren Figuren sich Grace und auch manch andere aus Memoirs of a Snail gut verstehen würden. Nur wird hier weder gesungen noch ein großes Narrativ verfolgt, sondern eher realistische Alltagsprobleme karikiert und Missstände in der Gesellschaft ans Licht gebracht. Eines dieser wenigen Werke, das zwar allem Leid und aller Trauer zum Trotz am Ende doch irgendwie als Wohlfühlfilm durchgeht.

Memoirs of a Snail (US 2024)
Regie: Adam Elliot
Darsteller: Jacki Weaver, Sarah Snook, Eric Bana, Dominique Pinon, Adam Elliot, Magda Szubanski
Kino-Start: 24. Juli 2025, Capelight Pictures

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Malte Triesch

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.

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